Prien/Chiemsee – Wo sind die Fische im Chiemsee? Aktuell schwimmen nur wenige durch das klare Wasser des Sees. Martin Schönleitner von der Chiemseefischerei Stephan in Prien bestätigt die Problematik. „Wir sind seit acht Wochen nicht mehr rausgefahren, das bringt‘s einfach nicht“, schildert er die Lage. Für das Fischbistro in Prien bekommen sie aktuell Renken vom Simssee. „Vom Chiemsee kommt nix“, meint Schönleitner. Teurer seien die Fische aber nicht geworden.
Fisch-Misere
hat viele Gründe
Florian Kirchmeier, Chef der Fischereigenossenschaft Chiemsee, sieht mehrere Gründe für die Fisch-Misere. Nummer 1 dürfte der geringe Niederschlag im Winter und Frühling sein. Dadurch gelangten nur wenig Nährstoffe in das Wasser. „Bei den Renken ist der Ertrag dieses Jahr sehr schlecht“, stellt Kirchmeier fest. Einen Abwärtstrend gäbe es schon länger, aber „so krass, so erheblich ist neu“. Das klare Wasser und die große Sichttiefe seien eindeutige Hinweise auf Nährstoffarmut. Keine Nährstoffe bedeuten kein Futter für die Fische, „der Fisch steht“, wie Kirchmeier erklärt. Dadurch schwimme der Fisch nicht ins Netz. Die Fische seien zudem sehr klein, zu klein für die Netze der Fischer. Ein oder zwei schlechte Jahrgänge seien aber durchaus normal, gibt Florian Kirchmeier zu.
Ein weiterer Grund und das wohl akuteste Thema, das den Fischern am Chiemsee Sorgen bereitet, ist die Quagga-Muschel. Seit vergangenem Jahr ist die invasive Muschel-Art zum „Riesenproblem für uns Fischer“ geworden, wie der Chef der Fischereigenossenschaft erklärt. Sie filtert die Nährstoffe aus dem Wasser und verdrängt somit die heimischen Fische aus ihrem Lebensraum. Auf diese Weise stellt die Muschel eine große Herausforderung für die Fischer dar, die damit lernen müssen umzugehen. „Wir müssen uns auf die Muschel einstellen, nicht andersrum“, stellt der Chiemsee-Fischer Kirchmeier fest.
Bislang gebe es kein Rezept oder einen Lösungsansatz für die Muschel-Situation. Die Fischer stehen gemeinsam in Kontakt. „Es ist wichtig, sich darüber auszutauschen, Infos zu sammeln und Datenerhebungen anzustoßen“, erläutert Kirchmeier.
Austausch
am Fischertag
Als Anlass für einen gemeinsamen Austausch dient der Fischerei-Tag am 25. Juli auf der Fraueninsel. Dort sollen auch Politik, Behörden und Fachpersonal vor Ort vertreten sein und gemeinsam ins Gespräch kommen. Es könne vieles passieren und Lösungen entwickelt werden, aber dafür benötige man Daten, glaubt der Fischer.
Zusätzlich zu den wenigen Fischen im Chiemsee beschäftigt die Fischer auch das Thema Alzabfluss. Aktuell gibt es Diskussionen, ob der niedrige Pegelstand des Sees mithilfe von verschiedenen Mitteln um rund zehn Zentimeter angehoben werden soll.
Hochwasserschutz
geht vor
Der Chef der Fischereigenossenschaft Chiemsee ist da zwiegespalten. Aus reiner Fischersicht sei es nicht schädlich, einen gewissen Pegelstand zu haben oder diesen zu erhöhen, so Kirchmeier. Auf diese Weise ließe sich ein schnelles Austrocknen der Laichplätze verhindern. Allerdings ist Kirchmeier selbst Anwohner und ist überzeugt: „Der Hochwasserschutz hat höchste Priorität.“