Chiemsee/Seeon-Seebruck – Der niedrige Chiemseepegel stellt die Chiemseeschifffahrt vor Probleme: Zeitweise konnte der Dampfersteg in Seebruck aufgrund des niedrigen Wasserstandes nicht angefahren werden. Martin Bartlweber, der Seeon-Seebrucker Bürgermeister, bestätigt das. „Natürlich ist dies für uns und unsere Gäste ein großer Nachteil, wenn wir nicht angefahren werden können“, stellt Bartlweber fest. Die Region ist stark tourismusgeprägt und auf Gäste angewiesen. Allerdings würden sich die Einbußen noch in Grenzen halten, weil die Einschränkung nur temporär war.
Trockenheit und
wenig Niederschlag
„Die weitere Entwicklung ist jedoch besorgniserregend. Insbesondere fehlen Niederschläge und die ausbleibende Schneeschmelze im Frühjahr“, erklärt der Bürgermeister von Seeon-Seebruck.
Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein sieht wenig überraschend ebenfalls das anhaltend trockene Wetter und die „insgesamt ungewöhnlich niedrigen Niederschlagsmengen“ als Gründe für den stark zurückgegangenen Chiemseepegel. Deshalb musste die Chiemseeschifffahrt zeitweise eingeschränkt werden und es konnten keine Passagierschiffe an den Anlegestellen in Seebruck und Übersee mehr ansteuern. Nach Kenntnis des Wasserwirtschaftsamtes ist der Seestand bei den Niederschlägen Anfang und Mitte Juni allerdings wieder so weit angestiegen, dass zumindest derzeit keine Einschränkungen mehr bestehen.
Die Wassersportschule Chiemgau (WSSC) mit Sitz im Hafen Madl in Übersee hatte bislang keine Probleme mit dem Wasserstand. Das stellt Inhaber Mario Wallentin fest. „Unsere Liegeplätze haben ausreichend Wasser und die Hafenein- und -ausfahrt hat eine ausreichende Tiefe für unsere Schiffe.“
Ihm sei allerdings ein Schiff in Übersee mit „größerem Tiefgang“ bekannt, das in den letzten Wochen Probleme gehabt hätte und beim Herausfahren aus dem Liegeplatz stecken blieb, woraufhin der Segelausflug beendet war. Von der Wassersportschule Rosenheim weiß Wallentin allerdings, dass diese mit ihren Segelbooten nicht aus dem Hafen Bernau herauskam und deshalb die Segelpraxisausbildung für mehrere Wochen einstellen musste. Auch mit anderen Ausbildungsstätten sei die Wassersportschule Chiemsee in Kontakt, generell treffe der niedrige Wasserpegel die Bootsschulen am Chiemsee aber noch nicht extrem, so Wallentin.
Das deckt sich mit der Aussage von Benny Richter, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Segel-Clubs Breitbrunn Chiemsee. Wie Richter erklärt, hat der Verein in Hinsicht auf den Wasserstand bislang wenig Einschränkungen. Zwar müssten einige Hafenanlieger ihr Schiff etwas durch den Schlamm ziehen, aber das sei „in den letzten Jahren immer mal wieder der Fall gewesen“.
Wassersportschule musste
Segelausbildung einstellen
Zu dem Thema, ob eine Verlangsamung des Alzabflusses in Bezug auf den niedrigen Wasserpegel machbar und sinnvoll sei, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen. So auch jüngst Ende Juni in Grabenstätt, als der Landtagsabgeordnete Dr. Martin Brunnhuber zu einem gemeinsamen Austausch einlud. Hintergrund waren die anhaltende Niedrigwassersituation im Chiemsee und die zunehmenden Auswirkungen. Ziel des Austauschs sei es gewesen, die aktuelle Lage zu bewerten und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren, wie es in einer Pressemitteilung des Landtagsabgeordneten heißt.
Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat zu dem Thema eine Vorstudie erstellt, bei der als fachlich bevorzugte Lösung eine sogenannte „raue Rampe“ oder Rauschwelle am Seeauslauf vorgestellt wurde. Bei dieser Maßnahme könnte der Wasserstand um rund zehn Zentimeter angehoben werden. Die Untersuchung zeigt, dass „sich neben gewünschten Wasserspiegelanhebungen in Niedrigwasserzeiten auch Verschlechterungen für die Chiemsee-Anrainer bei Hochwasser ergeben würden“, so das Wasserwirtschaftsamt.
Vorstudie über mögliche
Lösung bei Alzabfluss
Insbesondere die Schifffahrt, Hafenanlagen und touristische Infrastruktur würden davon profitieren, allerdings wurde auch deutlich, dass „jede bauliche Veränderung erhebliche Auswirkungen auf Hochwasserschutz, Gewässerökologie und das sensible Gesamtsystem von Chiemsee und Alz haben kann“, so die Quintessenz. Somit sei eine kurzfristige Umsetzung nach einer Einschätzung der Fachbehörden nicht realistisch, sondern ein Zeitraum von fünf bis zehn Jahren für die Umsetzung. Die Kosten lägen dabei grob im einstelligen Millionenbereich.