Marquartstein – Zum 100. Todestag von Rainer Maria Rilke gestalteten das Vokalensemble „Canto delle Dame“ unter der Leitung von Alessandra De Crescenzo und Sprecher Alexander Fietz in der evangelischen Erlöserkirche einen außergewöhnlichen Abend. Musik, Sprache und Raum verschmolzen dabei zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk.
Die zwölf Sängerinnen des Ensembles überzeugten auf höchstem Niveau mit Homogenität, Intonationsreinheit und feinsinniger Dynamik. Dem stand die eindrucksvolle Rezitation von Alexander Fietz gegenüber, der Rilkes Gedichte mit ruhiger Würde und großer Präzision vortrug. In besonders bewegenden Momenten begleiteten die Sängerinnen seine Worte mit zartem Summen oder schwebenden Klangflächen.
Die dramaturgisch meisterhafte Programmgestaltung stellte Rilkes Gedanken über Leben, Liebe und Vergänglichkeit in einen Dialog mit Werken aus vier Jahrhunderten. Die musikalische Reise reichte von barocken Klängen von Henry Purcell und Georg Friedrich Händel über die Romantik mit Fanny Mendelssohn und Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zur Moderne. Zeitgenössische Werke wie Morten Lauridsens „Dirait-on“, Ola Gjeilos „Northern Lights“ und Eriks Ešenvalds‘ sphärisches „Lux Aeterna“ ließen den Kirchenraum in faszinierenden Klangfarben erstrahlen.
Die künstlerische Leistung aller Beteiligten war herausragend: Die Stimmen des Ensembles fügten sich perfekt ineinander, während Fietz den Texten ohne Pathos eine zeitlose Kraft verlieh.
Am Ende stand weit mehr als ein gelungenes Chorkonzert – es war ein Abend, der zeigte, wie intensiv Musik und Poesie gemeinsam Herz und Seele berühren können. wun