„Die Natur selbst ist die Kunst“

von Redaktion

Die Ausstellung „Art in Nature“ mit Fotografien und Gemälden von Nils-Udo ist in Prien am Chiemsee eröffnet worden. Erstmals sind die Naturwerke des weltberühmten Künstlers im Chiemgau zu sehen. Seine Installationen zeigen die Schönheit und Verletzlichkeit der Umwelt.

Prien – Die Ausstellung „Art in Nature“ mit Fotografien und Gemälden von Nils-Udo ist jüngst in der Galerie im Alten Rathaus eröffnet worden. Wie Bürgermeister Andreas Friedrich erklärte, sei die Kunst von Nils-Udo von seiner Achtung für die Natur geprägt. Er erinnere damit daran, dass sie nicht nur eine Ressource, sondern Lebensraum, Heimat und Quelle der Schönheit sei.

Seit 1970
im Chiemgau

Der Vorsitzende des Kulturfördervereins, Georg Klampfleuthner, sagte, es sei die Aufgabe seines Vereins, Kunst und Kultur sichtbar zu machen und Räume für Begegnung zu schaffen. Nils-Udo wolle mit seinen Werken aufzeigen, wie wichtig der Erhalt der Natur sei. Der anwesende Künstler, der seit 1970 im Chiemgau wohnt, erklärte in einem kurzen Überblick sein Schaffen, das ihn rund um die Welt geführt habe. Im Jahr 1972 habe er aufgehört zu malen, stattdessen Ländereien gekauft und diese bepflanzt. Er habe nur mehr in und mit der Natur arbeiten wollen. „Die Natur selbst ist die Kunst“, so sein Credo.

Auf seinen Reisen habe er stets auf eine vorgegebene Situation reagiert; so auf Sylt mit Rosenblättern, in Japan mit Bambus, in Irland mit Torf und Steinen. An der Nordsee habe er die Gezeiten mittels Fotografie erlebbar gemacht und vieles mehr. Mit seiner Kunst wolle er „die Augen und die Herzen öffnen für die Schönheit der Natur“.

Die Projektmanagerin der Kultur- und Heimatpflege des Landratsamts Traunstein, Dr. Maria Schindelegger, brachte in ihrer Laudatio dem zahlreich erschienenen Publikum das 60-jährige Schaffen des Künstlers nahe. Es sei die erste Ausstellung, die in seiner Wahlheimat, dem Chiemgau, stattfinde. Begonnen habe alles in den 60er-Jahren, in denen er in Paris Mitbegründer des „Neuen Realismus“ gewesen sei, dessen Vertreter Pflanzen und Naturmaterialien in ihren Werken interpretierten. Hier gäbe es eine Parallele zu den Chiemsee-Malern, die damals raus aus den Ateliers gegangen seien, um im Freien zu malen.

In den 70er-Jahren sei Nils-Udo noch einen Schritt weitergegangen und habe Bäume nicht mehr nur gemalt, sondern sie gepflanzt und ihre Prozesse und Rhythmen im Wechsel der Jahreszeiten sowie des Lichts fotografisch festgehalten – und damit die Natur zum Material der Kunst gemacht.

In seinen Werken zeige er deren Kraft auf, indem er Ahornblätter wie Wimpel im Wind flattern lasse oder Löwenzahnblüten wie Schnüre an ein Floß binde, damit sie sich durch Wind und Strömung bewegten. Ein Werk dieser Art steht am Feßler Weiher in Prien am Chiemsee.

„Mit seiner Kunst möchte er der Natur helfen, sich zu zeigen, und dem Betrachter einen Zugang zu ihrer Schönheit zu ermöglichen“, so die Kunsthistorikerin. In diesem Sinn seien auch seine Tore zu verstehen, die den Eingang zur Natur symbolisierten. Dies sei auch als ein Zeichen gegen ihre Ausbeutung zu werten. Sein Markenzeichen, für das er auf der ganzen Welt bekannt sei, seien die „Nester“, die er in verschiedenster Art seit 1978 kreiere. Sie seien als Schutzraum und Zuhause zu verstehen, zeigten aber auch, wie schutzlos wir den Naturgewalten ausgeliefert seien. So habe er in Paris ein Nest mit schwarzen Basalteiern gefüllt und abgeflämmt, um die Ausbeutung der Natur zu offenbaren, denn damit „haben wir unser Nest zerstört“.

Nester als Schutzraum
und Mahnmal

Ein weiteres Zitat von Nils-Udo bringe es auf den Punkt, so Schindelegger: „Ich zeichne mit Blumen, male mit Wolken und schreibe mit Wasser.“ Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 4. Oktober, mit einem umfangreichen Rahmenprogramm und Führungen zu sehen.

Artikel 1 von 11