Prien – Der Wirtschafts-, Tourismus- und Mobilitätsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung ein Budget in Höhe von 60.000 Euro für die Wirtschaftsförderung und die Ertüchtigung des Ortszentrums beschlossen. Wie Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) erklärte, sollte der Fachbereichsleiter für Kultur, Tourismus und Wirtschaft, Tobi Huber, erläutern, welche Maßnahmen damit umgesetzt werden sollen.
Huber sagte, man habe keine Schnellschüsse machen wollen und daher zunächst geschaut, was andere Gemeinden umsetzten, sowie Netzwerktreffen abgehalten. Er wolle nicht von einer Krise sprechen, aber man könne einen Strukturwandel beim Leerstand und dem Kaufkraftabfluss erkennen. Im Ortszentrum gebe es prägnante Leerstände. Zudem würden hochwertige Geschäfte durch weniger anspruchsvolle ersetzt, was die Qualität und die Wertigkeit des Ortsbilds mindere.
Gründerfonds mit
flankierenden Maßnahmen
Wichtige Nahversorger und etablierte Einzelhandelsgeschäfte würden sich immer mehr in den Außenbereich verlagern, auch aufgrund steigender Gewerbemieten. Zudem hätten größere Handelsunternehmen wenig Interesse an kleineren Standorten. Man müsse aktiv neue Ladenbetreiber bewerben und neuen Leerstand durch größere Unterstützung verhindern.
Mit einem Leerstand-Management wolle man Zahlen sammeln, anhand derer man arbeiten könne. Neben einem Imagefilm und einer Website werde man einen Gründerfonds mit flankierenden Maßnahmen einrichten, um das Zentrum zu beleben. Aber die Summe, die zur Verfügung stehe, sei begrenzt.
Auf die Frage von Peter Fischer (ÜWG) erklärte Huber, die Wünsche der Einzelhändler seien Parkplätze, eine höhere Wertschätzung sowie ein größerer Austausch. Es fehle ein direkter Ansprechpartner. Bürgermeister Friedrich (ÜWG) ergänzte, die Maßnahmen müssten sich auf beide – die bestehenden Händler sowie neue – beziehen. Ideen seien, die Samstage stärker zu bewerben, Kinderbetreuung anzubieten, den Leerstand zu erfassen und neue Händler gezielt anzusprechen.
Karina Dingler (ÜWG) fragte, ob man die Bürger nach ihren Wünschen gefragt habe. Huber verneinte dies, zeigte aber auf, dass in Rosenheim in leer stehenden Geschäften Banner hängen würden, auf denen geschrieben stehe: „Was könntet ihr euch hier drin vorstellen?.“ Dies sei ein interessanter Ansatz, so Huber. Gabi Schelhas (SPD) sagte, Bürger hätten ihr mitgeteilt, dass Geschäfte, in denen man Alltagsdinge erstehen könne, gewünscht seien. Einstimmig wurde beschlossen, die vorgestellten Maßnahmen weiter umzusetzen.
Danach stellte der Leiter des Tourismusbüros, Florian Tatzel, die aktuellen Zahlen vor. Er ging zunächst auf die Buchungszahlen im Zeitraum Januar bis Juni der verschiedenen Kooperationspartner des Informations- und Reservierungssystems 18 (IRS18) wie beispielsweise Booking.com oder Holidu ein. Hier gebe es zwar im Vergleich zum vorausgegangenem Jahr einen Rückgang von knapp fünf Prozent und beim Umsatz von 2,2 Prozent. Die Ankünfte (ohne Kliniken) seien jedoch im ersten Halbjahr nur um 1,76 Prozent und die Übernachtungen (ohne Kliniken) um 0,91 Prozent niedriger als im Vorjahr. Hier sei auch zu erwähnen, dass das Jahr 2025 ein sehr gutes Jahr gewesen sei. Die Gäste hätten heuer sehr spät gebucht. Die Aufenthaltsdauer liege 2026 etwas über dem Vorjahr, was ein guter Trend sei. Bei den Ferienwohnungen laufe es sehr gut, bei den Gasthöfen sei es in etwa gleich wie zuvor, die Hotels seien im Minus, was aber daran liegen könne, dass das Hotel Luitpold Zimmer an die Klinik St. Irmengard abgetreten habe. Er glaube, dass der Jahresumsatz von 1,2 Millionen Euro im Vorjahr wieder erzielt werden könne. Der Tagesordnungspunkt stand zur Kenntnisnahme.
Gäste kommen auf
Empfehlung von Freunden
Es folgte der aktuelle Stand der Gästebefragung. Wie Huber erklärte, hätten seit Ende Mai, also rund um Pfingsten, 63 Gäste ihre Meinung abgegeben. Man habe dazu Flyer, Aufsteller, Aufkleber und Plakate an die Unterkünfte verteilt. Man wolle so Wünsche der Gäste erfassen und erkennen, wo man nachbessern müsse. Viele würden mit dem Fragebogen beginnen, ihn aber nicht zu Ende führen. Die wichtigsten Fragen würden aber am Anfang stehen. Damit solle auch erfasst werden, wie viel Geld die jeweilige Zielgruppe in Prien ausgebe. So wisse man, dass beinahe die Hälfte aller Gäste auf Empfehlung von Freunden nach Prien komme, rund 20 Prozent aufgrund einer Online-Recherche und rund sieben Prozent aufgrund von Reiseführern. Die meisten (über 40 Prozent) hätten sich dann online weiter informiert, rund 25 Prozent über die Priener Tourismus-Website. Die meisten Buchungen (52 Prozent) seien direkt in der Unterkunft getätigt worden, es folgten mit 32 Prozent die großen Buchungsportale. An dritter Stelle liege das Priener Tourismusbüro. Das Alter der meisten Besucher liege zwischen 45 und 65 Jahren.
Die Outdoor-Aktivitäten seien der Hauptgrund (fast 60 Prozent) für den Aufenthalt. Es folgten nahezu gleich „Bewusstes Reisen“ und „Kultur und Genuss“. Familienangebote seien bei rund zehn Prozent der Gäste die Ursache für ihr Kommen. Allen voran stehe der Chiemsee als Grund für die Reise (über 70 Prozent), gefolgt von der Natur (knapp 50 Prozent) sowie „Ruhe und Erholung“ (rund 25 Prozent). Die meisten kämen als Paar und seien vorwiegend das erste Mal für eine Woche da.
Verbesserungswünsche bestünden hinsichtlich der Fahrrad-Infrastruktur. Erster Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) erklärte, in früheren Befragungen wäre ihm folgendes Paradoxon aufgefallen: Die Besucher störe am meisten der viele Verkehr, die meisten von ihnen seien aber selbst mit dem Pkw angereist. Die Gästebefragung sei zeitlich unbegrenzt und solle dauerhaft eingesetzt werden. Der Tagesordnungspunkt stand zur Kenntnisnahme.
Konzepte für Radverkehr
und Mobilität
Danach kam der Sachstand des Radverkehrskonzepts zur Sprache. Die Entscheidung für die Erstellung eines solchen Konzepts würde auf den Vorschlägen der Radverkehrsbeauftragten fußen, erklärte der Geschäftsleiter Donat Steindlmüller. Man habe dafür einen Förderantrag gestellt. Es stünden 75 Prozent im Raum, die aber nur gewährt würden, wenn die Maßnahmen auch umgesetzt würden. Zur Umsetzung ziehe man das Logistik-Kompetenz-Zentrum sowie ein Planungsbüro heran. Man warte nun auf die Bewilligung der Förderung, dann könne es losgehen. Leider seien die bürokratischen Hürden, insbesondere bei Förderprogrammen des Bundes, sehr hoch, weshalb sich die Angelegenheit etwas hinziehen könne, so Steindlmüller. Der Tagesordnungspunkt stand zur Kenntnisnahme.
Es folgte der Bericht zur Mitfahr-Community „Pendla“, die eingeführt worden sei, da 2027 von Februar bis Juli aufgrund der Bahnstreckensanierung kein Zugverkehr zwischen Rosenheim und Salzburg möglich sei. Wie Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) erklärte, sei die Nutzung der Plattform kostenfrei; die Kosten in Höhe von 0,035 Euro pro Einwohner für das System, also 1.634 Euro für drei Jahre, trage die Gemeinde. Obwohl noch keine Werbung dafür gemacht worden sei, gebe es bereits 50 Mitglieder und Angebote für 136 Fahrten pro Woche sowie drei Fahrgemeinschaften. Man werde das Angebot bekannter machen und auch alle Arbeitgeber vor Ort darüber informieren. Die Bahn biete zudem einen Schienenersatzverkehr an. Aber bei 500 Personen, die ein Zug transportiere, würden zehn Busse pro Zug benötigt, um dies zu kompensieren. Im Weiteren sei man mit dem Flixbus in Kontakt getreten, die Gespräche würden noch laufen. Auch dieser Tagesordnungspunkt stand zur Kenntnisnahme.
Als Letztes kam der Ortsbus zur Sprache. Wie das Gemeindeoberhaupt erläuterte, habe das Gremium im Februar 2025 die Fahrten des Ortsbusses am Wochenende um einige Fahrten erweitert: Es gibt seither zwei zusätzliche Fahrten am Samstag und drei weitere am Sonntag. Dies entsprach auch dem Wunsch der Hotels in Hafennähe. Die zusätzlichen Kosten dafür würden 26.093 Euro pro Jahr betragen.
Es sei auch beschlossen worden, dies nach einem Jahr anhand der Fahrgastzahlen zu überprüfen. Leider könne der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) als Betreiber keine Informationen zu den Nutzern liefern. Laut Busfahrer und dem Tourismusbüro würden die Fahrten aber sehr gut angenommen. Ein Mehr an Fahrten sei in der derzeitigen Haushaltslage nicht drin, so Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG).
Das Gremium beschloss mit einer Gegenstimme von Michael Feßler (CSU), an dem Angebot festzuhalten.