Viel Kritik an Lidl-Neubau

von Redaktion

Der Chieminger Gemeinderat hat den Planentwurf für den Lidl-Neubau im Ortsteil Egerer mehrheitlich gebilligt. Zuvor hatten Bürger wegen des Verkehrs und des Umweltschutzes Bedenken geäußert. Auch im Gemeinderat war das Vorhaben umstritten. Die Grünen stimmten geschlossen gegen das Projekt.

Chieming – In der jüngsten Gemeinderatssitzung hat der Gemeinderat den Planentwurf zur Änderung des Flächennutzungsplanes im Bereich Egerer mehrheitlich gebilligt. Auch der Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes „Sondergebiet Lebensmittelmarkt“ für den Bereich
Goriweg wurde mit elf zu vier Stimmen zugestimmt. Die Fraktion der Grünen stimmte geschlossen dagegen. Hintergrund der Planungen ist der Abriss und vergrößerte Neubau des bestehenden Lidl-Marktes nach 18 Jahren. Im Vorfeld hatten sieben Träger öffentlicher Belange Stellungnahmen abgegeben. Während die Regierung von Oberbayern keine Einwände erhob, wies das Staatliche Bauamt auf einzuhaltende Mindestabstände zur Staatsstraße 2095 und die geplante Anbindung über einen neuen Kreisverkehr hin. Die Untere Naturschutzbehörde bemängelte den Verlust wertvoller Ausgleichsflächen und Biotope. Bürgermeister Stefan Reichelt (CSU) erklärte hierzu, dass die entfallenden Flächen flächengleich an anderer Stelle ersetzt würden. Die Handwerkskammer warnte vor einer Schwächung des Ortskerns und bedauerte den Wegfall von Mischgebietsflächen, während der Bauernverband den Verlust von Ackerflächen kritisierte. Reichelt bewertete die geringfügige Inanspruchnahme jedoch als vertretbar zur Sicherung der Nahversorgung.

„Ich tue mir schwer
mit dem Fall“

In der Ratsdebatte stieß die geplante Erweiterung der Verkaufsfläche von 800 auf 1.200 Quadratmeter auf Widerstand. Sebastian Heller (Grüne) kritisierte den Verlust des Mischgebiets und erklärte: „Ich tue mir schwer mit dem Fall“. Vorschläge für eine zweigeschossige Bauweise zur Schaffung von Wohnraum oder den Bau einer Tiefgarage wurden aus wirtschaftlichen und praktischen Gründen verworfen.

Angelika Maier (Grüne) forderte, die Bedenken der Anwohner ernst zu nehmen und statt eines bloßen Sichtschutzes eine Lärmschutzwand zu errichten. Sorgen bezüglich der Verkehrssicherheit für Radfahrer und Schulkinder entgegnete Bürgermeister Reichelt mit Verweis auf das mit der Polizei abgestimmte Verkehrskonzept. Aus der Bevölkerung gingen fünf Einwendungen ein. Bürger äußerten Bedenken wegen zusätzlichen Verkehrs, forderten sichere Radwege an der Unterführung und regten an, bezahlbaren Wohnraum im Obergeschoss zu schaffen.

Bürgermeister Reichelt nahm in der Beschlussvorlage detailliert Stellung. Zum Thema „Schleichverkehr“ erklärte er: „Um den
Goriweg als Abkürzung zu blockieren, werde am
Goriweg nach der Einfahrt beim Lidl die Durchfahrt durch Aufstellen von Pflanztrögen verhindert“. Der Goriweg werde an den jeweiligen Einfahrten als Sackgasse ausgeschildert.

Projekt nimmt
nächste Hürde

Zudem werde die Wegeführung im Zufahrtsbereich durch ausreichende Sichtfelder und bauliche Anpassungen sicher gestaltet. Auch sei der Standort wegen des Lärms an der Staatsstraße und potenzieller Nutzungskonflikte für Wohnnutzung ungeeignet und ein Sichtschutz sei vertraglich zugesagt, eine Lärmschutzwand laut Gutachten jedoch nicht erforderlich. Nachdem auch die Stellungnahmen von elf Trägern öffentlicher Belange dem Vorhaben nicht widersprachen, beschloss der Gemeinderat mit jeweils elf zu vier Stimmen die erneute, einmonatige Auslegung des Planentwurfs samt Umweltbericht und Erschließungsplan.

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