Erstes Rasthaus Deutschlands steht am Chiemsee

von Redaktion

Ausstellung im Bernauer Rathaus zeigt Geschichte der A8 und des Chiemsee-Rasthauses

Bernau – Rund 800 Arbeiter errichteten einst binnen eines Jahres das erste Rasthaus Deutschlands – ein gewaltiges Bauwerk, das zum Großteil im Uferbereich des Chiemsees steht. Anlässlich des 1.100-jährigen Bestehens der Gemeinde Bernau am Chiemsee ist nun im Rathaus eine Ausstellung über den Bau der Autobahn A8 und die Geschichte des Bernauer Rasthauses eröffnet worden. Am 17. August 1936 – also ziemlich genau vor 90 Jahren – sei der hiesige Streckenabschnitt der Reichsautobahn, Strecke 47, der heutigen A8, für den Verkehr freigegeben worden, wie die Bürgermeisterin der Gemeinde Bernau am Chiemsee in einer Pressemitteilung mitteilt. Der Bau habe als eines der größten Propagandawerkzeuge des Nationalsozialismus gedient. Die Autobahn sei zwar als „landschaftsästhetisches Gesamtkunstwerk“ in den Chiemgau hineingebaut worden, so Irene Biebl-Daiber, die damit einhergehende gewaltige Zerstörung der Natur könnten Durchfahrende heute aber nur mehr erahnen. Die in der Ausstellung gezeigten Bilder dokumentierten den monumentalen Bau, die großen Schwierigkeiten aufgrund geologischer Probleme sowie die Landschaftsanpassung jener Zeit.

Das zwischen Autobahn und See gelegene Bernauer Rasthaus sei das erste Rasthaus gewesen, das in Deutschland überhaupt gebaut wurde. Innerhalb eines Jahres hätten rund 800 Arbeiter das gewaltige Bauwerk errichtet, von dem der Großteil mitten im Uferbereich des Chiemsees stehe. Die Eröffnung sei im August 1938 erfolgt und habe von Anfang an große Menschenmassen nach Bernau gezogen. Zur Vernissage sprach die Autorin Ilse Linner bei einem Vortrag im großen Sitzungssaal über die Entstehung der Autobahn und des Rasthauses sowie über die Herausforderungen bei den Baumaßnahmen. Mit historischen Aufnahmen und eindrucksvollen Geschichten schilderte sie, wie aufwendig und problematisch der Autobahnbau in der Region gewesen sei. Dazu habe auch die Bahnbrücke zwischen Bernau und Felden gezählt, die wegen des schwierigen Untergrunds zweimal neu errichtet werden musste. Linner erwähnte zudem die große Unterstützung durch den inzwischen verstorbenen Bernauer Archivar Sepp Aiblinger, der mit seiner Sammlung ihre Recherchen maßgeblich begleitet habe.

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber bedankte sich im Namen der Gemeinde bei Ilse Linner für die spannenden Einblicke sowie bei Heimatarchivar Georg Leidel und Kulturreferentin Michaela Leidel für die Gestaltung und Installation der Ausstellung im Rathaus.

Die Fotoausstellung kann bis Ende September während der regulären Öffnungszeiten im Rathaus besucht werden.

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