Bernau – Wie kann man die übervolle Parkplatzsituation rund um den Bernauer Bahnhof entzerren? Und kann man mögliche Maßnahmen zeitgleich oder zeitnah mit den Bahnsanierungsmaßnahmen ab dem kommenden Jahr verknüpfen? Martin Birgel von Dragomir Stadtplanung und Ulrich Glöckl von der Technischen Universität München (TUM) haben für eine Rahmenplanung die Ist-Situation recherchiert und präsentierten am Donnerstag, 16. Juli, in der Gemeinderatssitzung Ergebnisse und mögliche Lösungsansätze.
Ein Stufenplan
für neue Parkplätze
Diplom-Ingenieur Glöckl übernahm die Bestandsanalyse, aufgeteilt nach Verkehrsmitteln. Es gibt derzeit nur eine Buslinie, die viermal sommer- wie wintertags zwischen Aschau und Bernau sowie zweimal am Wochenende – nur im Sommer – verkehrt. Der Aufgabenträger, das Landratsamt Rosenheim, will jedoch tendenziell an einer eigenen Bucht festhalten, vor allem für die Zeit des Schienenersatzverkehrs. Die Deutsche Bahn (DB) bietet nach München beziehungsweise nach Salzburg 13 bis 22 Züge je nach Wochentag und Richtung an. Im Zuge der Analyse wurden Reisekosten verglichen, gemeinsam mit der Verwaltung Pendler befragt und frühmorgens die Parksituation in der Pankofer-straße und der Baumannstraße sowie am Bahnhof begutachtet. Das Fazit der Experten: Überall seien die Parkplätze durch Anwohner teils vorbelegt, teils gebe es einzelne Dauerparker. Laut einer Pendler-Aussage sei vor allem die Baumannstraße „gut erreichbar.“ Es gebe kaum sogenannte Bewirtschaftungsflüchtlinge aus anderen Gemeinden, bei denen am Wohnort Park-and-Ride-Gebühren (P+R-Gebühren) gelten. Stattdessen kämen die meisten Pendler aus Bernau und aus dem Priental. Trotz des Aufstellens von Pflanztrögen werde ungeordnet geparkt, und alle Parkplätze seien „hoch ausgelastet, teilweise übervoll.“
Was also tun? „Wir haben nach Prioritäten gestaffelt“, sagte Diplom-Ingenieur (FH) Birgel. Als Priorität eins gilt der P+R-Bereich mit bisher 17 Stellplätzen. Dieser soll auf Gemeindeflur parallel zur Bahntrasse im Bereich der Baustelleneinrichtungsfläche der DB auf rund 70 geordnete Stellplätze erweitert werden. Zudem sollen Bäume gepflanzt und ein direkter Zugang zum Bahnhof geschaffen werden. Auf der Nord- und Südseite des Bahnhofs sollen gestaffelte Parkverbotszonen mit oder ohne den Zusatz „Anlieger frei“ ausgewiesen werden. In der Baumannstraße sollen die bestehenden Fahrradstellplätze überdacht und die Grünflächen „An der Bahn“ dichter bepflanzt werden.
Mittlere Priorität bekommen die Bahnhofstraße, wo unter anderem die Parkplatzflächen auf der Fahrbahn markiert werden sollen, und der Bahnhofplatz Ost mit dem Ziel, zwölf Parkplätze zu verstetigen und mit Baumpflanzungen zu strukturieren. Die geringste Priorität genießt die Pankoferstraße: Dort werden eine Verkleinerung der Straßenbreite und eine Ausgestaltung mit hochwertiger Grünstruktur vorgeschlagen.
Birgel stellte anschließend den Zeitplan vor: Nach einer Abstimmung mit der DB soll nach Abschluss der Schienen- und Bahnsteigarbeiten im Juli kommenden Jahres schrittweise losgelegt werden. Zudem stehen die Aufstellung eines Bebauungsplans samt Gutachten und eine Änderung des Flächennutzungsplans an. Die Experten empfahlen weitere Maßnahmen: eine Bewirtschaftung der drei P+R-Parkplätze mit rund 1,50 Euro pro Tag, die Errichtung gestaffelter Parkverbotszonen, die Herstellung überdachter Fahrradstellplätze, die Neustrukturierung des Bahnhofsvorplatzes inklusive Anpassung der Straßenbreiten, eine Verlagerung der Bushaltestelle, die Ausgestaltung der Freiflächen, Aufenthaltsbereiche und Sitzbänke sowie eine Neuordnung des Straßenraums zwischen Bahnhofplatz und P+R-Parkplatz inklusive Strukturierung der Fußwegeverbindung in Ost-West-Richtung.
Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) hatte zuvor schon betont, dass es zunächst nur um die Rahmenplanung gehe: „Ist diese vorstellbar? Über Kosten und mögliche Förderungen reden wir später.“ Aus dem Gremium kamen weitere Anregungen. Ulla Zeitlmann (Grüne) forderte mehr diebstahlsichere Fahrradboxen und eine eigene Fahrradspur, bemängelte aber gleichzeitig, dass sich zu wenig am Bahnhofsvorplatz verändere. Auch Peter Steindlmüller (CSU) wollte den Bahnhofplatz weiter aufwerten. Veronika Schnaiter-Porschitz (CSU) regte an, mehr für Radler und E-Roller zu tun, und hakte zudem nach, warum die Anwohner nicht die ihnen zugewiesenen Stellplätze nutzen, sondern auf der Straße parken.
Bürgermeisterin Biebl-Daiber zog als Fazit: „Wir müssen mehr Gewicht auf die Radler legen und mehr Radstellplätze schaffen.“ Grundsätzlich solle den Vorschlägen der beiden Experten gefolgt werden. Das bedeute, es brauche eine Bauleitplanung, eine Kostenplanung und ein Ausloten der Fördermöglichkeiten sowie eine Abstimmung mit der DB. Die Gemeinderäte nickten diese Vorgehensweise ab.
Neue Bushaltestellen ab dem kommenden Jahr
Im Zuge der Bahnsanierung ab 2027 werden zudem die Haltestellen der Buslinie Richtung Chiemsee verändert, wie Bürgermeisterin Biebl-Daiber in der Gemeinderatssitzung informierte. Ein Haltepunkt wird der Minigolfplatz sein, der nachfolgende soll dann auf Höhe der Pizzeria in der Chiemseestraße liegen, und ein weiterer Halt soll an der Ecke Chiemsee- und Kampenwandstraße eingerichtet werden.