Regen trübt Regionaltag

von Redaktion

Erst der Nachmittag rettet die zehnte Auflage im Traunsteiner Stadtpark

Traunstein – Recht viel schlimmer hat der zehnte Regionaltag im Traunsteiner Stadtpark am Sonntag nicht beginnen können: Regenschauer haben die Aufbauarbeiten der Aussteller und Anbieter erschwert. Als die Veranstaltung um 10 Uhr begann, öffneten sich nicht nur symbolisch die Tore zum Markt, sondern Petrus öffnete auch seine Schleusen und ließ teils sintflutartige Regenschauer auf den Stadtpark niederprasseln. Erst um die Mittagszeit ließ der Regen nach. Der Himmel klarte auf und die Sonne kam heraus. War der Besucherandrang angesichts des Sauwetters am Vormittag noch sehr verhalten, so wurden es ab der Mittagszeit immer mehr Menschen, die auf das Ausstellungsgelände strömten. Schließlich entschied sich die „Chiemgau GmbH“, den Markt um eine Stunde bis 17 Uhr zu verlängern, weil der Andrang so groß war.

Milch und Molke
gegen Mehltau

„Diese Entscheidung war goldrichtig“, sagte am Ende der Veranstaltung zum Beispiel Kai Schnitzer, der berichtete, dass nicht nur an seinem Stand mit Obstbränden auch in der Stunde von 16 bis 17 Uhr noch „voller Betrieb“ war.

„Am Nachmittag wurden die katastrophalen ersten beiden Stunden mehr als kompensiert“, fasste er zusammen. Kurz vor Mittag war die Stimmung noch am Tiefpunkt, weil bis dahin viele Marktbeschicker so gut wie überhaupt nichts verkauft hatten. Am stärksten regnete es von 10.15 bis 11.30 Uhr – genau zu der Zeit, als Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber mit Landrat Andreas Danzer und einem kleinen Tross der sogenannten Lokalprominenz einen Rundgang über das Ausstellungsgelände machte.

Der wurde zu einem Hasten von einer Unterstellmöglichkeit zur nächsten, so prasselten die Wassermassen vom Himmel. Es kam genau das zur falschen Zeit, was sich so gut wie alle Aussteller, die landwirtschaftliche Produkte anbieten, seit Wochen sehnlichst gewünscht hatten: ausgiebiger Regen. Bis Mittag waren es immerhin rund 20 Liter pro Quadratmeter, die dem Grünland in der Region mehr als guttun. Das Grünland, also die Wiesen, ist die Futterbasis für die Milchkühe, um deren Produkt es an diesem Tag im Besonderen ging: um Milch, Butter, Käse und all die anderen Köstlichkeiten, zu denen die regionalen Molkereien und privaten Erzeuger Milch veredeln. Wer glaubte, schon alles über dieses Thema zu wissen, der wurde spätestens am Stand von Markus Breier überrascht. Er ist Fachberater für Gartenkultur und Landespflege beim Landratsamt. Unter den drei Schlagwörtern Vorbeugen – Unterstützen – Behandeln gab er Tipps und Tricks zur Stärkung von Pflanzen und zur Bekämpfung von Bakterien, Viren und unerwünschtem Getier im Obst-, Gemüse- und Ziergarten. Milch und Molke können dabei eine wichtige Rolle spielen. Vor allem gegen Mehltau sind sie eine wirkungsvolle Waffe, aber auch zur Desinfektion von Gartengeräten ist Molke, ein Nebenprodukt der Käseherstellung, ein wirksames und bewährtes Mittel.

Ein paar Meter weiter musste man als Naschkatze unbedingt stehenbleiben und einen Blick auf das Tortenbuffet des Vereins Landfrauenhilfe Traunstein werfen. 70 Kuchen, jeweils aufgeteilt in zwölf Portionen, warteten an diesem Tag auf Leckermäuler. Der Verein unter dem Dach des Bayerischen Bauernverbandes engagiert sich für Menschen in der Region, die unverschuldet in finanzielle oder persönliche Notlagen geraten sind. Wie an allen anderen Ständen dauerte es aber eine Weile, ehe das Geschäft so richtig losging und die Ortsbäuerinnen Anna Geserer, Christine Oberhauser, Monika Meitinger und ihre Mitstreiterinnen die ersten Gäste bewirten durften. Wieder ein Stück weiter präsentierten die Gartenbäuerinnen Traunstein – Berchtesgadener Land selbst hergestellte Schmankerl und Dekoartikel für Haus und Garten. Vorsitzende Eva Bauer aus Tyrlbrunn in der Gemeinde Palling berichtete in einem Gespräch mit der Heimatzeitung, dass sich rund 30 Bäuerinnen am gemeinsamen Stand beteiligten.

„Die spinnen, die Frauen“, hörte man immer wieder Besucher scherzhaft an einem anderen Stand die Tätigkeit mehrerer Frauen kommentieren. Es waren Mitglieder des offenen Spinntreffs Traunstein, die ihre Räder schnurren ließen und aus Schafwolle Fäden gesponnen haben. Die Frauen treffen sich einmal im Monat in Traunstein, um gemeinsam zu spinnen und einen entspannten Abend zu verbringen. Die Wolle, aus der sie das Garn herstellen, liefern Schafe, wie man sie ein paar Meter weiter im kleinen Streichelzoo für Kinder hautnah erleben konnte. Besonders imposant waren dabei die Walliser Schwarznasenschafe der Familie Biller, die sich ebenso wie die anderen Tiere gerne streicheln ließen. Manchem kleinen Besucher wurde spätestens hier bewusst, woher der Begriff lammfromm kommt und was er bedeutet.

Als am Nachmittag die Sonne schien und immer mehr Menschen in den Stadtpark strömten, da war es dann gar nicht mehr so leicht, an die Tiere heranzukommen und mit ihnen auf Kuschelkurs zu gehen – jeder wollte mal die dichte Wolle der vierbeinigen Landschaftspfleger kraulen. Vor dem Kulturzentrum gab es für die kleinen Besucher jede Menge Spielmöglichkeiten und liebevolle Betreuung, während die Eltern an den Ständen vorbeiflanieren konnten. Besonders gefragt war unter anderem auch die Biermeile unter den Arkaden. Hier konnte man Produkte almost aller Brauereien aus der Region verkosten und miteinander vergleichen. Brotzeiten verschiedenster Art gab es auch; zum Beispiel am Gemeinschaftsstand der Metzgerinnung Traunstein – Berchtesgadener Land und bei den Landfrauen. An den Bierbänken und auf den Liegestühlen des Chiemgau Tourismus fanden sich nach und nach Besucher zur Rast ein und genossen den Sonnenschein.

„Die spinnen,
die Frauen“

„Das zweigeteilte Wetter war für uns alle eine ganz neue Erfahrung.“ Neunmal hatte der Regionaltag zuvor stattgefunden und neunmal schien die Sonne beziehungsweise es war zumindest trocken. In manchen Jahren war es so heiß, dass viele Menschen lieber ins Schwimmbad als zum Regionaltag gingen. „Diesmal war’s halt anders“, sagte ein Landwirt und betonte, wie die meisten seiner Berufskollegen, wie froh man über den vormittäglichen Regen war.

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