Bernau – Die Seele Bayerns liege im ländlichen Raum, hat der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder versichert, der anlässlich der 1.100-Jahr-Feier Bernaus ins voll besetzte Festzelt im Chiemseepark gekommen ist. Dem Anlass entsprechend konzentrierte er sich auf bayerische Themen, griff aber die Forderung von Landrat Otto Lederer nach einer Änderung der Erbschaftssteuer bei Immobilien auf. Er konzentrierte sich auf „die Wertschätzung der Kommunen, ohne die der Staat nichts ist“.
Ehrenamt als
Rückgrat der Gesellschaft
„Wir brauchen schon ein bisschen Kraft und Optimismus, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen“, so Dr. Söder mit Blick auf die Weltlage und das Bedürfnis der Menschen nach Freude. Er unterstrich die christlich-abendländische Prägung und lobte das lebendige Vereinsleben im Freistaat: „Ohne Ehrenamt hat das Land keine Zukunft“, so der Ministerpräsident.
Ob der Bewurf mit einer Tomate vor der Veranstaltung eine gute Grundlage für eine politische Auseinandersetzung sei, diese Frage ließ der Ministerpräsident unbeantwortet. Allerdings waren seine launige Rede und die Offenbarung von Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber als „Fußball-Expertin“ im Gespräch mit ihm zumindest für das Publikum offenbar Antwort genug. Zumindest machte der Umgang des Regierungschefs mit dieser Attacke sie eher zum Randgeschehen an diesem Festabend.
Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber erklärte, sie sei „stolz, froh und dankbar“, dass der Bayerische Ministerpräsident als Ehrengast nach Bernau zur Jubiläumswoche gekommen sei. In ihrer Rede ging sie auf die Planungen zur Festwoche ein und auf die Vorbereitungen und die Organisation, die eine Gemeinde wie Bernau so nicht hätte stemmen können. Daher galt ihr ganz besonderer Dank dem Gewerbeverein und den Vereinen. Die Menschen und die Vereine seien die Seele und das Rückgrat der Gesellschaft, so die Bürgermeisterin.
Ministerpräsident Söder nahm den Ball der Bürgermeisterin in Bezug auf Ehrenamt und Vereine auf und versicherte, dass die Bayerische Staatsregierung alles dafür tue, dieses zu stärken und die politischen Weichen dafür zu stellen. Er verwies auf die Bedeutung der Vereine und der vielen Ehrenamtlichen, die nicht nur viele Aufgaben übernehmen, sondern auch dem Freistaat seine Identität geben. „Wir Bayern wollen nicht immer etwas Besonderes“, ging er auf das politische Profil der Christlich-Sozialen Union (CSU) innerhalb der deutschen Bundesregierung ein, „aber wir sind etwas Besonderes“.
Er bekannte sich dazu, ein „Fan vom schönsten See der Welt“ zu sein, denn am und im Chiemsee gebe es so viel Kultur und Geschichtliches. Konkret sprach er dabei auch den Verfassungskonvent auf der Herreninsel an, der das Grundgesetz vorbereitete. Diese Besonderheit führe auch so viele Staatsgäste nach Bayern, das er ebenso als „schönstes Land der Welt“ bezeichnete. Die Bernauer Gebirgsschützen hatten ihn zuvor mit einem dreifachen Salut am Chiemseestrand empfangen, und Söder schlug im Festzelt einen Bogen von den Kultur liebenden Wittelsbachern („das waren keine Militaristen“) zum Staatsbesuch des früheren amerikanischen Präsidenten Joe Biden. „This is my Bavarian army“, habe seine Antwort gelautet, als ihn Biden nach den Spalier stehenden Schützen gefragt habe. Die Besonderheit Bayerns führe auch zu viel Zuzug und dieser wiederum zu hohen Preisen bei Grund und Wohnen. Nahtlos setzte er damit bei der Forderung von Landrat Otto Lederer an, der in seinem Grußwort sehr leidenschaftlich eine Änderung der Erbschaftssteuer bei Immobilien gefordert hatte. Was von Familien über viele Jahrzehnte aufgebaut worden sei, müsse zum Teil jetzt verkauft werden, nur „um die Erbschaftssteuer zu bezahlen“, beklagte Lederer. Söder gab ihm Recht und betonte, dass „die, die etwas geleistet haben, auch mal mehr in der Tasche haben müssen“. Vom Publikum gab es dafür reichlichen Applaus.
Der Bernauer Gewerbeverein hatte sich für den Regierungschef als „Chiemsee-Fan“ ein besonderes Geschenk ausgedacht, und Sascha Klein und Alois Müller überreichten ihm eine Einladung für einen frühmorgendlichen Fischfang. Nach der Ausfahrt werde seine Beute dann persönlich in der Fischerei Minholz zubereitet, erklärte Klein.
Neben dem Bayerischen Ministerpräsidenten als Ehrengast konnte Biebl-Daiber am Sonntagabend (19. Juli) zahlreiche politische Prominenz begrüßen. Denn neben Landrat Otto Lederer war auch dessen Vor-Vor-Vorgänger Dr. Max Gimple gekommen, daneben die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesinnenministerium, Daniela Ludwig, mehrere Mitglieder des Bayerischen Landtags, darunter der Abgeordnete Daniel Artmann, Klaus Stöttner (ehemaliger Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der CSU), etliche Bürgermeister aus der Region und die beiden Bernauer Altbürgermeister Klaus Daiber und Lenz Steindlmüller.
Besonderes Geschenk
und prominente Gäste
Für den musikalischen Rahmen sorgte die Bernauer Musikkapelle unter der Leitung von Albert Osterhammer. Nach der Ansprache wurde der Ministerpräsident dann noch von zahlreichen Zeltgästen in Beschlag genommen, um ein Foto mit ihm aufzunehmen. Auf dem Podium hatte Söder der Bernauer Bürgermeisterin vor der Geschenkübergabe glaubhaft versichert: „Ich komme auch zum nächsten großen runden Jubiläum der Gemeinde Bernau“ und damit ihre Zweifel, ob er denn nun „nach heute“ immer noch „gerne nach Bernau kommt“ zerstreut.