Chieming – Schauspieler und Tatort-Kommissar Hans- Jürgen (Richy) Müller hat Mitte Juni beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) in der Talk-Sendung „DAS! Rote Sofa“ einen Auftritt mit Nachwirkung für die Chieminger „Bäckerei Stumhofer – Der Chiemseebäcker“ mit drei Filialen gehabt. Müller erklärte in der Talk-Sendung, eine Bäckerei in seinem Heimatort habe nach einem Umbau nicht einmal einen Zugang für Rollstühle und bezeichnete dies als „ignorant“. Für die Menschen vor Ort war nach Angaben von Bäckerei-Inhaber Helmut Stumhofer erkennbar, dass sich diese Aussage auf seine Bäckerei bezog. Müller ist mit der Schwester des Geschäftsinhabers Helmut Stumhofer verheiratet und kennt den Betrieb seit vielen Jahren.
Kritik an der Art
der Kommunikation
Helmut Stumhofer, der den Familienbetrieb seit 26 Jahren führt und inzwischen drei Standorte betreibt, weist diese Darstellung seines Schwagers entschieden zurück. „Wir haben unsere Bäckerei bereits 2021 umfassend umgebaut und dabei großen Wert auf einen barrierearmen Zugang gelegt“, sagt er gegenüber der Chiemgau-Zeitung, die von einem Bürger auf die Äußerung hingewiesen wurde, die immer noch bei YouTube abrufbar ist. Heute verfüge das Geschäft über einen stufenlosen Eingang und eine verbreiterte Automatiktür. Zudem beschäftige der Betrieb Menschen mit Beeinträchtigung. „Von der Situation vor Ort kann sich jeder selbst überzeugen“, sagte Stumhofer. Nach Angaben Stumhofers treffe die Aussage Müllers auf keine Bäckerei in dessen Heimatort Chieming zu.
Besonders kritisch sehen Geschäftsführer Helmut Stumhofer und Frau Katharina, dass ausgerechnet die Themen Behinderung, Inklusion und Barrierefreiheit genutzt wurden, um einen konkret identifizierbaren Handwerksbetrieb öffentlich zu kritisieren. Gerade diese Themen verdienten verantwortungsvollen Umgang. „Richy Müller engagiert sich selbst öffentlich als Schirmherr und Botschafter verschiedener sozialer Einrichtungen sowie für Menschen mit Behinderung. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, ob ein solches Vorgehen diesem eigenen Anspruch gerecht werde“, so Stumhofer.
Nach der Ausstrahlung veröffentlichte der NDR den betreffenden Ausschnitt zusätzlich auf seiner offiziellen Facebook-Seite. Dort entwickelte sich eine intensive Diskussion. Nach Angaben der Bäckerei äußerten sich zahlreiche Nutzer kritisch über Müller. Der Facebook-Beitrag wurde nach der Beschwerde der Bäckerei vom NDR gelöscht.
Am Ende der knapp 41-minütigen Sendung, die auf YouTube noch in voller Länge abrufbar ist, erwähnte Müller, dass er Botschafter eines Behindertenzentrums in Stuttgart sei. Dann äußerte Müller mit den letzten Sätzen der Sendung, dass es in Chieming eine Bäckerei gebe, die neu umgebaut worden sei, aber keinen Zugang für einen Rollstuhl habe. „Wie ignorant bin ich, wenn ich groß auffahre und groß umbaue, und dann kommt man nicht mal als gesunder Mensch da kaum rein“, so Müller. Aufgenommen ist die Szene im Studio mit einem Kulissenbild über der Schnappenkirche am Hochgern mit Blick auf den Chiemsee, der laut dem gebürtigen Mannheimer, der 27 Jahre in Berlin gelebt hat, zur Wahlheimat wurde.
Der Chieminger Bäckereichef Helmut Stumhofer hat von der Sendung einen Tag nach der Ausstrahlung von einem Bäckerkollegen erfahren, weil die Sendung über Facebook bereits eifrig kommentiert wurde. „Zu zwei Dritteln negativ“, wie Helmut Stumhofer sagt. Eine Vielzahl an Kommentaren sei auf der Facebook-Seite des NDR zur Sendung eingegangen, so Stumhofer. Helmut Stumhofer nahm daraufhin Kontakt zum NDR auf und beschwerte sich, dass die Aussagen seines Schwagers nicht stimmten. Stumhofer forderte vom Redakteur der Sendung, Daniel Frick, eine sofortige Löschung des Facebook-Beitrags und einen Rausschnitt der letzten Sequenz, in der seine Bäckerei als unangemessen gegenüber Menschen mit Behinderung bezeichnet werde. „Wir haben unsere Bäckerei in Chieming erst vor fünf Jahren umgebaut und dabei großen Wert auf eine barrierearme Sanierung gelegt“, sagt Stumhofer. Redakteur Frick entschuldigte sich umgehend bei Helmut Stumhofer „für die Unannehmlichkeiten“. In einer Mail, die der Chiemgau-Zeitung vorliegt, äußert Frick: „Es ist sehr wichtig, dass Sie uns informiert haben. Wir nehmen Ihr Anliegen sehr ernst. Wir kontaktieren den Künstler für eine Stellungnahme. Die Sendung vom 10.6.2026 wurde umgehend aus der ARD-Mediathek entfernt.“ Die Sendung wurde später ohne die beanstandete Passage erneut veröffentlicht. Das ursprüngliche Video mit der vollständigen Aussage ist weiterhin auf YouTube abrufbar.
Mittlerweile hat Helmut Stumhofer erreicht, dass die Angelegenheit dem Rundfunkrat des NDR zur Bearbeitung vorgelegt wird. Dadurch wurde ein Rechtsverfahren innerhalb des NDR aktiviert, das keine weiteren Informationen gegenüber der Presse zulässt. Helmut Stumhofer möchte die Stellungnahme Richy Müllers gegenüber dem NDR abwarten, rechtliche Schritte gegen dessen Äußerungen prüft er derzeit nicht. Eine Anfrage der Chiemgau-Zeitung, welche Kritik gegenüber welcher Chieminger Bäckerei er auf dem „Roten Sofa“ konkret äußern wollte, ließ Richy Müller unbeantwortet.
TV-Sender reagiert
und löscht die Passage
Aus Sicht von Helmut Stumhofer und dessen Frau Katharina instrumentalisiert Richy Müller Menschen mit Behinderung, um – wohl aus einer innerfamiliären Unstimmigkeit heraus – seine Bäckerei schlechtzureden. Da mittlerweile bereits ein Teil seiner etwa 70 Mitarbeiter privat und in der Bäckerei auf die Äußerungen Müllers angesprochen wurde, möchten Helmut und Katharina Stumhofer, dass die falschen Aussagen ihres prominenten Schwagers öffentlich richtiggestellt werden. Auch mit dem Stuttgarter Behindertenzentrum, für das Müller als Botschafter tätig ist, nahmen die Chieminger Bäcker bereits Kontakt auf. Auch hier warte die Leitung des Zentrums noch auf eine Stellungnahme des Stuttgarter Tatort-Kommissars, um eine Klärung herbeizuführen, sagte Stumhofer. Bis heute liegt nach Angaben der Bäckerei weder eine öffentliche Richtigstellung noch eine persönliche Entschuldigung des Schauspielers vor.