Prien – „Nehmen Sie sich Zeit.“ Kuratorin Inge Frickes Ansage hat bei der Eröffnung der KunstZeit deutlich gemacht, worum es bei der KunstZeit geht. Sich Zeit zu nehmen, ist Einladung und Ansage zugleich, denn bei der KunstZeit Prien kann der geneigte und neugierige Betrachter Prien ganz neu entdecken.
Bis Mitte September gibt es KunstZeit an vielen Ecken, in Geschäften, in Passagen, am Bahnhof, in Gärten und Parkanlagen sowie in und rund um die Kirchen. Mit über 80 Künstlern zwischen 16 und weit über 80 Jahren.
Rundgang
voller Entdeckungen
KunstZeit ist eine Ausstellung, die mit viel Liebe zum Detail, mit Geschmack, mit Farb- und Kompositionsgespür und mit Ideenreichtum aufwartet. Eröffnet wurde die KunstZeit in der Galerie im Alten Rathaus – noch bis zum Sonntag, 4. Oktober, läuft dort Nils-Udos „Art in Nature“.
Priens Bürgermeister Andreas Friedrich und Georg Klampfleuthner, Vorsitzender des Kulturfördervereins, freuten sich ob des großen Interesses. Vielschichtig, vielfältig sei die KunstZeit, lobten die beiden Herren. Kein Wunder, mag da der Kunstliebhaber sagen, schließlich ist die Künstlerlandschaft Chiemsee eine sehr lebendige. Und die KunstZeit, zuletzt 2024 aufgelegt, ist etwas Besonderes, lockt mit Kunst an allen Orten quer durch Prien. Oder um es mit Kuratorin Inge Fricke zu sagen: Kunst kann einen Ort verändern, „weil sie Menschen verändert, die sie besuchen, darüber reden und mit ihnen leben.“
Mit KunstZeit sei Kunst im Ort eingebunden, bilde sozusagen den Mittelpunkt, befand Bürgermeister Friedrich. „Kunst tut dem Ort, den Einheimischen und Gästen, und den Künstlerinnen und Künstlern gut“, befand Klampfleuthner, der für die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde (insbesondere dem Tourismusbüro und den Bauhofmitarbeitern) dankte. Wie sein Vorredner lobte Klampfleuthner die Kuratorin, die Künstler und temporäre Kunst-Gastgeber zusammengebracht hatte.
Acht Wochen lang wird die KunstZeit in Prien herrschen. Man muss nur den pinkfarbenen Pfeilen am Boden folgen, die den Weg durch die KunstZeit weisen. Ein Rundgang mit der Kuratorin bei der Vernissage war ein „Appetizer“, aber KunstZeit lässt sich – so viel steht fest – nicht an einem einzigen Spätnachmittag bewältigen. Zu vielfältig, zu vielschichtig sind die Werke: geschnitzte Figuren aus unterschiedlichsten Hölzern, Öl- und Acrylbilder, Fotografien, Tuschezeichnungen, Bronzeskulpturen, abstrakte neben konkreter Kunst, figürliche neben plastischer, Lackiertes, Vergoldetes, Tönernes, Erdpigmente und Materialien aus der Natur, in Bilder oder Plastiken eingewoben. Zu großartig ist die Wirkung gerade ob und in ihrem jeweiligen Ausstellungsort. Und zu groß ist die Gastfreundschaft von Gastgebern und den Künstlern.
KunstZeit lädt zum Hingucken, zum Verweilen, zum Ins-Gespräch-Kommen ein. Man möge der Reporterin ihre selektive Auswahl ihres Rundgangs verzeihen. Im Kronast-Haus begegnete sie der langsamen Form der Dinge mit Arbeiten von Vicky Anna Lardschneider, Clemens Büntig sowie Gregor Passens und Torsten Mühlbach, vertiefte sich beseelt in die Ausstellung von Christa Biere, Christa Bock-Köhler und Brigitte Mücke in der petite galerie, ließ sich bei „beyond faces“ am Marktplatz 1 auf Identität, Wahrnehmung und das, was hinter der sichtbaren Oberfläche liegt, mit Werken von 13 Künstlern ein, bewunderte Ölgemälde in Blau von Laura Kalbach bei Immobilien Stephan, ließ sich von Holzskulpturen von Andreas Kühnlein im Kurpark des Medical Park Prien Kronprinz verzaubern, wähnte sich irgendwo am Mittelmeer beim Blick in die Schaufenster von rosso dank der Ölgemälde von Ekaterina Zacherova, spazierte über den Wendelsteinplatz zur Kunsthalle am Bahnhofsplatz, und weiter zu „Zwischenräume“ in der Schulstraße 4. Hier trifft zeitgenössische Kunst auf historische Architektur. Acht Künstler eröffnen neue Blickwinkel zwischen Raum, Atmosphäre und Experiment.
Bei der offiziellen Eröffnung erinnerte Kuratorin Inge Fricke an den erst im vergangenen November verstorbenen Künstler Helme Heine. Der Kinderbuchautor, Illustrator und Designer sagte einmal folgenden Satz: „Kunst ist nicht launisch, sie enttäuscht dich nie, sie ist immer für dich da.“ Für KunstZeit sollte man sich dennoch Zeit nehmen. Es lohnt sich.