Sensationelle Leistung in Unterwössen

von Redaktion

Maria Köhler glänzt mit Traumnote 1,0 – Verabschiedung von 20 Mittelschul-Absolventen

Unterwössen – Maria Köhler hat den Qualifizierenden Abschluss mit 1,0 bestanden und ist damit die Beste der Mittelschul-Absolventen im Landkreis geworden. An einen solchen Schnitt kann sich Rektor Otto Manzenberger an der Unterwössner Schule nicht erinnern. Jüngst verabschiedete die Grund- und Mittelschule am Abend ihre 20 Neuntklässler.

„Das Spiel
ist vorbei“

Alle haben den Mittelschulabschluss, die meisten zusätzlich den Qualifizierenden Abschluss, mehrere mit einer Eins vor dem Komma. Köhler war dafür bereits zuvor vom Landrat im Casino des Landratsamtes ausgezeichnet worden. „Ich denke, es sei erlaubt, diese außergewöhnliche Leistung hier zu nennen, ohne die anderen schmälern zu wollen“, fand Manzenberger. Die Zeugnisse überreichte er gemeinsam mit Klassenlehrerin Christina Stockhammer. Für den Elternbeirat ehrten die Vorsitzende Sarah Steinbichler und Kassierin Katharina Christmann die drei Besten: Köhler mit 1,0, Luis Bauhofer und Kilian Hofner mit je 1,7.

Sein Leitwort hatte Manzenberger auf dem Liedzettel des Abschlussgottesdienstes gefunden: „Schlusspfiff“. Aus dem Sport kenne man das Signal. „Das Spiel ist vorbei. Das Ergebnis steht fest. Unverrückbar.“ Manche jubelten dann, manche seien wehmütig, manche dächten, sie seien zu spät aufgewacht.

Einen Pfiff werde der Jahrgang künftig vermissen, den seiner Klassenleiterin. „Manch böse Stimmen behaupten, der Pfiff reicht weiter als das WLAN der Schule.“ Je nach Tonlage und Länge hätten die Schüler gewusst, was gemeint war – und die Signale mit der Zeit so gut angenommen, dass er, Manzenberger, sie nur noch gelegentlich gehört habe.

Der Schlusspfiff sei zugleich der Anpfiff für einen neuen Lebensabschnitt. Manzenberger gab der Klasse mehrere Sätze mit auf den Weg: tolerant und offen sein, sich in Vereinen beteiligen. Kritisch merkte er an: „Nicht jeder, der freundlich scheint, meint es gut mit euch, es gibt immer mehr Rattenfänger.“ Fanatisch dürfe man werden, wenn es um die Verteidigung von Demokratie und freier Meinungsäußerung gehe. Ein gesunder Patriotismus verleihe Bodenhaftung – übertriebener Nationalismus entzweie.

Christina Stockhammer hatte die Klasse vor einem Jahr von Kilian Lehrberger übernommen – von einem Lehrer, der für die Schüler „der absolute Star“ gewesen war. Stockhammer sprach über jeden Einzelnen aus der Klasse.

Sie sprach über Marwa Salihey, die Geschenke organisierte, den Schulfasching moderierte und die Abschluss-Shirts bestellte: „So eine Marwa bräuchte jede Klasse.“ Sie erzählte über Finley Richter, in dessen Kopf ein Rechenchip stecken müsse, weil er komplexe Aufgaben ohne einen Strich Rechenweg löse. Sie berichtete über David Zagolovatskiy, von dem die Zeichnung und der Schriftzug in der Kirche stammen, und über Maria Köhler, die „wandelnde Enzyklopädie“, für die sie keine Musterlösungen mehr habe schreiben müssen.

Stockhammer ließ auch die Kehrseite nicht aus: das endlose Diskutieren über Regeln, den Müll im Klassenzimmer und den täglichen Chor „Ich war’s nicht“. Dazu kam die chronische Montagsunlust. „Die morgendliche Dosis Energiedrink auf dem Schulweg tat ihr Übriges.“ Wenn nichts mehr half, gab es ihre Ansage, die die normale Dezibelzahl um ein Vielfaches überschritt.

Für die Klasse sprachen die Schülersprecher Marwa Salihey, Kilian Hofner und Ferdinand Schöfer im Wechsel. Chaotisch seien alle gewesen, laut meistens, langweilig nie. Sie zählten auf, was Außenstehenden nichts sagt: die Maus von Ferdi, Jakobs Liebe zur Schwammerlsuppe, den Klopapiersong und die Fahrt nach Paris. An Stockhammer gerichtet betonten sie: Auch wenn sie den Schlüssel öfter gesucht als gefunden habe, „am Ende haben Sie uns immer den richtigen Weg gezeigt“.

Unterwössens Bürgermeister Johannes Weber verzichtete auf das Mikrofon. Eine eigene Schule im Ort sei für eine Gemeinde etwas Besonderes, eine Abschlussklasse zu verabschieden ebenso. Die Gemeinden Unterwössen, Schleching, Reit im Winkl und Marquartstein seien stolz auf die Absolventen.

Begonnen hatte der Abend um 17 Uhr mit dem Dankgottesdienst in der Pfarrkirche, den die Schüler selbst in weiten Teilen gestalteten. Pfarrer Peter Bergmaier gab ihnen den Segen mit auf den Weg. In der schönen Atmosphäre des Sommerabends zog sich der anschließende Empfang im Kurpark vor dem Alten Bad hin, und niemand drängte zum Aufbruch.

Dankgottesdienst und
feierlicher Ausklang

Weil die Achentalhalle derzeit wegen Bauarbeiten geschlossen ist, feierte die Schule ihre Entlassfeier im Wössner Gemeindesaal im Obergeschoss. Martin Bauhofer und Samuel Polleichtner spielten dort auf, die Eltern richteten das Buffet aus, der Elternbeirat spendierte die Getränke.

Unter den Gästen waren Thomas Müllinger, Bürgermeister von Schleching und Geschäftsleiter der Gemeinde Unterwössen, der Zweite Bürgermeister von Reit im Winkl, Christian Schuhbeck, die Pfarrer Martin Straßer und Peter Bergmaier, dazu Konrektorin Bärbel Schmalfuß.

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