Marquartstein – Ein symbolträchtiges Segelboot mit löchrigem Segel hat vor dem Altar des Abschlussgottesdienstes der zehnten Klassen der Achental-Realschule in der katholischen Kirche gestanden. Die Schüler hatten es selbst gebaut. Gemeindereferentin Birgit Steinbacher sprach über das Loslassen von Ängsten und den Mut, mit Zuversicht in die Zukunft aufzubrechen.
Das beschädigte Segel wurde abgenommen, die Ängste symbolisch in einem Sack über Bord geworfen und ein neues Segel gehisst. Darauf standen die Wünsche der Absolventen – vom Führerschein bis zum selbst ausgebauten VW-Bus. Steinbacher erinnerte daran, dass das Leben nicht immer ruhige See bereithalte, aber: „Einer ist immer mit an Bord – Jesus Christus ist euer Rettungsanker.“ Eindrucksvoll umrahmt wurde der Gottesdienst von den Musikern der Schule. Zum Abschluss erhielten alle Schüler einen kleinen Rettungsring als Erinnerung.
In der Aula setzte sich die Feier musikalisch mit der Habederemusi und der „My First Polka“ fort. Konrektorin Christine Branz begrüßte die zahlreichen Gäste und berichtete über die neuen Lern- und Reflexionsmethoden, mit denen sich die Schüler in den Powerlearning-Wochen erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet hatten.
Der stellvertretende Landrat und Grassauer Bürgermeister Stefan Kattari ermutigte die Absolventen, ihren eigenen Weg zu gehen: „Seid mutig, steht zu euren Träumen. Haltet zusammen und traut euch auch zu scheitern.“ Mit dem Vers „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht – alles ist Gnade, fürchte dich nicht“ gab er ihnen einen persönlichen Wunsch mit auf den Weg.
Nach einer schwungvollen Einlage der Stoabruchmusi sprach Schülersprecher Edvard Sutca (Klasse 10c). Kaum zu glauben sei es, wie schnell die Schulzeit vergangen sei. Er dankte Eltern und Lehrern für ihre Unterstützung und fasste die vergangenen Jahre in einem Satz zusammen: Wahre Größe bedeute, den Mut zu haben, nicht perfekt zu sein und auch Fehler machen zu dürfen. Für einen besonders stimmungsvollen Moment sorgte anschließend Emelie Huber (Klasse 10c) mit dem Klavierstück „Interstellar“.
Schulleiter Christian Thoma griff die Worte des Schülersprechers auf und bekannte mit einem Augenzwinkern: „Ich bin auch nicht perfekt.“ Anschließend stellte er den Absolventen eine nachdenkliche Frage: „Wer hält eigentlich die Fäden in der Hand?“ Als Symbol zog er eine kleine Drachen-Marionette aus einem Karton und zeigte, wie leicht Menschen sich heute lenken lassen. Besonders Smartphones und soziale Medien würden mit ihren Algorithmen bestimmen, was die Menschen sehen, denken und fühlen.
Thoma sprach von einer „Echo-Schnur“, die Menschen immer wieder nur in ihrer eigenen Meinungsblase bestätige, von der „Zeit-Schnur“, die durch ständige Erreichbarkeit und dauernde Reize kaum noch Ruhe zulasse, und schließlich von der „Angst-Schnur“. Gerade in sozialen Medien würden Krisen, Kriege und Untergangsszenarien gezielt Aufmerksamkeit erzeugen und die Menschen in ihren Bann ziehen.
Sein eindringlicher Appell an die Absolventen: „Macht die Augen auf und schaut euch um. Das wahre Leben steckt nicht im Handy – es begegnet euch in den Menschen, denen ihr direkt in die Augen blickt.“
Anschließend folgte der Höhepunkt der Feier: die Übergabe der Abschlusszeugnisse. Die vier Klassenleiter blickten mit viel Humor, Herz und persönlichen Erinnerungen auf die gemeinsame Schulzeit zurück, bevor jeder Schüler einzeln auf die Bühne gerufen wurde. Die Bilanz konnte sich sehen lassen: Von 104 Absolventen erreichten 26 einen Notendurchschnitt mit einer Eins vor dem Komma, neun sogar besser als 1,5. Herausragend war das Traumergebnis von Lina Kastner, die ihre Realschulzeit mit der Traumnote 1,00 abschloss – ein außergewöhnlicher Erfolg, auf den die gesamte Schulfamilie stolz sein konnte. Für einen ruhigen musikalischen Ausklang sorgten Ida Baumgartner und Cäcilia Hörterer auf der Zither, bevor die neun besten Absolventen besonders geehrt wurden. Schulleiter Christian Thoma bedankte sich anschließend bei allen, die zum Gelingen der Schuljahre und der Abschlussfeier beigetragen hatten, und überraschte zum Finale mit einer schwungvollen Keyboard-Version von ABBAs „Gimme! Gimme! Gimme!“. Beim von den Eltern vorbereiteten Buffet klang ein bewegender Tag mit vielen Erinnerungen, guten Gesprächen und einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft aus. wun