Grassau – „Die Bücherei für alle – ein Treffpunkt für alle“, so möchte und so wird die Grassauer Gemeindebücherei nicht nur von den Grassauer Bürgern wahrgenommen werden. Nach 25 Jahren gibt Caroline Zeisberger die Leitung ab. Für sie ist es an der Zeit, sich in die zweite Reihe zu stellen und als ehrenamtliches Teammitglied weiterzuarbeiten. In ihre Fußstapfen treten die zwei Grundschullehrerinnen Janina Laska und Lotti Loscar. Sie stellten sich dem Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung vor.
Beeindruckende Bilanz
und digitale Angebote
In der Bücherei leisten 25 Frauen sehr gute ehrenamtliche Arbeit, erklärte Bürgermeister Stefan Kattari. „Die Bücherei hat ihren Wert, nicht nur durch die schönen Räume, sondern auch durch das vielfältige interessante Angebot“, lobte er. Wie umfangreich die Grassauer Bücherei arbeitet, zeigte sich beim Rückblick der noch amtierenden Büchereileiterin Caroline Zeisberger. „Die Bücherei ist ein lebendiger Ort, an dem nicht nur Bücher entliehen, sondern auch miteinander gesprochen werden soll und die Bücherei hat am Kirchplatz den besten Sendeplatz“, ist Zeisberger überzeugt.
Die Bücherei habe für alle ein Angebot. „Eine Bücherei für alle, so lautet unser Slogan, mit einem äußerst vielfältigen Medienangebot, mit E-Medien, mit Zeitschriften, Hörbüchern, Tonies (Figuren, die Geschichten abspielen) und Gesellschafts-, Brett- und Kartenspielen“, informierte sie. Am Samstag (15. August) werde sie die Leitung offiziell abgeben, dann sei sie genau 25 Jahre im Amt. Sie freue sich sehr, dass mit Janina Laska und Lotti Loscar zwei junge Frauen weitermachen, die sich auch privat sehr gut verstehen.
Sie berichtete, dass die Bücherei 12.000 Medien umfasse, sechs Tage in der Woche geöffnet habe und von einem 25-, bald 27-köpfigen Team betreut werde. Spezielle Öffnungszeiten gebe es für Schulen und Kindergärten. Neben der Ausleihe biete die Bücherei vielfältige Veranstaltungen an. Ein Erfolgsmodell sei der Sommerleseclub, der von Jahr zu Jahr stärker nachgefragt werde. Im Club hätten Kinder und Jugendliche das Privileg, aus 180 neuen Büchern exklusiv wählen zu können. Immer größeren Raum nähmen die E-Medien ein, und durch die Verbindung von Leo Süd und Nord zu Leo Bayern sei der Medienbestand stark gewachsen. Derzeit habe die Bücherei 2.000 aktive Leser und 40.000 Ausleihen pro Jahr.
„Das ist Oberkante Ehrenamt“, sagte sie. Um die Bücherei attraktiv zu halten, sei eine Erneuerungsrate von zehn Prozent wichtig; folglich würden jedes Jahr von den 12.000 Medien 1.200 aussortiert und neue hinzugefügt. Ein Prozess, der nicht einfach sei und von den Expertinnen geleistet werde. Jährlich zählt die Bücherei 33.000 Besucher. Zu den besonderen Veranstaltungen gehören die Nacht der Bibliotheken, die Minibücherei, der Sommerleseclub, der bundesweite Vorlesetag, der Hör-Adventskalender, die Spieleabende und -wochenenden sowie die verschiedenen Lesungen.
Dass die Bücherei auch nach außen wirkt, zeigt sich nicht nur an der jährlichen Leserehrung, bei der auch Personen aus dem Achental, die die Bücherei besonders intensiv nutzen, ausgezeichnet werden, sondern zudem an verschiedenen Auszeichnungen wie dem Büchereisiegel, dem Lesezeichen-Kulturpreis sowie dem Gütesiegel „Partner der Schulen“. Stolz zeigte sich Caroline Zeisberger auch hinsichtlich des neuen Internetauftritts und verteilte den neuen Willkommens-Flyer. Es sei ein Glücksfall, dass gleich zwei Damen anpacken, meinte Bürgermeister Kattari und lobte zugleich Zeisberger, die frühzeitig mit der Suche nach einer Nachfolge begonnen hatte. Janina Laska informierte, dass sie seit zehn Jahren in Grassau lebe und die vergangenen Jahre Grundschullehrerin in Staudach-Egerndach gewesen sei, nun aber wieder in Grassau unterrichte. Die Bücherei interessiere sie, und bei der Frage nach der Nachfolge habe sie glänzende Augen bekommen, denn Bücher seien eine große Leidenschaft. Seit sieben Jahren lebe auch Lotti Loscar wieder in Grassau und sei ein großer Fan der Bücherei. Sie würde die Leitung gerne gemeinsam mit Janina Laska übernehmen.
Vor 25 Jahren war die Bücherei im Pfarrheim in der Hochgernstraße auf knapp 80 Quadratmetern untergebracht. Alles funktionierte damals noch ohne Computer und nur mit einem Festnetzanschluss. „Wir waren gerne im Pfarrheim, aber der Platz war einfach zu gering“, sagte sie. In den 25 Jahren wechselten viermal der Pfarrer und dreimal der Bürgermeister. Das große ehrenamtliche Team veränderte sich etwas, als im Jahr 2004 der Computer Einzug hielt und fast 10.000 Medien neu ins System aufgenommen sowie Klappentexte geschrieben werden mussten. Im Jahr 2008 zog die Bücherei in den ersten Stock am Kirchplatz und rückte damit ins Zentrum der Gemeinde. 2015 eröffnete zudem die Asylothek im Jugendtreff, die ebenfalls von der Bücherei betreut und 2018 nach der Gründung des Vereins Integer wieder aufgelöst wurde.
Ein Rückblick auf
25 Jahre Geschichte
Eine einschneidende Zeit war die Corona-Pandemie, in der die Bücherei für die Bevölkerung ein Retter und eine große Hilfe war, um diese Phase gut zu überstehen. Mit viel Ideenreichtum konnte die Ausleihe aufrechterhalten werden. „25 Jahre funktionieren nur, wenn das Umfeld passt“, betonte Caroline Zeisberger und lobte damit ihre Mitstreiterinnen, die Gemeinde und die Pfarrei. Nun freue sie sich auf den Generationswechsel und auf die Donnerstage, an denen sie sich allein der Ausleihe widmen könne.