Mucksmäuschenstill beim Gaufest

von Redaktion

Münchner Philharmoniker verwandeln Bierzelt in Konzertsaal

Marquartstein – Mit einem Bierzelt verbindet man vieles: Geselligkeit, Brotzeit, Gespräche und ausgelassene Stimmung. Dass dort für mehrere Hundert Menschen plötzlich völlige Stille herrscht, weil jeder Einzelne den Atem anhält und einfach nur zuhören möchte, erlebt man nur selten. Genau das geschah beim Gaufest in Marquartstein, als die Blasmusik der Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Albert Osterhammer gastierte.

Unvergesslicher Abend
mit großer Vielfalt

Den Auftakt des besonderen Konzertabends gestaltete die Musikkapelle Marquartstein unter der Leitung von Konrad Müller. Mit Walzern, Polkas und Märschen schufen die heimischen Musiker eine stimmungsvolle Atmosphäre, während sich die Besucher noch stärkten und miteinander ins Gespräch kamen. Doch als später die Münchner Philharmoniker die Bühne betraten, veränderte sich die Stimmung im Zelt spürbar.

Mit Richard Strauss’ „Festmusik der Stadt Wien“ erklangen die ersten Töne – kraftvoll, strahlend und zugleich voller Eleganz. Fast schlagartig verstummten die Gespräche. Das Festzelt wurde zum Konzertsaal. Die Musik füllte den Raum mit einer Intensität, die das Publikum von der ersten Minute an in ihren Bann zog.

Mit jedem weiteren Werk zeigte das Orchester seine außergewöhnliche Vielseitigkeit. Ob Ernst Uebels „Jubelklänge“, Offenbachs schwungvolle Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“ oder der gefühlvolle Walzer „Der Weg zurück“ von Ernst Mosch – jedes Stück entfaltete seinen eigenen Charakter und riss die Zuhörer auf seine Weise mit.

Zu einem bewegenden Moment gehörte das Flügelhorn-Solo von Markus Riepertinger. Mit drei Sätzen aus „Mein Österreich“ ließ er sein Instrument singen. Warm, weich und voller Ausdruck füllte der Klang das Zelt und wurde mit anhaltendem Applaus belohnt.

Nach der Pause nahm das Konzert noch einmal Fahrt auf. Der „Marsch der Komödianten“ aus Bedrich Smetanas „Die verkaufte Braut“ sorgte ebenso für Begeisterung wie Walter Tuschlas eindrucksvoller „Choral Alpin“. Mit einem Augenzwinkern kommentierte Traudi Siferlinger: „Und das spielen die alles selber – da ist keine KI dabei.“ Das Publikum lachte, bevor es sich erneut ganz auf die Musik einließ.

Für Staunen sorgte wenig später „Trio per Uno“ von Nebojša Jovan Živkovic. Drei Schlagzeuger – Michael Leopold, Sebastian Förschl und Jörg Hannabach – teilten sich ein einziges Instrument. Was folgte, war ein Feuerwerk aus Präzision, Tempo und perfekt abgestimmter Körperbeherrschung. Die Energie war förmlich im ganzen Zelt zu spüren. Mit der „Feinschmecker-Polka“, dem „Montana-Marsch“ und schließlich Carl Teikes weltberühmtem „Alte Kameraden“ steuerte das Konzert seinem Finale entgegen. Das Publikum klatschte begeistert mit und forderte Zugaben.

Der wohl emotionalste Moment des Abends folgte ganz zum Schluss. Gemeinsam standen die Musiker der Musikkapelle Marquartstein und der Blasmusik der Münchner Philharmoniker auf der Bühne und spielten „Eine letzte Runde“. Profimusiker und engagierte Laien musizierten Seite an Seite – ein Symbol dafür, wie eng Spitzenorchester und die Blasmusiktradition in den Gemeinden miteinander verbunden sind. Für Konrad Müller, der an diesem Abend selbst bei den Münchner Philharmonikern musiziert hatte, dürfte dieser Moment eine besondere Bedeutung gehabt haben.

Dass dieser Abend überhaupt zustande kam, war keineswegs selbstverständlich. Im Gespräch vor dem Konzert erzählte Dirigent Albert Osterhammer, dass das Ensemble zunächst gezögert habe, in einem Festzelt aufzutreten.

Gute Musik
funktioniert überall

„In einem Bierzelt wird normalerweise gegessen, getrunken und geredet“, sagte er. Deshalb habe die Blasmusik der Münchner Philharmoniker ihre Projekte eher an außergewöhnlichen Orten in der Natur präsentiert. Ein erstes Experiment habe er in seinem Heimatort Bernau gemacht. „Nach den ersten Tönen war es mucksmäuschenstill“, stellte Osterhammer nach dem Konzert zufrieden fest. Genau das habe gezeigt, dass gute Musik überall Menschen erreichen könne – auch im Festzelt.

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