Abschied von einem prägenden Gestalter

von Redaktion

Grassau trauert um Altbürgermeister Raimund Schupfner – Vielfältige Spuren hinterlassen

Grassau – Mit Altbürgermeister Raimund Schupfner verliert die Marktgemeinde Grassau nicht nur einen besonderen, vielseitig engagierten und empathischen Menschen, sondern auch einen Politiker, der maßgeblich für das Aufblühen der Gemeinde verantwortlich ist, die Dorferneuerung vorantrieb und mit dem Kauf des Gasthofs zur Post einen kulturellen Platz schaffte. Getrauert wird um den beliebten Altbürgermeister, der 16 Jahre von 1986 bis 2002 die Marktgemeinde leitete.

Vom Betriebsrat zum
Kommunalpolitiker

In der Feldwies wurde Raimund Schupfner am 30. Dezember 1939 geboren. Er lernte in den Radio Körting Werken und bildete sich stetig bis zum Entwicklungsingenieur fort. In den Körting-Werken arbeitete er bis zum Konkurs der Firma und vertrat dabei als Betriebsrat die Arbeiter und Angestellten. Sein politischer Weggefährte und Freund Xaver Schreiner erinnerte daran, dass Schupfner maßgeblich am Sozialplan bei der Abwicklung der Firma mitgearbeitet und somit für die Arbeiter trotz des Konkurses einiges erreicht hatte. Er wechselte dann zu Heidenhain. Politisch war Schupfner in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) verankert, und dort engagierte er sich zunächst bei den Jungsozialisten (Jusos). Er wurde 1984 in den Marktgemeinderat gewählt.

Bürgermeister wurde er 1986. Wie Schreiner betonte, ging Schupfner damals als Bürgermeisterkandidat von vier Gruppierungen ins Rennen und konnte sich mit 51 Prozent durchsetzen. Die Wahl habe einen Epochenwechsel eingeläutet. Viele wertvolle Errungenschaften, Erneuerungen und Innovationen liegen in seiner Amtszeit von 1986 bis 2002. Bürgermeister Stefan Kattari hob als besonders wegweisend und mutig die Vorbereitung der Ortskernsanierung in Grassau hervor. Das ansprechende Ortsbild von Grassau ist somit auch dem damaligen Bürgermeister Schupfner zu verdanken.

Mutig war der Kauf des Heftersaals sowie des Hefterstadels. Dem Gegenwind, teils in der eigenen Partei, so Schreiner, hielt Schupfner stand, und ohne die mutige Entscheidung würde es heute das kulturelle Zentrum nicht geben. Ebenso wegweisend war auch die Einrichtung eines gemeindlichen Museums, das Klaushäusl. Der Anschluss Rottaus an das Kanalnetz, der Bau des Grassauer Feuerwehrhauses, der Neubau der Polizeiinspektion wie auch der Kindergarten St. Irmingard und der Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Rottau fallen in seine Zeit als Bürgermeister. Er setzte sich für den Jugendtreff ein. Wichtig waren ihm zudem ein funktionierendes Kanalnetz, der Abwasserzweckverband, der Schulverband, das Ökomodell Achental und natürlich die Trinkwasserversorgung von Grassau und Rottau. Er ließ alle Mülldeponien in der Gemeinde erfassen, um Umweltschäden auszuschließen. In Rottau entstanden in seiner Amtszeit die Tennisplätze.

Viele Jahre lenkte Schupfner die Geschicke des Gartenbauvereins und übernahm dort den Vorsitz. Die katholische Gemeinde vertrat er 15 Jahre lang als Kirchenpfleger. Schupfner war zudem in der Feuerwehr und dem Trachtenverein aktiv. Als Theaterspieler, in früheren Jahren aktiv im Überseer Theaterverein, konnte er sein Publikum bestens unterhalten und zeigte sein Talent bei den Seniorennachmittagen. Er setzte sich für die Freundschaft zu der Partnergemeinde Tscherms ein, und unter ihm wurde auch die Partnerschaft zu Raschau im Erzgebirge begründet.

„Stark beeindruckt hat mich, wie Raimund Schupfner mit seinem schweren Schicksalsschlag 2013, der ihn unvermittelt aus dem gewohnten Leben riss, umgegangen ist. Trotz seiner Krankheit behielt er seine humorvolle Art“, so beschreibt Schreiner seinen Parteifreund und Kameraden.

„Bereits als Jugendlicher hat mich beeindruckt, wie Raimund Schupfner seine erste Amtszeit freiwillig verkürzt hatte, um die Bürgermeisterwahl wieder mit der Gemeinderatswahl zu synchronisieren. Das war eine sehr mutige Entscheidung“, sagte Bürgermeister Kattari. Wie mutig dies war, erklärte Schreiner, denn bei einer Niederlage hätte Schupfner Pensionsansprüche verloren.

Er bleibt in
liebevoller Erinnerung

Raimund Schupfner war zeitlebens auch ein Familienmensch, stolz auf seine Kinder, Enkelkinder und Urenkel. In den vergangenen Jahren konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv am Gemeindeleben teilnehmen, zeigte sich dennoch immer interessiert an der Entwicklung seiner Heimatgemeinde. Alle, die ihn kannten, werden ihn vermissen und ihn in liebevoller Erinnerung behalten. Er war Vorbild für seine Parteifreunde, und ihm gelang es, die Sozialpolitik der SPD in Grassau zu etablieren und zu festigen.

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