Prien – Beim Unfall mit der Chiemseebahn am vergangenen Sonntag (23. August) blieb es glücklicherweise bei Blechschäden an Bahn und Auto. Ein BMW-Fahrer wollte abbiegen. Durch eine Person auf dem Rad wurde dieser Vorgang verzögert und die historische Bahn kollidierte trotz eingeleiteter Bremsung mit dem Pkw. Ein Polizeisprecher sagte im Zuge dessen gegenüber unserer Redaktion, Unfälle im Bereich Stock rund um die See- und Harrasser Straße seien keine Seltenheit. Aber wie viele Unfälle gab es dort in der jüngeren Vergangenheit wirklich?
Kein
Unfallschwerpunkt
„Mal ist jahrelang nichts, dann gibt es drei hintereinander“, sagt Michael Feßler, Betreiber der Chiemseebahn, am Telefon. Er erkenne jedenfalls keinen Unfallschwerpunkt an dieser Stelle. „Natürlich kommt es ab und zu mal zu Unfällen mit Autos, die einfach nicht aufpassen. An Bahnübergängen mit der Eisenbahn ist die Vorfahrtsregel eindeutig. Das ist, wie bei einem Stoppschild: Die Leute fahren trotzdem darüber und wundern sich.“ Unaufmerksame Autofahrer seien das Hauptproblem, „das ist in der Regel das Hauptkriterium. Wir haben auch drei technisch gesicherte Bahnübergänge. Auch da ignorieren die Leute die rote Ampel und wundern sich dann.“
Beim aktuellen Fall gingen die Aussagen, wer wen behindert habe, auseinander. Feßler: „Ich weiß es nicht, ich war nicht dabei. Nichtsdestotrotz, der Autofahrer hat aber ein Andreaskreuz vor seiner Nase stehen – wenn er nichts sieht, dann muss er halt aufpassen.“ Der Schaden an der Chiemseebahn ist gering: „Ein paar Kratzer, das Trittbrett war verbogen und der Luftkessel verkratzt. Gott sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert. Wenn die Lok ein bisschen weiter hinten im Gestänge erwischt wird, wird es teuer.“
Sind eher Menschen aus Prien oder Gäste an den Unfällen beteiligt? „Das ist völlig unterschiedlich. Wir haben Einheimische, die mit einem überraschten ‚Ach, ich habe gar nicht gedacht, dass ihr schon fahrt‘ aussteigen. Das kommt eher im Frühjahr vor. Wir haben Urlauber, die überall hinschauen. Und dann haben wir das Problem, dass die Autos heute teilweise so schalldicht sind oder die Musik im Auto so laut ist, dass sie die Bahn gar nicht hören.“
Feßler erklärt auch, dass es jedes Jahr Verkehrszählungen gebe und sein Betrieb mit der Regierung von Oberbayern und der Eisenbahnaufsicht in Kontakt stehe. Feßler abschließend: „Das ist ein Bahnübergang. Wir reden hier nicht davon, dass jeder tun und lassen kann, was er will. Wenn die Leute nicht aufpassen, wird es immer Unfälle geben.“ Auf Nachfrage bei der Priener Polizeiinspektion hat Dienststellenleiter Jürgen Thalmeier die Statistik parat: Sieben Unfälle gab es in Prien, bei denen Pkws und der Schienenverkehr beteiligt waren – nur drei davon am Priener Hafenbereich.
„Wenn man dabei etwas Positives sehen möchte, wurden in allen Fällen keine Personen verletzt. Es handelte sich lediglich um Sachschaden, wobei in erster Linie die Pkws betroffen waren.“ Diese beliefen sich „beginnend bei 200 Euro bis zu massiven Front- oder Heckschäden im Wert bis zu 15.000 Euro“. Die Schienenfahrzeuge selbst seien in der Regel nur wenig betroffen und waren noch fahrbereit. Thalmeier bestätigt Feßler dabei, dass „die Pkw-Fahrer Signale und Vorrangregeln nicht beachten, also das Andreaskreuz oder die roten Blinklichter“. Dazu komme, dass Autofahrer, wie im aktuellen Fall, auf den Gleisen durch Räder oder andere Verkehrsteilnehmer stehen bleiben. Auch beim Ausparken wurde die Chiemseebahn schon übersehen.
Ratschläge
der Polizei
Deshalb gibt Thalmeier autofahrenden Personen drei Dinge mit auf den Weg: „Erstens: vorhandene Signale beachten und nicht noch schnell übers Gleis drüberfahren. Zweitens: Wenn es unübersichtlich wird, den Gleisbereich freihalten. Und Letzteres: Grundsätzlich, wie es bei Ausparkvorgängen selbstverständlich sein sollte, sich zu vergewissern, kann ich überhaupt fahren und den Abstand einhalten oder muss ich warten, bis die Bahn vorbei ist und kann dann gefahrlos ausparken.“
Das Fazit von Priens Polizeichef: „Drei Unfälle in den vergangenen zehn Jahren, da kann ich nicht sagen, dass das ein Unfallschwerpunkt ist“. Für ihn sei die Statistik gut gewesen, um sich selbst einen Überblick zu verschaffen. Denn wenn es an einem bestimmten Ort ein Problem gebe, müsse er mit seinen Leuten gemeinsam mit der Marktgemeinde Prien reagieren.