Seeon-Seebruck – Mit einem viel beachteten Marsch haben sich die „Seebrucker Römer“ beim Familiensonntag des Römermuseums Bedaium aus der Sommerpause zurückgemeldet. Schon vor dem offiziellen Beginn setzten sich einige Legionäre der Legio IX Hispana (Leg IX Hispana), der Hauslegion des Römermuseums, am Museumsvorplatz in Bewegung. Unter der Führung von Centurio Dirk Eggenweiler ging es vor malerischer Kulisse über die Alzbrücke zum kleinen Kurpark, wo die Legionäre gerne für Fotos posierten. Nach ihrer Rückkehr zum Römermuseum nahm der historische Familientag dann so richtig Fahrt auf.
Mitmachstationen
und antikes Handwerk
Über den Tag hinweg wurden rund 800 Besucher gezählt – ein neuer Rekord. Zu verlockend waren wohl die kostenlosen Zeitreisen in die Antike mit Römern, Kelten und vielen Überraschungen. Die elf historischen Darsteller der neunten spanischen Legion von Uwe Herwegh zeigten am Museum das Lagerleben sowie ihre Ausrüstung und Handwerkskünste. Andreas Reiter bestach dabei als versierter Knochenschnitzer. Legionäre von der späten Republik bis zur frühen Kaiserzeit standen den Besuchern gerne Rede und Antwort.
Als besonderer Anziehungspunkt für die Familien erwies sich die „Rüstungsstation“, wo sich die Kinder mit Helmen, Kettenhemden, Schilden und Holzschwertern in kleine Römer verwandelten. Für Besuchertrauben sorgte vor dem Museum auch der gallische Fischhändler „Henki“ alias Alexander Krop aus Simbach am Inn. Besonders beliebt waren sein Würfelturm mit garantiertem Gewinn und sein „frischer“ Kuschelfisch aus Lutetia. In der römischen Schreibstube von Otto Marx durfte mit Tinte und Rohrgriffel auf Papyrus geschrieben werden. Gegenüber weihten „Diamantweber“ Peter Böhnlein und seine Frau Roswitha in die hohe Kunst des Webens ein. Mitmachen war ausdrücklich erwünscht.
Bei ihrer kunstvollen Arbeit über die Schultern schauen konnte man im Museumsgarten der Oberbrunner Töpferin Dorothe Hahn, die an der Drehscheibe römische Terra-Sigillata-Funde aus Bedaium-Seebruck originalgetreu nachtöpferte. Nebenan legte „Römerin“ Martina Ziereis aus Marmorsteinchen ein kunstvolles Mosaik mit einem einladenden Fischmotiv. Als „optio fabricae“ (Leiter der Werkstätten) der Legion schnitzte Museumsleiter Matthias Ziereis an der Schnitzbank mit Zieheisen und Schweifhobeln einen Vollholzbogen aus Haselholz. „Ich erstelle hier keinen Kriegsbogen für die Armee, sondern einen Jagdbogen für die Jagdabteilung der Truppe, den sogenannten venatores, die für frisches Wildbret zu sorgen hatten – meist für die höheren Offiziere im Legionsstab, da diese natürlich was Besonderes auf der Tafel zu schätzen wussten“, so Ziereis.
Nicht nur die Dauerausstellung mit ihren über 500 Artefakten von der Jungsteinzeit bis ins Frühmittelalter konnte kostenlos besichtigt werden, sondern auch die sehenswerte Sonderausstellung „Bauernhof und Luxusvilla – Römische Landwirtschaft zwischen Inn und Salzach“. An der Museumskasse hatte Renate Reinhard als Auskunftgeberin und Besucherlenkerin kaum Zeit zum Verschnaufen. Zum Erntefest der Römer verteilte sie zudem Römerbrot vom Truchtlachinger Alzbäcker, Äpfel aus dem „Museumsobstanger“ und frisch geerntete Weintrauben aus den Gärten der Familien Reinhard und Ziereis. Eine tolle Premiere feierte das Museumsrätsel für die Kinder mit Fragen zu den Ausstellungen und dem Tagesprogramm. Die 100 „Gummibärpackerl“ für die erfolgreichsten Rätsellöser waren schnell weg.
Lob für Darsteller
und Gäste
Rundum zufrieden zeigte sich am Ende der gemeindliche Museumsleiter Ziereis. Ein Sonderlob verteilte er an alle historischen Darsteller, aber auch an die vielen Besucher, die alle rücksichtsvoll, freundlich und trotz mancher Wartezeiten auch sehr geduldig gewesen seien. „Bessere Gäste kann ich mir in meinem Museum gar nicht wünschen“, meinte Ziereis.