landkreis Mühldorf

Anbau als Alternative

von Redaktion

Es liegt Baurecht vor. Eigentlich könnte die Gemeinde Polling beginnen, die Arbeiten für die Einrichtung einer Kinderkrippe im Flossinger Schulhaus auszuschreiben. Jetzt aber kommt ein Anbau an den Pollinger Kindergarten als Alternative ins Spiel. Das sorgte für Diskussionen im Gemeinderat.

Polling – Im Bericht aus der Sitzung des Finanz-, Kultur-, Jugend- und Sportausschusses der Gemeinde Polling sollten am Donnerstag eigentlich Zahlen und Fakten genannt werden, auf Grundlage derer der Gemeinderat über den Bau der Kinderkrippe entscheiden solle. Doch so weit kam es nicht, nachdem CSU-Gemeinderätin Andrea Steinleitner-Kulhanek eine mögliche Alternative am bestehenden Kindergarten in Polling ins Spiel gebracht hatte (siehe Artikel unten). „Der genehmigte Bauplan ist somit hinfällig“, kommentierte Bürgermeister Lorenz Kronberger die Einlassung der Gemeinderätin. Der Kulturausschuss, dem Steinleitner-Kulhanek nicht angehört, habe sich in der Vergangenheit viel Arbeit gemacht, den Bedarf nach Krippenplätzen ermittelt und auch ein Leerstandsmanagement in der Gemeinde durchgeführt. „Ein Neubau ist nie besprochen worden“, wunderte er sich darüber, dass jetzt diese Alternative in den Raum geworfen wird. Nur so viel: Dass Heizung und Sanitäranlagen ohnehin schon da wären und auch für die Krippe nutzbar wären, sei „aus der Luft gegriffen“. Willi Skudlik (FW) konnte in diesem Zusammenhang nicht nachvollziehen, welche Zahlen die Richtigen seien. Denn im Kulturausschuss seien im Falle eines Anbaus Bezugswerte aus Heldenstein und Mettenheim herangezogen worden, in Pollings Fall bedeute dies eine Summe von bis zu 1,9 Millionen Euro. Steinleitner-Kulhanek jedoch bringe eine Zahl knapp über 714 000 Euro, die Kronberger als reine Interpretation der CSU-Gemeinderätin abtat. „Wenn ich baue, dann benötige ich Fakten. Dann ruft man eben einen Architekten und lässt planen.“ Gemeinderat Ludwig Mollner Oswald Brandstetter (CSU) bat, sich darüber Gedanken zu machen, „was wir brauchen“. Das Wohl des Kindes habe Vorrang. Er sprach sich dafür aus, Krippe und Kindergarten an einem Ort zu haben, um Geschwisterkinder nicht zu trennen. Auch sei es einfacher, die Mittagsbetreuung an nur einer Stelle anzubieten. Er sprach sich für ein Vergleichsangebot aus. Ludwig Mollner (FW) gefiel an der Diskussion nicht, dass immer nur etwas interpretiert werde. „Wenn ich baue, dann benötige ich Fakten. Dann ruft man eben einen Architekten und lässt planen.“ Er plädierte ebenfalls auf ein Vergleichsangebot. Michael Stelzl (CSU) konnte sich nicht vorstellen, dass ein Neubau billiger wäre als die Maßnahmen in Heldenstein oder Mettenheim. Andreas Maierhofer (CSU) sagte, dass in der Entscheidung der Bedarf berücksichtigt werden sollte, schließlich handle es sich um eine weitreichende Entscheidung für die nächsten 25 Jahre. Thomas Jobst (CSU) stellte hingegen klar, dass ein Neubau für nur eine Gruppe „ein Irrsinn“ wäre. Alfred Wagner (CSU) wollte das Schreiben von Steinleitner-Kulhanek als Antrag und erwartete jetzt auch Zahlen. Skeptisch sah er, dass die Einschätzung zum Brandschutz immer noch Gültigkeit habe, obwohl dieser zehn Jahre alt sei. Mollner wollte den Tagesordnungspunkt schließlich absetzen lassen, zumal die Antragstellerin (Kronberger: „Ist das überhaupt ein Antrag?“) selbst nicht Rede und Antwort stehen konnte. Dies wurde aber bei zwei Befürwortern mehrheitlich abgelehnt. Stephan Lang (FW) wand ein, dass im Schreiben von Andrea Steinleitner-Kulhanek dezidiert von Polling als Standort die Rede sei, in der Beschlussfassung erweiterte dies Bürgermeister Kronberger dann trotzdem auf eine „Kostenberechnung für einen Neubau im Gemeindegebiet Polling“. Mit 12:4 sprach sich der Rat für diesen Vorschlag aus. Die Möglichkeit, im Falle der Flossinger Variante gleich eine zweite Krippen-Gruppe zu berücksichtigen, erhielt 8:8 Stimmen, war somit abgelehnt. Mit den beiden Abstimmungen wurde der anschließend geplante Bericht aus der Sitzung des Finanz-, Kultur-, Jugend- und Sportausschusses hinfällig. Man werde erst die Kostenschätzung für einen Neubau abwarten.

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