AUS DER REGION
Die Bahnhofstraße als Entree in die Stadt soll attraktiver werden. Einen Akzent setzt in diesem Bemühen der Stadt jetzt die Volksbank-Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee (VR). Sie reißt ihr fast 50 Jahre altes Hochhaus samt Nebengebäude ab und baut neu: ein hochmodernes Geschäfts- und Wohnhaus mit einer anspruchsvollen Architektur.
Rosenheim – Im Erd- und ersten Obergeschoss soll Platz für Einzelhandel – bei Bedarf auch für großflächige Geschäfte – entstehen, berichtete der Leiter des Stadtplanungsamtes, Robin Nolasco, im Baugenehmigungsausschuss des Stadtrates. Hier könnten dann unter anderem ein attraktiver Ankermieter und weitere Geschäfte einziehen. In die Mietersuche ist die VR-Bank nach Angaben von Vorstandsmitglied Dr. Mario Voit noch nicht eingestiegen. Zuerst stehe wie beim Dienstleistungszentrum in Bad Aibling, ebenfalls entwickelt nach einem Konzept des Rosenheimer Büros Schleburg, die Aufstellung eines Bebauungsplanes an, der die Details des Vorhabens festschreibe. Die Räumlichkeiten in den ersten drei Geschossen, die für Einzelhandel und Dienstleistungen zur Verfügungen stehen werden, sollen je nach den Bedürfnissen zukünftiger Mieter ausgestaltet werden. Geschäfte, Wohnungen, Büros Eine Sanierung des Altbestandes der Hauptgeschäftsstelle in der Bahnhofstraße 5 und 5a hätte eine Rückführung des 1969 erstellten Sandsteingebäudes bis auf den Rohbauzustand erfordert. Deshalb entschloss sich die VR-Bank für einen Neubau. Er soll nicht nur gewerblich, sondern zu einem Drittel auch für Wohnen genutzt werden. Damit will der Investor dazu beitragen, dass der Bereich der Bahnhofstraße auch nach Geschäfts- und Dienstschluss belebt ist. Das neue Gebäude wird niedriger als das alte: Jetzt ragt das Volksbank-Hochhaus 26 Meter in die Höhe, die Planung für den Neubau sieht nur 22,5 Meter vor. Die Stockwerke sollen sich von bisher acht auf sechs reduzieren. Dafür geht das Wohn- und Geschäftshaus in die Breite. Überbaut werden auf dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück 1800 Quadratmeter. Das Untergeschoss wird Tiefgarage und Technikausstattung aufnehmen, Erd- und erstes Obergeschoss sind für den Einzelhandel und Dienstleistungsnutzungen vorgesehen. Im zweiten Obergeschoss entstehen laut Planung des Architekturbüros Schleburg vorrangig Büroflächen. Die weiteren drei Stockwerke sollen für Wohnnutzungen zur Verfügung stehen. Hier entstehen vermutlich 15 bis 20 Wohneinheiten. Dieser Wechsel von Einzelhandel und Dienstleistung zum Leben in der Stadt wird auch an der Fassade deutlich sichtbar, die die Traufwandhöhen der umliegenden Gebäude aufnimmt: Die oberen Geschosse werden laut Bauentwurf zurückgestaffelt: durch eine terrassenförmige, wellenartig und organisch wirkende Abstufung mit Holzverkleidung, die dem Gebäude eine auffällige Architektur verleiht. „Toll“, „anders, aber gelungen“ Dieser Gestaltungsvorschlag stieß im Bauausschuss auf großes Lob. „Ich bin sehr begeistert von dieser ansprechenden Innenstadtarchitektur“, freute sich Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. „Toll“ fand CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann die Planung. „Anders, aber gelungen“, lautete das Urteil von Andreas Lakowski von der SPD. „Fantasievoll“, ergänzte Dr. Beate Burkl (Freie Wähler/UP). Nur Josef Gasteiger von der CSU bedauerte, dass sich die Fassade an der Bahnhofstraße stark ändern werde und hätte sich mehr Alternativen gewünscht. Peter Weigel von den Grünen empfindet den geplanten Neubau außerdem als nicht mehr so elegant wie das bisherige schmale Hochhaus. Die großflächigen Schaufenster im Erd- und ersten Obergeschoss sollen intensiv für dort anzusiedelnde Geschäfte werben. Ausschussmitglieder begrüßten die Tatsache, dass es keine geschlossenen Lagerfassaden geben wird, warnten jedoch angesichts von Negativbeispielen in der Stadt vor zu auffälligen Lichtreklamen. Der Ausschuss begrüßte außerdem die Anbindung des geplanten Neubaus an den Salinplatz, der dadurch ebenfalls eine Aufwertung erhalte. Auch der Hinterhofcharakter des jetzigen Hochhauses mit Nebengebäude soll verschwinden. Oberbürgermeisterin Bauer zeigte sich überzeugt, dass das Vorhaben der Bahnhofstraße „ein tolles Profil“ geben wird. Das Quartier erfahre eine weitere Aufwertung, nachdem das nahe Karstadt-Sporthaus ebenfalls umfangreich saniert worden sei. Bauers Hoffnung: Die Bahnhofstraße möge sich von einer 2B- zu einer 1A-Lage mausern. Neubau soll Ende 2022 fertiggestellt sein Das Bauvorhaben trägt dazu bei, dass der gesamte Stadtteil im Umfeld des Bahnhofes mit Gründerzentrum und Hotel ein neues Gesicht erhält, ist Architekt Schleburg überzeugt. Eineinhalb Jahre hat sich die VR-Bank als Investor nach Informationen von Vorstandsmitglied Voit Zeit genommen, um sich mit einer Reihe von Entwürfen, mit umfangreichen Gutachten, Untersuchungen und Analysen dem jetzigen Plan zu nähern. Auch für den schwierigen Untergrund, den berühmt-berüchtigte Rosenheimer Seeton, gebe es eine technische Lösung. Franz Dimpflmaier, Geschäftsführer in der Generalplanungsgesellschaft Schleburg, hofft darauf, dass der Bebauungsplan bis Mitte 2018 Baureife erlangt. Anfang 2019 ist der Abriss der Altgebäude geplant, teilte gestern Hans Abfalter, Leiter des Bereiches Spezialobjekte Immobilien bei der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee, im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen mit. Ende 2022 soll der Neubau fertiggestellt sein. Die VR-Bank investiert einen Betrag, der zwischen einem niedrigen und mittleren zweistelligen Millionenbereich liegt, teilte Vorstandsmitglied Voit auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitung mit. Die Genossenschaftsbank wird am Standort Bahnhofstraße bleiben, also selber einziehen.