Bad Aibling – Zwischen „Weg ins 21. Jahrhundert“ und „einfach ein Witz“ variierten die Meinungen über die Pläne für das ehemalige Ludwigsbadareal bei der Bürgerversammlung. Nach der Vorstellung der dort geplanten Bebauung war dies der einzige Diskussionsbedarf, den die Bürger hatten. Insbesondere das anvisierte Hochhaus mit einer Höhe von 34 Metern führte bei einigen Bürgern zu Unmutsäußerungen. Als zukunftsweisendes Bauwerk“ betitelte Architekt Stefan Behnisch (Behnisch Architekten) die Gedankenmodelle, die er präsentierte. Das Areal sei – schon allein wegen seiner Geschichte rund um das Ludwigsbad, als erstes salinisches Moorheilbad der Welt von Bedeutung. „So wie damals etwas Besonders für die entstanden ist, wollen wir auch wieder etwas schaffen, das Beispielcharakter hat und zum 21. Jahrhundert passt“, so der Architekt. Baurecht ist ihm zufolge und nach Angaben von Bürgermeister Felix Schwaller auf dem Grundstück vorhanden. Bei den Gedankenspielen, wie eine künftige Bebauung aussehen soll, habe man sich am gültigen Bebauungsplan orientiert. Ausgenommen der Sonderbau „Hochhaus“ wäre alles im Rahmen der Vorgaben. Wie berichtet, hatte es sowohl eine nicht öffentliche, als auch eine öffentliche erste Vorstellung der Planungen im Stadtrat schon gegeben. „Anregungen daraus haben wir bereits in die neuerlichen Skizzen einfließen lassen“, betonte Behnisch. So sei der Hochpunkt, das etwa elfstöckige Hochhaus mit einer Höhe von 34 Metern, nach hinten gerückt worden. Die Dachformen seien begrünt – passend zum rückwärtigen Park und dem benachbarten Kurpark. Der historische Baumbestand werde erhalten. „Allerdings würden wir die Baulinie einwenig verschieben, um den großen schönen Baum an der Rosenheimer Straße zu erhalten. Zwei andere, die aber laut Gutachten tot sind, werden weichen und dort wird dann Bebauung möglich sein. Die Aufteilung des rund 12 000 Quadratmeter großen Areals wäre aber nach wie vor knapp 50:50 zwischen Bebauung und Park. „Schließlich befinden wir uns hier an der Schwelle zur verdichteten Stadt. Wobei entlang der Straße hauptsächlich kleinere Gebäude angesiedelt sind. Wie gewünscht, habe man aber auch einen Bezugspunkt zum möglichen Bauvolumen am gegenüberliegenden Kellerberg geschaffen. Behnisch betonte dabei, dass es sich bei der Bebauung um keine geschlossenen Blöcke handle, sondern an dieser prominenten Lage immer wieder für Durchgänge und Durchsichten gesorgt werde. Im Erdgeschoss sei eine öffentliche Nutzung mit Geschäften et cetera angedacht. Von der Rosenheimer Straße aus soll die Zufahrt zur Tiefgarage für die Gebäude erfolgen. Einige Parkplätze sowie fdie Zugänge ür Personen mit Handicap sind oberirdisch. Die Dächer haben eine leichte Neigung und sollen begrünt werden. „Dies würde sich gut in das grüne Umfeld anpassen und vom Kellerberg aus einen grünen Anblick bieten“, so Behnisch. Bei den Fassaden habe man sich an der Aiblinger Gestaltungssatzung orientiert und mit verschiedenen Materialien wie Holz gearbeitet. Das vorgestellte Tragwerk aus Stahl für das Hochhaus wiederum soll auch begrünt werden. „Hier haben wir zudem den Sonnenlauf berücksichtigt, damit die Pflanzen auch wachsen und gedeihen“, betonte der Architekt. Die Bruttogeschossfläche haben zu Ludwigsbadzeiten 5900 Quadratmeter betragen, künftig würde dies 13 400 Quadratmeter sein – „alles innerhalb der Richtlinien im Bebauungsplan“. Der Brandschutz war einem Bürger dabei ein Anliegen, der bezweifelte, dass dieser bei dem Hochhaus eingehalten werden könnte. Soweit sei man im aktuellen Planungsverfahren noch nicht. Wenn es aber konkret werde, würden hier alle Richtlinien und Vorgaben eingehalten werden. Nachbarsorgen konnten teils entkräften werden. „Hier wird es mit Sachverständigen vorab Begehungen geben“, versprachen Behnisch und Schwaller. Auch zu den Quadratmeterkosten der künftigen Wohnungen konnten die beiden Angaben machen. „Das ist Sache der Investoren“, so Schwaller. Dem Argument, dass das Hochhaus mit 34 Metern höher als die Kirchtürme von Aibling sind, entgegnete ein Bürger, dass dies nicht stimme. Der Turm von Mariä Himmelfahrt ist 42 Meter hoch – „und steht zudem noch auf einem Hügel“. „Nicht ins Voralpenland passend“ und eher für Großstädte geeignet lauteten weitere Gegenargumente von Bürgern. Doch das Ludwigsbad selbst hatte damals auch ein Alleinstellungsmerkmal und sich nicht am Stil der umliegenden Bebauung orientiert, gab Behnisch zu Bedenken. An den Maßen und Massen hatten einige der Versammlungsteilnehmer zu „knabbern“. Hier schieden sich die Geister, ob man sich vom Baustil her „zurück ins 19. Jahrhundert bewegen“ oder Neues mit Altem zu einem Ensemble verbinden wolle.