landkreis Mühldorf

Ein Tag der Begegnung

von Redaktion

Mühldorf – 500 Jahre Reformation sind am 31. Oktober Anlass für eine Sternwallfahrt der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und der katholischen Pfarrgemeinden der Stadtkirche. Im Interview spricht Pfarrerin Susanne Vogt unter anderem über die Lage der Ökumene in Mühldorf.

„Christusfest“ steht auf den Plakaten für den 31. Oktober. Was darf man sich darunter vorstellen? Der Reformationstag soll zu einem gemeinsamen Erlebnis für die Christen in Mühldorf werden. Dafür treffen sich die Gläubigen am Nachmittag in ihren Pfarreien und machen sich dann – nach einem ökumenischen geistlichen Impuls – auf den Weg in die Stadt. In Erinnerung an das Jahr 1517 läuten zugleich um 15.17 Uhr alle Kirchenglocken für fünf Minuten. Um 16 Uhr beginnt dann am Stadtplatz vor der Frauenkirche ein ökumenischer Gottesdienst, der unter anderem mit einer Tauferinnerung verbunden ist. Dafür schöpfen wir Wasser aus dem Salzburger Hochbrunnen, dem an diesem Tag eine besondere Bedeutung zuteil wird.

Inwiefern? Der Brunnen ist seit je her ein besonderes Symbol. Er war schon im Alten Testament der Mittelpunkt der Städte und Dörfer, dort ließ sich das Lebensnotwendigste schöpfen. So ist der Brunnen zu einem Ort der Begegnung geworden, einem Ort des Gesprächs, auch einem Ort der Auseinandersetzung. Kurzum: Es ist ein Platz, an dem man Ökumene besonders gut in die Tat umsetzen kann. Dazu hören wir das Johannesevangelium mit Jesus und der Frau aus Samaria, die sich am Brunnen treffen: Es geht um die besondere Begegnung zwischen einer Samariterin und einem Juden, also einem Treffen über Glaubensgrenzen hinweg. Das passt.

Wenn der Brunnen auch ein Ort der Auseinandersetzung ist: Wie beurteilen Sie die Lage der Ökumene in Mühldorf? In manchen Bereichen gut, in anderen mit Sicherheit ausbaufähig. Was über Jahre gewachsen ist, ist die unkomplizierte Zusammenarbeit zu verschiedenen Anlässen: Von Einweihungsfeiern bis zu Schulgottesdiensten. Auch in der Flüchtlingsarbeit eint uns mit Sicherheit die christliche Nächstenliebe als treibende Kraft. Was mir fehlt, ist mehr ökumenisches Miteinander abseits einzelner Veranstaltungen oder Termine. Mehr gemeinsame Niederschwellige Angebote für Jedermann: Das wäre ein Ansatz. Das braucht es in meinen Augen gerade in Mühldorf, da aktuell so viele Menschen neu in die Stadt kommen. Wenn wir – und da meine ich sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche – diese Menschen erreichen wollen, dann kann das auch über die Ökumene geschehen.

Hat es die evangelische Kirche gerade im tiefkatholischen Oberbayern besonders schwer? Ich kann das schwer beurteilen, weil ich es nicht anders kenne. Ich bin in München geboren und lebe nun seit über fünf Jahren hier in Mühldorf. Von manchen Organisationen werden wir kaum wahrgenommen, wenn wir uns nicht selbst in Erinnerung bringen. Und manchmal werden wir einfach vergessen. Das ist sicher gar keine böse Absicht, aber wir sind eben in den Köpfen vieler Menschen, die hier leben, nicht verankert genug. Dabei sind wir in Mühldorf mit rund 2200 Protestanten eine Gruppe, die man eigentlich nicht übersehen kann. Ich muss dabei betonen: Mit Stadt und Landkreis klappt es bestens..

Was könnte von dem gemeinsamen „Christusfest“ für die Zukunft bestehen bleiben? Das Gefühl des Miteinanders. Deshalb lassen wir den Tag auch im Anschluss an den Gottesdienst im Haus der Begegnung ausklingen. Es wäre schön, wenn da manches Gespräch, manches Aufeinandertreffen auf fruchtbaren Boden fällt. Und wer weiß, vielleicht öffnet sich ja die eine oder andere Tür, die bislang noch verschlossen war.

Artikel 1 von 11