Huml setzt auf neue Studie

von Redaktion

Bad Aibling/Wasserburg – Die Geburtshilfe am Romed-Klinikum Bad Aibling ist seit 15. August geschlossen, am Krankenhaus Wasserburg drohen ihr ab 1. Januar 2018 erhebliche Probleme (wir berichteten). Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml will bei der Suche nach Lösungen helfen. Die Forderung des Aiblinger Stadtrates ist klar und wurde in Form einer einstimmig verabschiedeten Resolution Huml noch im Sommer übermittelt: schnellstmögliche Wiedereröffnung. Landrat Wolfgang Berthaler hat zwischenzeitlich versichert, er wolle nur eine vorübergehende Schließung der Station, noch liegen aber keine Lösungsvorschläge auf dem Tisch. Huml hat sich bisher nicht offiziell zur Resolution geäußert. Die (vorübergehende) Schließung in Bad Aibling ist vor allem auf einen Mangel an zur Verfügung stehenden Hebammen und Belegärzten zurückzuführen, die Geburtshilfe leisten. Veränderte Rahmenbedingungen für die Arbeit der Hebammen könnten ab 1. Januar nächsten Jahres dazu führen, dass auch in Wasserburg die Versorgung mit Hebammen zum Problem wird. Bayernweit kann nach Auskunft der Ministerin allerdings von einem Mangel an Hebammen und Entbindungspflegern keine Reede sein. Ihre Zahl sei von 2400 im Jahr 2004 auf 3600 im Jahr 2014 gestiegen, so die Ministerin. Sie hat deshalb eine Studie zur Hebammenversorgung in Bayern in Auftrag gegeben, die Klarheit darüber bringen soll, wie die Hebammen im Freistaat verteilt und in welchen Bereichen sie tätig sind. „Aus dieser Studie erwarte ich neue Erkenntnisse, die gegebenenfalls in weitere Maßnahmen münden werden“, sagt die Ministerin. Die Fragebögen an die Hebammen wurden bereits im September versandt, die Auswertung der Studie soll nach Humls Einschätzung im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein. Die zum 1. Januar in Kraft tretende Neuregelung der Vergütung für die Geburtshilfe durch Beleghebammen – wie mehrfach berichtet, läuft die Berufsgruppe wegen befürchteter finanzieller Einbußen dagegen Sturm und prüft eine Klage – erleichtert nach Ansicht der Ministerin die Aufrechterhaltung von Geburtsstationen an Kliniken durch Beleghebammen nicht. Dennoch: Huml will sich dafür einsetzen, dass bei der Umsetzung der Tarifregelung „eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe“ gewährleistet bleibt. Die Herausforderungen seien vielschichtig. Dies habe auch ein Runder Tisch auf Landesebene gezeigt. Zu dem hatte die Ministerin im Mai geladen. Den Dialog fortsetzen und gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen, so sieht Humls Marschroute für die Zukunft aus. Die von den Hebammen geäußerten Sorgen im Zusammenhang mit der neuen Vergütungsregelung nimmt die Ministerin ernst, „zumal gerade in Bayern der Anteil der Beleghebammen weit überdurchschnittlich ist“. Derzeit prüfe das Land, „ob und wie den Geburtshilfestationen im Freistaat die Möglichkeit von landesspezifischen Sicherstellungszuschlägen durch die Krankenkassen eröffnet werden kann“. Was die Haftpflicht für Belegärzte betrifft, will Huml auf Bundesebene Verbesserungen erreichen. Dr. Max Kaplan, Präsident der Landesärztekammer in Bayern, hat bei einem Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung anlässlich des Ärztetages in Rosenheim jedenfalls keine generellen Bedenken gegen Krankenhäuser geäußert, die Geburtshilfe auf der Basis von Belegärzten und Beleghebammen anbieten. Neben genügend Personal hierfür muss aus seiner Sicht allerdings eine weitere Voraussetzung an diesen Kliniken erfüllt sein. „Die Anästhesie muss immer zur Verfügung stehen. Das ist das Wichtigste.“ Forderungen aus den Reihen der Ärzte, die auch die 24-Stunden-Präsenz eines Kinderarztes für notwendig erachten, unterstützt er dagegen nicht. Norbert Kotter

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