Wasserburg – Ein besonderes Gemeindefest wird es am 31. Oktober in der Christuskirche geben. Zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ laden die evangelischen (Frei-)Kirchen gemeinsam ein, miteinander Gottesdienst zu feiern und sich über den ganzen Reformationstag hinweg miteinander auszutauschen und sich näher kennenzulernen.
Ein wichtiges Zeichen für die Stadt und die Umgebung möchten die Verantwortlichen aus den Reihen der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde, der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, der Koinonia (Baptisten) und der evangelischen Freikirche Wasserburger Land (Mennoniten) mit dieser gemeinsamen Aktion setzen und dies trotz aller Unterschiede in der theologischen Auslegung. Dazu gehört die Absicht, das Bewusstsein für die Reformation zu wecken und mit einem gemeinsamen Gottesdienst auf Augenhöhe um 10 Uhr etwas Bleibendes für die Zukunft zu schaffen. Dabei soll, aufbauend auf der Bedeutung einer vor allem dem damaligen Volk dienenden Bildungsrevolution an die veränderte Glaubensvermittlung erinnert werden. Man konnte doch erstmals dank Luther die Bibel auf Deutsch lesen und den Gottesdienst in der eigenen Sprache feiern. Damals wie heute soll vor allem auch der Gedanke, ohne Angst und Mittler vor Gott zu treten und ihn im Gebet direkt anzusprechen, herausgehoben sein. Als bleibendes Zeichen wird um 11.30 Uhr bei einem Empfang auch ein besonders Kunstwerk enthüllt, das künftig an die einschlagende Botschaft Luthers erinnern soll und vor der Christuskirche stehen wird. Um die Entwicklungen im Bereich der Kirche und das Entstehen der evangelischen (Frei-)Kirchen besser verstehen zu können, folgt nach einem gemeinsamen Mittagessen ein Referat von Dr. theol. Johannnes Hartlapp von der Theologischen Hochschule Friedensau. Hier soll Klarheit und Verständnis für den oft verwirrenden ‚Themenregenbogen’ im Bereich der unterschiedlichen Entwicklungen der christlichen Lehre geschaffen werden. In anschließenden Workshops werden sich die vier evangelischen (Frei-)Kirchen mit ihren Gemeinden selbst vorstellen und den jeweiligen Fokus in ihren theologischen Auslegungen herauszuarbeiten versuchen. Für die lutherische Kirchengemeinde wird dies Pfarrer Peter Peischl tun, für die Baptisten Miriam Leicht, für die Adventisten Pastor Frederik Woysch und für die Mennoniten Sepp Wiedemann. Alles in allem wird hier etwas möglich gemacht, was in dieser Form wohl nicht so häufig in Deutschland zu finden sein dürfte. Zum Abschluss dieser besonderen ökumenischen Veranstaltung, welche den Begriff Ökumene differenzierter angehen und nicht nur auf das Zusammenwirken von katholisch und evangelisch reduziert sehen möchte, wird gegen 16.45 Uhr noch ein Apfelbaum gepflanzt. Wer sich auf eine besondere Feier einlassen will, ist am Reformationstag eingeladen, sich am Kirchgang und an Gesprächen und Diskussionen im evangelischen Gemeindehaus zu beteiligen. Kinder sind ebenfalls willkommen. Für sie wird ein eigener Gottesdienst abgehalten, den Tag über werden die Buben und Mädel von einem Team um Vikarin Raffaela Meiser betreut.