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Prien recht sicher

von Redaktion

Prien – In der Region lebt es sich vergleichsweise sicher. Das belegen die Zahlen, die Polizeipräsident Robert Kopp am Dienstag in Prien präsentierte. Dennoch spiegele sich dies nicht immer im subjektiv wahrgenommenen Sicherheitsgefühl der Menschen wider. 3644 Einsätze bekam die Priener Polizei heuer bis Mitte Oktober über die Einsatzzentrale vermittelt; dazu kommen weitere, die direkt an die Polizeiinspektion (PI) mitgeteilt werden. Die Zahl der Straftaten sei aktuell noch nicht ermittelt – aber die Tendenz sinkend. Statistisch gesehen kommen auf 100 000 Einwohner in Bayern 6871 Straftaten – damit sei es das sicherste Bundesland. Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd liegt dieser Wert bei 4100, für die PI Prien bei 3700. „Das spricht für die Region hier“, meinte Kopp. So die Fakten, die der Polizeipräsident zur Jahresversammlung der Sicherheitsgemeinschaft „Bürger und Polizei“ in die Gaststätte „Alpenblick“ mitgebracht hatte. „Die Welt ist ein Stück weit in Ordnung“, so Kopp: Die Zahl der Wohnungseinbrüche sei gesunken, die der schweren Gewaltverbrechen nicht gestiegen. Dennoch klaffe die Schere zwischen objektiver Sicherheit und dem subjektiv empfundenen Sicherheitsgefühl der Bürger immer weiter auseinander. Immer wieder gebe es Vorfälle – zum Beispiel der „Lidl-Mord“, als ein Afghane im April in Prien eine Landsfrau erstach – „da bleibt ein flaues Gefühl in der Magengegend“. Für das Empfinden der Bürger seien zum Beispiel auch Wohnungseinbrüche gravierender und belastender als der Diebstahl eines Autos. Andererseits sorgten die illegalen Einreisen – das Präsidium hat 438 Kilometer Grenze zu Österreich in seinem Bereich – für eine stark steigende Kriminalitätsrate, doch ohne Auswirkungen auf die Bürger in der Region. Zu den Wohnungseinbrüchen merkte Kopp an, die Entwicklung sei auch in Prien so, dass die Zahl sinkt. Meist schlügen die Täter in der Nähe der Hauptverkehrswege zu, zumeist am Freitag, Samstag oder Sonntag, während der Dämmerung, und in der Hälfte der Fälle dringen sie über die Terrassentüre ein. „Jeder Einbruch ist einer zu viel“, das steht für Kopp fest, aber man spüre, dass das Maßnahmenbündel der Polizei zu diesem Thema greife. „Wen wir brauchen, sind Sie, die aufmerksamen Bürger“ appellierte der Polizeipräsident und zitierte dazu auch den Priener PI-Leiter Dieter Bezold: „Bürger und Polizei sind ein starkes Team.“ In diesem Sinne legte er ein Plädoyer für Sicherheitswachten ab. Durch Anrufe von Bürgern, so erklärte er, konnten im vergangenen Jahr im Präsidiumsbereich in 297 Fällen die Täter noch am Tatort festgenommen werden. „Wählen Sie die 110“, bat er darum, offensiv vorzugehen. Genau dies hatte eine Prienerin am 13. September getan. Als sie nämlich verdächtige Personen sah, die sich an der Kapelle auf dem Marktplatz zu schaffen machten, und die ihr bereits ein paar Tage zuvor aufgefallen waren. Sie rief die Polizei, die umgehend da war und die Einbrecher, die sich gerade am Opferstock zu schaffen machten, festnahm (wir berichteten). „Diese Festnahme haben wir nur einer aufmerksamen Bürgerin zu verdanken“, betonte Dieter Bezold. Die Täter, zwei Bulgaren, seien eigens eingereist, um Straftaten zu begehen. In Prien war „Endstation“, nun säßen sie in Haft. Auch Kopp dankte der Frau, die namentlich nicht genannt werden will, „dass die jetzt bei uns nichts mehr anstellen“. Sie wurde bei der Versammlung geehrt und erhielt neben Dank und Anerkennung auch Blumen und 110 Euro, mit denen Anrufe über den Notruf 110, die zur Ergreifung der Täter führen, honoriert werden. Kopp sprach in seinem Vortrag weitere brisante Themen an. Schwierig sei es, bei „Cyber-Crime“, der Kriminalität im Internet, für Recht und Ordnung zu sorgen. Die Täter tauschten sich in Foren aus und seien nicht greifbar, und zum Leidwesen der Polizei seien sie nicht dumm; „die Waffe von denen ist die Intelligenz“. Die Polizei setze hier auf speziell geschulte IT-Fachleute. Nicht oft genug warnen könne er auch vor dem „Enkeltrick“. Immer wieder würde ein bis zu sechsstelliger Geldbetrag quasi im Schuhkarton vor der Haustüre übergeben, nur weil jemand sehr überzeugend eine Notsituation vorspielt. Das neueste Phänomen in dieser Richtung seien falsche Polizeibeamte, die sich geschickt Zugang ins Haus verschaffen. „Hier dürfen wir nicht locker lassen und müssen umfassend informieren“, so Kopp. Die Gefahr eines Terroranschlags sehe er auch in der Region – allerdings gebe es keine konkreten Hinweise. Doch habe die Vergangenheit leider gezeigt, dass Anschläge auch kleine Orte treffen. Durch die Migration lebten hier mehr Menschen, und entsprechend steige die Zahl der Straftaten. Fest stehe aber, dass die Zahl der Gewaltkriminalität in den vergangenen zehn Jahren nicht gestiegen ist. Bei solchen Verbrechen sei „von der Polizei keine Toleranz zu erwarten, von wem auch immer die Gewalt ausgeht“, versprach Kopp. In der Diskussion griff der Priener Bürgermeister Jürgen Seifert das Thema Trickbetrüger auf. Aktuell seien in Prien und Atzing vermeintliche Feuerwehrleute unterwegs, die angeblich kontrollieren wollen, ob Rauchmelder installiert sind, warnte er. Sein Aschauer Amtskollege Peter Sollnar regte mehr Polizeipräsenz an – „das ist wichtig, damit wir hier ruhig leben können“. Er habe den Eindruck, die Polizei baue immer mehr Stellen ab. Hier müsse die Politik reagieren. „Wir werden mehr“, entgegnete Kopp. Das sei aufgrund zusätzlicher Aufgaben auch nötig – Stichwort „Cyber-Cops“ und Terrorgefahr. „Aber die Ausbildung dauert drei Jahre. Da müssen wir noch durch.“ Vor dem Bericht des Polizeipräsidenten hatte die Sicherheitgemeinschaft „Bürger und Polizei“ unter ihrem Vorsitzenden Klaus Daiber Rückblick gehalten, eine einwandfreie Kassenführung abgesegnet und die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags von 7,50 auf zehn Euro im Jahr beschlossen. Für den verstorbenen Kassenprüfer Josef Ritzinger wurde Michael Schweiger nachgewählt. Die Sicherheitsgemeinschaft, ein Zusammenschluss interessierter Bürger und Polizeibeamter, hat aktuell 267 Mitglieder; vier mehr als 2016. Mit den Infoveranstaltungen im Vorjahr zum den Themen „Schutz vor Einbrechern“ und über die Aufgaben der Wasserschutzpolizei habe sie, so Daiber, „wohl einen Nerv getroffen“ – beide waren gut besucht. Und das Ferienprogramm für Kinder sei immer eines der am schnellsten ausgebuchten Angebote. kad

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