landkreis Mühldorf

Strom tanken

von Redaktion

Neumarkt-St. Veit – Eine Zapfsäule am Stadtplatz. Eine solche soll es bald in Neumarkts guter Stube geben. Allerdings wird dort dann kein Sprit gezapft, sondern Strom. Über dieses Eilgeschäft informierte Bürgermeister Erwin Baumgartner den Finanz- und Verwaltungsausschuss in dessen jüngster Sitzung. „Es wäre nicht gut für das Prestige der Stadt, wenn es überall eine solche Ladestation geben würde, nur in Neumarkt- St. Veit nicht“, rechtfertigte Bürgermeister Erwin Baumgartner das Eilgeschäft, über das er als Bürgermeister entschieden habe, und worüber er nun den Finanzausschuss informierte. Eilgeschäft deswegen, weil die Zeit drängt, um die Auflagen, die aus dem Zuwendungsbescheid hervorgehen, zu erfüllen. Im Klartext: Bis Ende Januar 2018 muss die Ladestation in Betrieb sein. Im Rahmen des Bundesförderungsprogramms „Ladeinfrastruktur“ hatte sich die Stadt Neumarkt-St. Veit um eine Förderung für die Errichtung einer öffentlich zugänglichen Ladesäule für Elektrofahrzeuge beworben. Bei Antragstellung betrugen die Kosten dafür rund 8400 Euro, aus dem Fördertopf des Bundes fließen Zuwendungen in Höhe von 3345 Euro. Das Problem: Im Rahmen der Ausführungsplanung durch die Firma Bayerwerk AG haben sich Mehrkosten bei der Installation der Ladesäule ergeben, die allerdings nach der erfolgten Bewilligung der Maßnahme nicht mehr förderfähig waren. Die Gesamtkosten haben sich dadurch auf knapp 13 250 Euro erhöht, ergänzte Baumgartner. Durch Nachverhandlungen mit der Bayerwerk AG sei erreicht worden, dass der Eigenanteil der Stadt bei rund 7500 verblieb. Für die Errichtung der Ladestation ist von der Stadt Neumarkt mit der Firma Charge ON, eine Tochterfirma von Bayerwerk, ein Vertrag geschlossen worden, dessen Laufzeit mindestens sechs Jahre beträgt. Der Betrieb erfolgt über die Firma Charge ON, die auch für den Service an der Ladestation mit ihren zwei Ladepunkten (11 kW und 22 kW) zuständig ist. Die Stadt erhält eine Rückvergütung für jede an der Ladestation kostenpflichtige geladene Minute in Höhe von einem Cent. Als geplanten Standort für die Ladesäule schlug Bürgermeister Baumgartner die Haltestellen am Brunnen vor dem ehemaligen Rathaus vor. Zumindest für die nächste Zeit. Baumgartner gab zu, dass sich Ladestation und Wochenmarkt in die Quere kommen könnten. Und auch die Stadtplatzplanung, die allmählich an Gestalt gewinnt, könne den Standort in Frage stellen und eventuell eine Verlegung um zehn Meter notwendig machen. Das ist ganz im Sinne von Stadträtin Rosmarie von Roennebeck (CSU), der der Standort „nicht so gut gefällt. Vielleicht gibt es ja eine andere Lösung.“ Auf jeden Fall findet sie, dass das Vorhandensein einer Ladestation den Stadtplatz aufwertet. „Man sollte aber darauf achten, dass die Ladestation auch optisch zum Stadtplatz passt“, empfahl sie. Kämmerer Thomas Menzel schränkte hier ein, das die Auswahl nicht groß sei. Man habe sich bewusst für einen Standort am Stadtplatz ausgesprochen, damit sich die E-Auto-Besitzer während der Ladezeit – Menzel sprach von knapp 20 Minuten – die Zeit mit Einkaufen oder dem Besuch eines Cafés vertreiben. „Ein Standort an der Stadtbücherei wäre dagegen nicht optimal!“ Grundsätzlich sprach sich auch Uli Geltinger (SPD) für die Ladestation aus, fragt aber nach Alternativangeboten. Er verwies darauf, dass es auch Gemeinden gebe, in denen Ladestationen über den Strom von Laternen gespeist werden. „Das wäre doch sicher günstiger!“ Das verneinte der Bürgermeister aber: Die Kapazitäten würden nicht ausreichen, um zusätzlich ein E-Auto aufzutanken. „Außerdem sind die LED-Lampen nachts dann auch komplett runtergefahren.“ Christian Perau (UWG) hält es für richtig, dass es eine Ladestation am Stadtplatz gibt, „doch ich habe ein Problem mit den Kosten“. Inklusive Unterhalt – jährlich knapp 900 Euro – summiere sich der Anteil der Stadt auf rund 15 000 Euro. Und das für ein System beziehungsweise eine Technologie, bei der ich nicht weiß, in welche Richtung es geht und ob dann auch die richtige Richtung ist.“ Es sei auch nicht grundsätzlich Aufgabe der Stadt, diese Infrastruktur herzustellen. Dem entgegnete Baumgartner, dass auch der Breitbandausbau nicht Sache der Stadt sei, aber dennoch enorme Summen auch hier in die Hand genommen würden, um den Wünschen der Bürger gerecht zu werden.

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