Mühldorf – Mühldorf bekommt eine Sicherheitswacht. Das hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Die Polizei sucht jetzt Bewerber und bildet sie aus. Präsident Robert Kopp, Leiter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, warb am Donnerstag vor dem Stadtrat für die Einführung der Sicherheitswacht. Er sprach von ausschließlich guten Erfahrung in den Städten, in denen bereits eine Sicherheitswacht aktiv ist. Diese Sicherheistwachten seien aber keine Ersatzpolizei, vielmehr gehe es um das ehrenamtliche Engagmenent von Bürgern, die sich für mehr Sicherheit einsetzen. Kopp betonte, dass die Einführung einer Sicherheitswacht nicht bedeute, dass „die Polizei sich zurückzieht und ihre Aufgabe nicht mehr erfüllt. Die Sicherheitswacht ist eine Ergänzung, sie übernimmt eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft.“ Die Mitglieder übernähmen eine Vorbildrolle in Sachen Zivilcourage, würden die Polizei im Zweifelsfall über Funkgeräte rufen und stünden als Zeugen zur Verfügung. „Sie wirken bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung mit“, seien ein „Mosaikstein der bayerischen Sicherheitsphilosophie.“ Mitglieder der Sicherheitswacht sind laut Kopp nicht bewaffnet, sie haben ein Funkgerät und ein Reizgasspräy bei sich. Wichtigste Aufgabe sei es, Präsenz zu zeigen, sie seien Ansprechpartner für Bürger. Der Polizeipräsident nannte sie ein „Zeichen gegen die Unkultur des Wegschauens.“ Sie sollen das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen. „Sie können durch ihre Anwesenheit Straftaten entgegenwirken.“ Die Mitglieder sind immer zu zweit unterwegs und tragen eine Art Uniform, die sie als Sicherheitswacht erkennbar macht. „Wir gehen aber nicht mit Ehrenamtlichen auf Verbrecherjagd“, machte Kopp klar, dass die Aufgaben der Polizei erhalten blieben. „Wir werden damit nicht die Kriminalität bekämpfen. Wir wollen, dass sich Menschen für Sicherheit engagieren.“ Die Sicherheitswacht darf wie jeder andere auch Menschen festhalten, Nothilfe leisten und – im Gegensatz zu anderen Bürgern – die Personalien feststellen und bei Gefahr im Verzug Platzverweise erteilen. Kopp sagte, dass 1994 der „Grundgedanke entstanden sei, der Wegschaumentalität etwas entgegenzusetzen: Sicherheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ In Nürnberg, Ingolstadt und Deggendorf wurden die ersten Sicherheitswachten gegründet. In der Nachbarschaft gibt es laut Kopp Sicherheitswachen in Waldkraiburg, Burghausen, Burgkirchen und Traunstein. Die Kosten für die Ausbildung und die Ausrüstung trägt das Innenministerium, Ziel der Staatsregierung ist es, in den nächsten vier Jahren die Zahl von 1500 Menschen in der Sichheritswacht zu erreichen. Bayernweit ist die Sicherheitswacht laut Kopp in 131 Städten aktiv, sie hat 870 Mitglieder, davon sind 280 Frauen und 35 ausländische Mitbürger. Die Polizei sucht aus den Bewerbern geeignete Frauen und Männer aus, bildet sie 40 Stunden lang aus, kleidet sie ein, rüstet sie mit Funkgeräten aus und koordiniert die Einsätze. Interessenten können zwischen 18 und 62 Jahre alt sein, sie brauchen eine Schulausbildung und müssen „einen guten Ruf“ haben. Sie sollten bereit sein, mindestens fünf Stunden im Monat zur Verfügung stehen. Kopp geht davon aus, dass in Mühldorf zehn bis zwölf Mitglieder für eine funktionierende Sicherheitswachts notwendig sind. Informationen bei Roland Kauer, Polizei Mühldorf unter 08631/36730.