Rosenheim – Ein besseres Hinrundenfinale hätte es für den TSV 1860 Rosenheim in der Fußball-Regionalliga Bayern nicht geben können: 3:2-Derbysieg über Wacker Burghausen, Sprung auf Rang sechs in der Tabelle und das Comeback des lange verletzten Kapitäns Matthias Heiß. Während bei den Sechzigern damit nach drei Siegen am Stück alles im Lot ist, kann der SV Wacker Burghausen alles andere als zufrieden sein. Nach der zweiten Niederlage hintereinander in einem Inn/Salzach-Derby steht der Ex-Zweitligist nur auf dem zwölften Tabellenplatz und hat die Abstiegszone dicht im Nacken. Drei Punkte beträgt der Burghauser Vorsprung auf die Relegationsplätze. „Wir haben uns die Niederlage selbst zuzuschreiben, weil wir in der ersten Halbzeit sechs hundertprozentige Torchancen gehabt haben und deutlich höher als 1:0 führen hätten müssen“, beklagte Burghausens Trainer Patrick Mölzl die schwache Chancenverwertung seiner Mannschaft. In der Tat erwischten die Gäste von der Salzach den klar besseren Start und hatten nach der 1:0-Führung, die der Ex-Rosenheimer Sascha Marinkovic nach einem Schnitzer von Georg Lenz markierte, einige Gelegenheiten, um für eine Vorentscheidung zu sorgen. Stefan Wächter und Manuel Omelanowsky zielten am langen Eck vorbei, Marinkovic setzte die Kugel neben den Kasten, beim Versuch von Kevin Hingerl wehrte Wiggerl Räuber vor der Linie ab. Das dickste Ding versemmelte Marius Duhnke, der sich bei einem weiten Ball von Hingerl geschickt zwischen der Rosenheimer Abwehrkette bewegte und letztlich völlig blank vor Mario Stockenreiter auftauchte, dann aber am herauseilenden 1860-Keeper scheiterte. „Unser Gegenpressing war nicht gut und so hatten wir Riesenprobleme, wenn wir den Ball verloren haben“, meinte Sechziger-Trainer Tobias Strobl zu diesen Szenen und bekannte, „dass wir Glück hatten, dass wir da nicht mit 2:0 oder 3:0 in Rückstand geraten sind. Da hätten wir uns dann auch nicht beschweren können, obwohl wir gefühlt 70 Prozent Ballbesitz hatten.“ Der unwahrscheinlich schwer zu bespielende Platz war dabei eher ein Nachteil für die Rosenheimer, die oftmals spielerisch den Weg nach vorne suchten, während Burghausen den langen Ball als erfolgreiches Mittel einsetzte und damit gefährlich war. Gute Torchancen der Gastgeber waren deshalb eher Mangelware. Einmal wurde ein Schuss von Michael Denz nach einer Ecke noch abgeblockt, ein gut angetragener Distanzschuss von Philipp Maier wurde eine Beute von Burghausens Keeper Franco Flückiger. „Wir waren noch galliger, haben sofort zugegriffen“ Tobias Strobl Ein ganz anderes Bild gab es nach dem Wechsel: Da waren die Sechziger von Beginn an da und legten den Vorwärtsgang ein. „Wir waren noch galliger, haben bei jedem Ballverlust sofort zugegriffen und diese Umschaltmomente für Burghausen nicht mehr zugelassen,“ lobte Trainer Strobl. Und es gab Offensivszenen: Maxi Mayerl Schuss wurde von Christopher Schulz abgeblockt, Einsiedlers Kopfball ging knapp am Kasten vorbei. Verdient waren deshalb die Treffer, die das Spiel in die Sechziger-Bahnen lenkten, auch wenn die Gastgeber hier sicherlich auch das notwendige Glück hatten. Einmal, weil Burghausens Torwart Flückiger bei einem durchaus tückischen Freistoß-Aufsetzer von Krätschmer die Kugel ausließ und der eingewechselte Markus Hartl das Spielgerät aus zwei Metern zum Ausgleich über die Linie beförderte. Ein zweites Mal Glück, dass dem unbedrängten Hingerl der Ball im Strafraum an die Hand sprang – der gut positionierte Schiedsrichter Badstübner entschied sofort auf Strafstoß, den Philipp Maier zum 2:1 sicher verwertete. Es war aber das Glück des Tüchtigen, das sich die Sechziger redlich verdienten, weil sie bedeutend mehr ins Spiel investierten. So auch beim 3:1, das Robert Köhler mit einer herrlichen Abnahme markierte, als er vom Sechzehner in den Winkel traf. Die Vorlage war von Räuber gekommen, der sich mal wieder der Offensive widmen konnte, nachdem Matthias Heiß nach seinem Muskelbündelriss vor drei Monaten erstmals wieder ran durfte. „Er gibt uns mental so viel“, freute sich Strobl, dass der Kapitän wieder an Bord ist. In der Schlussphase wurde es noch einmal hektisch, als Martin Holek eine Schlafmützigkeit in der Rosenheimer Defensive zum Anschlusstreffer nutzte. Es gab noch fünf Zitterminuten für die Sechziger, eine vergebene hundertprozentige Konterchance durch Bruno Goncalves, ehe Schluss war. TSV 1860 Rosenheim: Stockenreiter, Köhler, Lenz, Räuber (ab 81. Goncalves), Krätschmer, Mayerl, Denz, Maier, Linner (ab 55. Hartl), Eminoglu (ab 70. Heiß), Einsiedler. SV Wacker Burghausen: Flückiger, Schulz, Hofstetter, Buchner, Janietz, Hingerl (ab 72. Sulmer), Subasic, Wächter, Marinkovic, Duhnke, Omelanowsky (ab 72. Holek). Schiedsrichter: Badstübner (TSV Windsbach). Zuschauer: 550. Tore: 0:1 Marinkovic (3.), 1:1 Hartl (60.), 2:1 Maier (66., Foulelfmeter), 3:1 Köhler (74.), 3:2 Holek (88.). tn