Mühldorf – Mit einer Sternwallfahrt und einem ökumenischen Gottesdienst feierten Protestanten und Katholiken in Mühldorf den Reformationstag. Aufgerufen hatte die evangelische Pfarrerin Susanne Vogt, und es folgten ihr die Mühldorfer katholischen Pfarreien von St. Nikolaus, St. Pius und Mößling, Peter und Paul, St. Laurentius, Mettenheim und der Landeskirchliche Gemeinschaftsverband aus der Oderstraße. Eingeläutet wurde die Sternwallfahrt zum 500. Jahrestag der Reformation um Punkt 15:17 Uhr von den Glocken aller Kirchen. Die 160 Sitzplätze am Salzburger Hochbrunnen, der Endstation der Wallfahrt, reichten nicht einmal für die Hälfte der Teilnehmer. Pfarrerin Susanne Vogt erinnerte an die Reformation von 1517, die die Kirche erneuern sollte, aber leider zu ihrer Spaltung geführt habe. Da der ursprüngliche Grund für Luthers Thesenanschlag – der Ablasshandel – inzwischen weggefallen sei, empfinde sie es als großes Geschenk, dass man jetzt Gottesdienste und andere Feiern zusammen begehen könne. Gemeinsam mit dem katholischen Stadtpfarrer Roland Haimerl erinnerte sie daran, dass alle Christen durch die Taufe von Gott angenommen seien und dass Jesus mit seiner Liebe immer nach Versöhnung gestrebt habe. Zur Vertiefung dieser Erkenntnis spieltenden Dr. Achim Hofmann und Sabine Rückerl am Salzburger Brunnen die Geschichte aus dem Johannesevangelium, in der Jesus einer Samariterin zeigt, dass man zu allen Menschen gut sein. Haimerl nannte in seiner Ansprache Wasser als das verbindendes Element, mit dem die große Christenfamilie getauft ist. Und wie Wasser aus der Quelle fließe, so fließe die frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu den Christen, dass sie Gemeinschaft finden. Die Kernsätze aus der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre vom 31. Okotober 1999 wurden vorgelesen, und der Mühldorfer Stadtplatz hallte jedes Mal wider von dem lauten Bekenntnis „Dank sei Gott“ der mitfeiernden Christen. Mit dem von Haimerl geweihten Brunnenwasser segneten er und Vogt die Gläubigen auf die Stirn. Dem „Vater Unser“ folgte der Segensspruch der beiden Geistlichen, ehe Gesang zum Spiel des Posaunenchors die Feier beendete. Im Saal des Hauses der Begegnung herrschte anschließend Einigkeit darüber, dass die längst offensichtliche Gemeinsamkeit weiter gepflegt werden müsse, denn die eigentlichen Gründe für die damalige Reformation seien ja nicht mehr gegeben. Auf jeden Fall seien alle konfessionenverbindenden Veranstaltungen zu begrüßen. nz