Prien – Wenn es nach Kommunalpolitik und Polizei geht, werden bald uniformierte Bürger an neuralgischen Stellen in Prien nach dem Rechten sehen. Auf Initiative der örtlichen Polizeiinspektion (PI) hat der Marktgemeinderat mit breiter Mehrheit die Bildung einer Sicherheitswacht befürwortet. Die Zahl von Straftaten hat sich in Prien in jüngerer Vergangenheit nicht erhöht, eher im Gegenteil. Trotzdem sind immer mehr Bürger zunehmend verunsichert angesichts der Meldungen und Berichte über Terror und Verbrechen von anderswo. In Prien haben sich heuer Aufsehen erregende Fälle von Vandalismus gehäuft. Unter anderem wurden eine Kirchner-Skulptur und eine Löwen-Statue mit Farbe verunstaltet. Das alles waren Aspekte, die PI-Chef Dieter Bezold und die Vorstandschaft der Sicherheitsgemeinschaft Bürger und Polizei bewogen haben, die Gründung einer Sicherheitswacht anzustoßen. Wie Bezold selbst machte im Marktgemeinderat auch Bürgermeister Jürgen Seifert kein Hehl daraus, dass die Polizei mangels Personal auf Straßen und Plätzen besonders nachts und an Wochenenden nicht so präsent sein könne, wie es auch das Sicherheitsbedürfnis der Bürger wünschenswert erscheinen lasse. Uniformierte Sicherheitswächter sollen das ändern. Geeignete Personen zu finden, zu motivieren und auszubilden ist nun Aufgabe der PI. „Wir brauchen keine Blockwarte, Rambos oder Sheriffs“, stellte Robert Maurer von der PI Rosenheim klar. In der 60 000-Einwohner-Stadt habe man seit Mitte der 1990er Jahre gute Erfahrungen mit einer Sicherheitswacht, die zwischenzeitlich auch mal ein paar Jahre pausiert habe mangels geeigneten Freiwilligen. Seit 2010 sind die Sicherheitswächter in Zweier-Teams wieder im Schnitt 20 Stunden im Monat für eine Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde in Rosenheim unterwegs. Auch andernorts wird zurzeit solcherlei Unterstützung für die Polizei akquiriert, seit knapp drei Monaten zum Beispiel in Traunstein (wir berichteten). Wie buchstäblich lebenswichtig Sicherheitswächter in Zeiten ausgeprägter Wegschau-Mentalität sein können, schilderte Maurer beispielhaft an einem Fall aus Rosenheim. Dort fanden Sicherheitswächter, die immer per Funk mit der Polizei verbunden sind, eine 13-Jährige, die wegen Suizidgefahr gesucht wurde, weinend im Riedergarten. Andere Passanten hatten das Mädchen nicht beachtet. Maurer und Bezold betonten unisono, dass Sicherheitswächter die Polizei unterstützen, aber kein Ersatz für die Ordnungshüter seien, zum Beispiel deren Hilfe per Funk anfordern sollen, wenn körperliche Auseinandersetzungen möglich erscheinen. Die Sicherheitswächter sollen vornehmlich Vandalismus, Straßenkriminalität und Ruhestörungen bekämpfen. Sie sind durch Uniformen und Dienstausweise erkennbar. Sie dürfen insbesondere Personalien aufnehmen, aber auch Platzverweise aussprechen. Bewaffnet werden sie nicht. Interessenten sollten zwischen 18 und 60 Jahre und gesund sein, außerdem eine abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung haben. Gegen die Einführung einer Sicherheitswacht in Prien stimmten Christoph Bach und Werner Waap (beide BfP), unter anderem, weil sie ein Klima der Verdächtigungen fürchten und lieber die Zivilcourage der Bürger gestärkt wissen wollen. Seifert hielt dem entgegen, dass man das eine ja tun könne, ohne das andere zu lassen. Nun ist es an der PI, geeignete Kandidaten zu finden. db