Mühldorf – Es ist zehn Jahre her, dass mit der Gründung des Herzkatheter-Labors das Krankenhaus Mühldorf einen wichtigen Schritt zur Modernisierung getan hat. Heute ist es ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Herzärzten. 24 Stunden am Tag, am Wochenende und feiertags steht Herzkranken das Katheterlabor zur Verfügung, etwa 900 Menschen werden dort im Jahr untersucht. Das erzählt Klinik-Chefarzt Dr. Hans-Ulrich Kain, auf dessen Initiative das Labor im Mühldorfer Krankenhaus vor zehn Jahren gegründet wurde. „Wir können damit eine gute Versorgung anbieten, wir sind gut im Training“, sagt er. Für ihn ist das Labor wichtiges Element einer umfassenden und schnellen Gesundheitsversorgung im Landkreis. Oder, anders ausgedrückt: „Mühldorfer Patienten sollen in Mühldorf behandelt werden.“ Das gilt natürlich vor allem für Notfälle, für Herzinfarkte oder andere Herzbeschwerden, die schnelles Eingreifen nötig machen. Das gilt aber auch für die Patienten, die wegen Herzschwächen eine Katheteruntersuchung brauchen. Allein, das gibt Kain zu, wäre das Krankenhaus nicht in der Lage, das Labor zu betreiben. Es braucht die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Herzärzten. Deshalb arbeiten Ärzte aus der Mühldorfer Kardiologen-Praxis „Herznah“ zusammen mit Kain im Labor, Praxisinhaber Dr. Martin Prohaska leitet das Herzkatheterlabor sogar. Dazu kommen fünf Pflegemitarbeiterinnen. Neben dem Tagdienst stellen Ärzte und Schwestern so auch die Bereitschaftszeiten sicher. Laut Kain ist der Herzkatheter das wichtigste Element der nicht chirurgischen Behandlung des Herzens: Arterien werden aufgeweitet, sogenannte Stents gesetzt, also Gefäßstützen, die aus kleinen Röhrchen bestehen und in ein Gefäß eingesetzt werden, um es offen zu halten; das Herz wird bei Beschwerden untersucht oder Herzklappen überprüft. „Es ist ein sehr gut auszuhaltender Eingriff“ betont Kain, „als Standartmethode so abgesichert, dass es als sicheres Verfahren bezeichnet werden muss“ (Siehe: So funktioniert ein Herzkatheter) Damit will der Chefarzt Menschen die Angst vor Komplikationen nehmen, die „sehr, sehr selten vorkommen“. Auf der anderen Seite kann eine Aufweitung verstopfter Gefäße sofort zu massiven Besserungen führen: „Es ist nach wie vor das schönste Erlebnis, wenn ein Patient sofort nach der Aufweitung reagiert und spürt, wie es wieder leichter wird.“ Die Zahl der Untersuchungen im Labor nimmt mit dem wachsenden Alter der Patienten tendenziell zu, auch wenn es zwischen zehn und 20 Prozent weniger Herzinfarkte gibt. „Der Rückgang der Raucher führt spürbar zum Rückgang der Infarkte.“ Nicht nur für niedergelassene Ärtze und Patienten, auch für das Krankenhaus hat der Herzkatheter eine große Bedeutung, weil die Klinik damit ein weites Spektrum im Bereich der Kardiologie anbieten kann. „Es war auch eine sehr gute und strategisch wichtige Entscheidung.“ Denn Untersuchungen mit dem Katheter würden noch immer „ausreichend vergütet“ und trügen so dazu bei, dass sich das Krankenhaus trägt. Trotzdem wollen die Ärzte die Einrichtung nicht ausnutzen. „Wir wollen eine vernünftige Indikationsstellung und nicht um jeden Preis kathetern, den Patienten nicht über den Tisch ziehen.“ Diese Verantwortung betont Kain auch gegenüber niedergelassenen Ärzten, die ihre Patienten ins Krankenhaus oder die kardiologische Praxis Prohaska-Schulte schicken. Wichtigstes Werbemittel sei die Patientenzufriedenheit. hon