Wasserburg – „Aus oberbayerischer Sicht ist die Sparkasse Wasserburg jetzt international und multikulti besetzt“, lachte der Schwabe Peter Schwertberger, als er seinen neuen Vorstandskollegen, den Franken Mischa Schubert, begrüßte. Der Dillinger und der Bamberger sind sich in einem sehr einig: Sie wollen die Sparkasse Wasserburg selbstständig halten. Was nicht nur den oberbayerischen Verwaltungsratsvorsitzenden, den Wasserburger Michael Kölbl, freut. „Was sind in diesem Saal für wichtige Entscheidungen in meinem Berufsleben gefallen“, gönnte sich Peter Schwertberger einen kurzen nostalgischen Moment. Die erste dieser wichtigen Entscheidungen fiel vor gut 17 Jahren, beim Bewerbungsgespräch als Mitglied des Vorstandes. Die vorerst letzte vor einigen Monaten, als der Verwaltungsrat der Sparkasse beschloss, dass Schwertberger Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Wasserburg werden sollte. Gestern, an seine, 60. Geburtstag, war es dann so weit, trat Schwertberger ganz offiziell die Nachfolge Richard Steinbichlers an. „Es war für den begeisterten Schwaben Peter Schwertberger wohl gar nicht so einfach, nach Oberbayern zu ziehen“, vermutete der Verwaltungsratsvorsitzende Michael Kölbl. Dass der damalige Bürgermeister Dr. Martin Geiger als württemberger Schwabe einen ähnlichen Dialekt hatte, könnte die berufliche Eingewöhnung erleichtert haben, meinte Kölbl schmunzelnd. Er charakterisierte Schwertberger als analytisch denkenden, tiefgründigen, sehr aufmerksamen, fast schon detailverliebten Menschen, der – für einen begeisterten Sportler typisch – zudem zielstrebig und ausdauernd sei, gewöhnt, die volle Leistung abzurufen. „Peter Schwertberger ratscht gerne, scheut aber auch harte Gespräche, in denen es knirscht, nicht. Und er ist nicht nachtragend. Perfekte Voraussetzungen für den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse“, so Kölbl. Sie hätten eines gemeinsam, so der Bürgermeister zum Vorstandsvorsitzenden: die jeweiligen Vorgänger hätten große Fußstapfen hinterlassen. „Da hilft nur eines: Den eigenen Weg gehen.“ Seit der Entscheidung für Mischa Schubert als neues Vorstandsmitglied und Kreditvorstand der Sparkasse habe er auf entsprechenden Tagungen und Treffen immer wieder zu hören bekommen „Da kriagt’s an Guadn“ verriet Kölbl. Schubert hat bei der Sparkasse Bamberg gelernt, dann studiert und nach diversen Stationen – unter anderem Landesbank und bayerische Treuhandgesellschaft – kehrte er 2002 zur Sparkasse zurück, erst nach Rosenheim, dann als Vorstandsmitglied nach Erding. Er habe erfahren, verriet Kölbl, dass Schubert Brauereiführungen liebe. Mit einer Brauerei könne Wasserburg zwar nicht mehr dienen, aber mit den Bierkatakomben, „die zeigt Ihnen mein dritter Bürgermeister bei einer persönlichen Führung gerne – und hinterher gibt’s eine Brotzeit und ein Bier.“ Er habe das Gefühl, so Kölbl, dass sich der Kopfmensch Schwertberger und der Bauchmensch Schubert gut ergänzen. Ein Gefühl, das Schwertberger teilt: Er freue sich riesig auf die Zusammenarbeit, Mischa Schubert sei sein Wunschkandidat gewesen. Dieser Wunschkandidat sorgte dann für Erheiterung im vollen Sparkassensaal, als er zunächst die Gegensätze zu Schwertberger auflistete. Ob da ein Dauerstreit zu befürchten sei? Nein, dazu gebe es zu viele Gemeinsamkeiten. Beide seien sie ehrlich, bodenständig, direkt, nicht nachtragend, dem Sparkassengedanken verbunden „und wir nehmen uns selbst weniger wichtig als unsere Mitarbeiter.“ Er freue sich darauf, die Sparkasse in dieser tollen Stadt weiterzuentwickeln. „Ich habe, wie Du, Peter, den Ehrgeiz, die Sparkasse Wasserburg selbstständig zu erhalten.“ Denn das hatte schon Schwertberger als Ziel ausgegeben: Dass die Sparkasse Wasserburg ihr 200-jähriges Bestehen 2026 als eigenständige Sparkasse feiert. Was für eine der kleinsten Sparkassen Bayerns nicht selbstverständlich ist. Aber die Sparkasse Wasserburg sei gut gerüstet, so Schwertberger, zumal sie eine der eigenkapitalstärksten Sparkassen Bayerns sei. Und zu den Top fünf im Wertpapiergeschäft gehöre, wie Thomas Bärtl vom Verbundpartner Deka anmerkte. „Wir müssen nur tun, was die letzten 191 Jahre schon getan wurde: Uns auf neue Gegebenheiten gut einstellen“, so Schwertberger. Da sei das Personal mit an Bord, versicherte der Personalratsvorsitzende Markus Keller: „Wir sind zu den Veränderungen bereit, denen sich unsere kleine, feine Sparkasse in den nächsten Jahren stellen muss.“ Das Personal freue sich auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, denn der geschäftliche Erfolg hänge ja nicht nur von der Zufriedenheit der Kunden ab, sondern auch von der der Mitarbeiter. „Wir begrüßen Sie in unserer Sparkassenfamilie, unserem kleinen gallischen Dorf.“ „Ja, ja, ich weiß ja, dass ich hier in einer Stadt bin, die sehr, sehr lokalpatriotisch ist“, meinte Landrat Wolfgang Berthaler amüsiert und versicherte, dass keiner die Sparkasse Wasserburg mit irgendwem fusionieren wolle, „ich bin sehr zufrieden mit den beiden Sparkassen in meinem Landkreis.“