Wirtschaft

Umwelt verschmutzt, Fahrer bestraft

von Redaktion

Rosenheim / Kufstein – Der vierte und der 27. Oktober sowie der 2. November waren schwarze Tage für Oberbayerns Transportunternehmen und nicht nur für sie. Blockabfertigungen auf österreichischer Seite nach den Feiertagen (wir berichteten) sorgten für kilometerlange Staus auf der Inntalautobahn A93 und der A 8 München Richtung Salzburg. Lkw mussten stundenlang auf ihre Weiterfahrt warten. So wurden ab fünf Uhr morgens je nach Verkehrslage am Grenzübergang bei Kiefersfelden teilweise nur 250 bis 300 Lkw pro Stunde durchgelassen. Was als Pilotprojekt des Bundeslands Tirol geplant war, treib den Spediteuren und Transportunternehmen auf bayerischer Seite die Sorgenfalten auf die Stirn. Markus Grüner, Geschäftsführer der ATO internationale Spedition GmbH aus Rosenheim, schickt seine Lkw vor allem Richtung Italien. „Die Blockabfertigungen bedeuten für uns einen enormen Zeitverlust, dadurch entstehen Umsatzeinbußen und Probleme bei der Tourenplanung“, kritisiert er. Aus seiner Sicht brächten diese Blockabfertigungen „rein gar nichts“: „Sie belasten nur die Umwelt noch weiter und führen zu noch höheren Mauteinnahmen in Österreich.“ Gründer vermutet sogar, dass dies einer der Gründe für die ganze Aktion sein könnte. „Künftig werden unsere Lkw vor Beginn der Blockabfertigung losfahren, was nur mit Fahrzeugen der Euro 6 Norm möglich ist.“ Das bedeute für die Spedition höhere Mautkosten, die sie selbst tragen muss. „ Wir sind davon überzeugt, dass Branchenverbände und Politik etwas ausrichten können und hoffen, dass dadurch diese unsinnigen Blockabfertigungen künftig abgewendet werden können.“ Während man beim Transport- und Logistikunternehmen BTK den 2. November als „weniger dramatisch“ wahrgenommen hat, erzählt Josef Heiß aus der Geschäftsführung, dass man 4. und am 27. Oktober die festsitzenden Lkw-Fahrer aus der Stauzone herausgeholt und für eine Verschnaufpause in die Zentrale gebracht habe. Die Fahrer sind nach Heiß´ Ansicht nach den Unternehmen selbst die Leidtragenden der Geschichte und schildert an einem Beispiel aus der Praxis, warum diese „doppelt bestraft“ seien: „Viele Kunden wollen Freitagmittag schon schließen und freuen sich nicht gerade, wenn Mitarbeiter länger auf den Lkw warten müssen.“ Käme dann endlich der Fahrer verspätet Freitagnachmittag an, könne er noch so sehr unter Hochdruck entladen – oft treffe ihn das gesetzlich vorgegebene Fahrlimit. „Sie dürfen dann beispielsweise am Freitagabend nicht mehr nach Hause fahren. Für jemanden, der eigentlich in zwei Stunden daheim bei seiner Familie wäre, ist das besonders ärgerlich.“ Übernachtet werde dann wohl oder übel in der Fahrerkabine. Wirtschaft in beiden Ländern wird in Mitleidenschaft gezogen Beanstanden oder gar Schadensanspruch stellen wegen verspäteter oder ausgefallener Warenlieferungen und deren Folgen könne übrigens niemand irgendwo – es gelte „Höhere Gewalt“. Wirtschaftlich spürt man auch bei der BTK die Auswirkungen der Blockabfertigungen, vor allem bei den Nahverkehrslieferungen nach Kufstein oder Wörgl, wie Heiß beschreibt: „Bei diesen Touren sind normalerweise pro Tag fünf bis sieben Umläufe möglich. Während der Blockabfertigung nur noch zwei.“ Auf zehn bis 15 Prozent zusätzliche Kosten schätzt Heiß den bisher entstandenen finanziellen Schaden.. Sollten die Blockabfertigungen in Zukunft zur Regelmäßigkeit werden, müsste man dieses Risiko mit in die eigene Kalkulation aufnehmen – auf Sicht könnten dann die Preise auf Kunden- und damit auf Verbraucherseite steigen: „Jede Stunde Verzögerung kostet Geld.“ Eine Stunde, die für die Fahrer vieles entscheidet Heiß findet, dass sich die Tiroler zum Teil selbst schaden, denn be- und entladen würde ja in beiden Ländern – „Es ist trifft die österreichische Wirtschaft wie die bayerische.“ Beim international tätigen Transporteur Göschl aus Rohrdorf hört man dagegen kaum Klagen wegen der Blockabfertigungen. Hier ist man der Meinung:. „Alles ist eine Frage der Organisation.“ Über den Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT) sei man vorgewarnt gewesen und habe beispielsweise die eine, wertvolle Stunde ausgenutzt, welche an Feiertagen zwischen 22 und 23 Uhr das deutsche Fahrverbot für Lkw vom österreichischen trennt, wie Disponent Maximiliano Schmidt verrät: „Wir liegen grenznah, also haben wir unsere Lkw um 22 Uhr losgeschickt, damit sie vor 23 Uhr in Tirol ankommen. Ab fünf Uhr morgens sind sie dann dort weitergefahren.“

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