Wasserburg – Premiere von „Glaube Liebe Hoffnung“ am Theater Wasserburg. „Glaube Liebe Hoffnung“ zählt zu den bedeutendsten Werken Ödön von Horváths. Das Theater Wasserburg begeisterte jetzt mit einer ideenreichen und angenehm gestrafften Inszenierung, in der die tief greifende Melancholie der unteren Gesellschaftsschicht in den 1930er Jahren verdeutlicht wurde. 1932 schrieb Ödön von Horváth gemeinsam mit dem Münchner Lokalreporter Wilhelm Lukas Kristl sein neuntes Drama „Glaube Liebe Hoffnung“, in dem die drei göttlichen Tugenden auf die bittere Realität der damaligen Zeit treffen. „Wie in allen meinen Stücken versuchte ich auch diesmal, möglichst rücksichtslos gegen Dummheit und Lüge zu sein“, beschrieb Horváth seinen „Kleinen Totentanz in fünf Bildern“. Darin werden Kapitalismus, Kleinbürgertum und Scheinmoral in einer seelenlosen Industriegesellschaft angeprangert. Die Weimarer Republik ist am Ende; die Folgen von Rezession und Arbeitslosigkeit sind am Vorabend des Nationalsozialismus allgegenwärtig. Auch die junge Elisabeth kämpft um ihre soziale und materielle Existenz. Die Miederwarenvertreterin braucht dringend Geld für einen neuen Wandergewerbeschein. In ihrer Not hofft sie, ihren Leichnam schon zu Lebzeiten dem Anatomischen Institut verkaufen zu können. Einer der Präparatoren leiht ihr dann die Summe. Elisabeth muss damit jedoch eine Geldstrafe begleichen. Sie wird wegen Betruges wieder angezeigt und zu 14 Tagen Haft verurteilt. Als sich später ein junger Polizist in Elisabeth verliebt, scheint ihr Leben wieder in Ordnung zu kommen. Doch die Vergangenheit holt beide ein. Aus Angst um seine Karriere lässt er die Geliebte sitzen. Von ihrem Glauben, von ihrer Liebe und ihrer Hoffnung jetzt endgültig verlassen, ertränkt sich Elisabeth. Nik Mayr inszenierte das bewegende und gelegentlich auch komische Gesellschaftsdrama düster und atmosphärisch dicht. Frank Piotraschke, Susan Hecker, Hilmar Henjes und Clara Liepsch spielten auf dunkler Bühne in einem teils käfigartigen Oktagon aus Glas und Stahl. Lediglich verwelktes Herbstlaub und weiße, abgestorbene Äste setzten etwas Kontrast. Schauspiel und Regie verstanden es auch, bei halbierter Rollenanzahl kontinuierlich zu fesseln. Da war die Hauptperson Elisabeth, die sich zwischen naiver Fröhlichkeit und Verzweiflung eine Existenz aufbauen wollte, grandios dargestellt von Clara Liepsch. Statt der erhofften Unterstützung schlug ihr jedoch nur Misstrauen entgegen. So wandelte sich die starke, optimistische Frau in eine zerbrechliche Person, die zuletzt vom Leben zutiefst enttäuscht den Freitod sucht. Die Konflikte, mit denen Elisabeth zu kämpfen hatte, haben durchaus Gegenwartsbezug: Entwurzelung, soziale Kälte und Existenzverlust. Ordnung in Elisabeths Leben hätte eigentlich der verliebte Schutzpolizist Alfons Klostermeyer bringen können. Doch der ordnete obrigkeitshörig die Liebe der Pflicht unter. Schicksalsweisend für den Ausgang des Dramas waren auch die Präparatoren des anatomischen Instituts in ihrer seelenlosen Welt der Leichen. Eine Reihe weiterer Personen komplettierte den illustren Reigen: Ein Baron, dem die Frau verstarb, Irene Prantl, Eigentümerin der Korsettfirma, ein Kriminaler und Vorgesetzter des Polizisten, der Elisabeth verstoßen hatte. Sie alle kamen durch Frank Piotraschke, Susan Hecker und Hilmar Henjes zu Wort. Jede einzelne Figur war überzeugend, Charaktere, die zwischen Gutherzigkeit, Gehässigkeit und menschlicher Kälte changierten und Mitverantwortung für Elisabeths tragisches Schicksal trugen.