Wasserburg – Brisante Nachricht in der Bürgerversammlung: Die Gewerbesteuer bricht massiv ein. Statt der angesetzten zehn Millionen wird es wohl nicht einmal die Hälfte. Es war eine rasante Talfahrt, die auch die Stadtverwaltung kalt erwischte. Ein dramatischer Einbruch bei der Gewerbesteuer war die große Nachricht der Wasserburger Bürgerversammlung in der Altstadt. „Wir werden wahrscheinlich nicht mal mehr fünf Millionen erreichen“, sagte Bürgermeister Michael Kölbl. Das wäre die niedrigste Gewerbesteuerlage seit 20 Jahren. Diese „Hiobsbotschaft“ sei erst in den vergangenen Tagen eingetroffen. Um den Ansatz für das Haushaltsjahr zu finden, werden die Unternehmen Anfang des Jahres abgefragt. Dabei ließ sich eine derartige Situation nicht erkennen. Auch bei der „Halbjahresbilanz“ des Stadtkämmerers war noch nichts in Sicht. Nun ergebe sich eine „extrem schwierige Haushaltslage quasi über Nacht“, so der Bürgermeister. Grund seien „Sondereffekte“ bei Wasserburger Betrieben, zu denen sich Kölbl aus steuerrechtlichen Gründen nicht näher äußern konnte. Man hoffe aber, dass es sich um eine begrenzte Situation handle und sich die Marktlage wieder bessere. Nun komme es dem Stadthaushalt zu Gute, dass man in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet habe und über Rücklagen von über zehn Millionen Euro verfüge. Zunächst sei aber Sparen angesagt. Das andere große Thema der Bürgerversammlung, das auch in der anschließenden Diskussion zur Sprache kam, waren die geplanten Parkgebühren für die Wasserburger Parkhäuser und den Parkplatz „Unter der Rampe“. Dort werden nun Kosten von 1,50 Euro pro Tag beziehungsweise 20 Euro für die Monatskarte und 200 Euro für die Jahreskarte fällig. Gebührenfrei bleibt das Parken bis zu vier Stunden sowie Montag bis Freitag zwischen 17.30 und 9 Uhr am darauffolgenden Morgen und Samstag nach 14 Uhr. „Im Vergleich zu anderen Parkhäusern sind die Gebühren moderat“, meinte der Bürgermeister. Das sahen einige Bürger anders. 200 Euro im Jahr seien gerade für junge Leute viel Geld, so ein Kritikpunkt. Und warum es keinen Parkausweis für Anwohner gebe. Hier skizzierte Bürgermeister Kölbl ein unerwünschtes Szenario: Dann könnte jemand mit eigener Garage sein Auto umsonst in das Parkhaus stellten und die eigene Garage teuer vermieten. Das habe man vermeiden wollen. „Wir möchten an den Parkgebühren nichts verdienen“, machte Kölbl deutlich. Man wolle nur einen Anteil der laufenden Betriebskosten der Parkhäuser decken. Problematisch für die Bürger ist auch die Parksituation auf der Burg. „Wenn meine Tochter meine Enkelin bei mir abholt, sammelt sie immer Strafzettel“, so eine Anwohnerin. Den Unmut konnte Kölbl verstehen. Man habe sich darum bemüht, den Parkplatz des Vermessungsamtes nutzen zu können, erklärte er. Immerhin stehe der nachts leer. Dass man sich mit der zuständigen Stelle, dem Freistaat Bayern, nicht einigen konnte, findet er „sehr schade“. Auch in der Diskussion angesprochen wurde die Sanierung der Stadtmauer. Ein Bürger äußerte seine Befürchtungen, das historische Element der Stadt werde durch das dort wachsende Efeu massiv beschädigt. Das Problem: Die Stadtmauer ist ein Baudenkmal, doch das Efeu ist als Naturdenkmal deklariert. Daher müsse man stets mit der Naturschutzbehörde verhandeln, inwieweit es zurückgeschnitten werden darf. „Für mich persönlich geht das Baudenkmal vor“, sagte Kölbl. Die Stadtmauer müsse unbedingt erhalten werden. Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann bezeichnete die Stadtmauer als „großes Sorgenkind“. Man habe die Problematik unter dem Bewuchs nicht erkannt, denn das Efeu sei schon lange Jahre als Naturdenkmal geschützt. Erst bei kürzlich vorgenommenen Sicherungsmaßnahmen, bei denen das Efeu etwas zurückgeschnitten werden durfte, sei einem „der Salat vor die Füße gefallen“. Rund ein Meter der oberen Mauerkrone sei lose gewesen und musste abgenommen werden. Nun werde man über den Winter ein Sanierungskonzept erstellen.