Mangfalltal

„Hochhaus“ bewegt Gemüter

von Redaktion

Bad Aibling – Nach anfänglich eher verhaltener und nur in Teilen spürbarer Skepsis nimmt die Diskussion um die Höhe des geplanten mehrstöckigen Gebäudes auf dem Ludwigsbad-Areal nun offenbar doch Fahrt auf. „Maximal sieben bis acht anstatt elf Stockwerke“ lautete der überwiegende Tenor in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Zwar betonten alle Redner – auch die „Hochhaus“-Kritiker -, dass die Bebauung des Areals unstrittig sei und die (unter anderem auch in der jüngsten Bürgerversammlung vorgestellte) Planung dazu grundsätzlich begrüßt werde. Doch schlossen sich zahlreiche Ausschussmitglieder der Aussage von Thomas Höllmüller (CSU) an, dass die Höhe des elfstöckigen Hauses – wahlweise als Hochhaus, Turm oder „nettes höheres Bauwerk“ bezeichnet – Probleme bereite. Dieses Gebäude füge sich keinesfalls in die Umgebung ein. Das höchste Gebäude dort sei das Haus Wittelsbach mit sechs Stockwerken. „Von daher könnte ich mir das Gebäude auf dem Ludwigsbad-Gelände mit sieben Stockwerken vorstellen, aber nicht mit mehr“, so Höllmüller. Rudolf Hofschneider (SPD) räumte ein, selbst zunächst für das geplante hohe Gebäude gewesen zu sein. Er fand aber, man müsse hier auch auf die Bürger hören. Seinen Erfahrungen nach seien die wenigsten mit den elf Stockwerken und einer Höhe von über 30 Metern einverstanden. Zudem gab er zu bedenken, dass ab einer gewissen Höhe besondere Brandschutzbedingungen gälten. Als städtebaulich nicht vertretbar bezeichnete Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) das Bauwerk und wehrte sich zugleich gegen Stimmen, die sagen, es handle sich hier um kein Hochhaus: „In einer Stadt wie München, Frankfurt oder Berlin ist es das vielleicht nicht. Aber in einer Stadt wie Bad Aibling durchaus.“ Zudem vermisste sie Angaben zu dem angekündigten „neuen Nutzungskonzept“. Ihrer Meinung, dass das, was bisher vorliege, sehr vage sei, stimmte Bürgermeister Felix Schwaller zwar zu. Er gab aber auch zu bedenken, dass sich ein Nutzungskonzept erst während der eigentlichen Planung entwickeln könne. Mehrheitlich störte sich das Gremium letztlich an dem Passus im Beschlussvorschlag (zur Empfehlung an den Stadtrat), dass ein Bebauungsplan auf Grundlage der im Stadtrat und in der Bürgerversammlung präsentierten Planung aufgestellt werden sollte – da eben diese Planung die monierte Gebäudehöhe beinhalte. „Wir wollen hier keinen Freibrief geben, sondern bis zum Schluss mitreden können, wie die Bebauung aussehen soll“, so der Tenor. Richard Lechner (SPD) fühlte sich an die jüngste Debatte über den Architektenwettbewerb zum Projekt „Lichtspielhaus“ erinnert. „Will man erst planen lassen und dann Nein dazu sagen, oder von Anfang an vorgeben, wie wir uns das Ganze vorstellen, damit die Planer das dann gleich mit aufgreifen können?“ Seiner Meinung nach käme das Gebäude bei elf Stockwerken auf 35 Meter, wenn es ein Flachdach erhält, oder – „was aber sicher nicht kommen wird“ – auf 38 Meter mit einem Satteldach. Lechner vermutete zudem eine Tendenz bei Planern, elf Stockwerke in einen Entwurf einzuzeichnen – „in der Erwartung, dass dann im Laufe der Beratungen auf acht Stockwerke reduziert wird. Dann sollten wir gleich acht vorgeben.“ Er fügte noch hinzu: „Man könnte darüber reden, wenn hier bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden würde“. Dazu merkte auch Höllmüller an: „Ohne das Thema Klassenkampf ins Feld führen zu wollen – wir brauchen Wohnraum und hier entsteht sicher nichts für den durchschnittlich gefüllten Geldbeutel.“ Dieter Bräunlich (ÜWG) erinnerte daran, dass es vor Jahren sogar in der Großstadt München ein Bürgerbegehren zum Thema Hochhäuser gegeben habe – mit der Folge einer klaren Höhenbegrenzung für Wohn- und Bürogebäude, damit die Silhouette der Altstadt nicht beeinträchtigt wird. Aus seinen Gesprächen mit der Bevölkerung zog er den Schluss: „80 bis 90 Prozent fragen: ,Seid Ihr denn größenwahnsinnig geworden?´“ Seine Forderung: „Der Turm darf aus der Ferne nicht sichtbar sein und muss unter der Baumwipfelgrenze liegen.“ „Es stimmt nicht, dass ganz Bad Aibling wegen dieses Gebäudes auf dem Kopf steht“, hielt Heidi Benda (GOL) dagegen. Sie merkte zwar an, „nicht unglücklich“ zu sein, wenn die Höhe reduziert wird, fürchtete jedoch, dass dann der „Charme der Planung verloren geht“. Zum einen betonte sie, dass angesichts der hohen Grundstückspreise in Zukunft einfach mehr in die Höhe gebaut werde. Zum anderen liege das Areal viel zu lange schon brach. Es sei unumgänglich, dass der Stadtrat bei der Bebauung mitredet, betonte sie. Zugleich erinnerte sie daran, dass sich der Investor auch schon durch andere Bauprojekte ausgewiesen habe und man diesen nicht zu sehr einengen sollte. Auch Schwaller gab zu bedenken, dass dafür der Park nicht angetastet werde, wenn in die Höhe gebaut werde. Nachdem auch immer wieder die Baumhöhe im Gespräch ist, über die das Gebäude laut Planung ragen soll, erkundigte sich Johann Schweiger (CSU) nach deren tatsächlichen Höhe. Seiner Meinung nach sind die betreffenden Laubbäume zwischen 23 und 25 Meter hoch. Er ging deshalb von acht Stockwerken aus. „Und damit kann ich leben. Aber nicht mit drei weiteren.“ Dem schloss sich auch Kirsten Hieble-Fritz weitgehend an, allerdings mit einer Begrenzung auf sieben Stockwerke. Sie wollte diese Höhe jedoch nicht „in Stein gemeißelt“ sehen. „Es ist eine Tendenz, aber nicht gleichbedeutend mit einem Einverständnis.“ Dem Bürgermeister, der am heutigen Donnerstag Gespräche mit der Investorenseite führt, gab der Bauausschuss mit auf den Weg, dass die Planung grundsätzlich gefällt, man jedoch eine Reduzierung der Höhenentwicklung auf ein vertretbares Maß wünsche.

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