Sorge um das Bahnhofsviertel

von Redaktion

Anlieger fordern rigideres Vorgehen gegen Gewalt, Alkoholismus und Bettelbanden

München – Die Anlieger am Münchner Hauptbahnhof verlangen ein entschiedeneres Vorgehen gegen Prostitution, Gewalt, Drogenmissbrauch und organisierte Bettelei im Viertel. „Die ersten Bewohner sind derartig frustriert, dass sie sogar einen Wegzug planen“, warnt der „Verein südliches Bahnhofsviertel“. Statt eine Ausschuss zum Thema einzusetzen, müssten die bereits diskutierten Ansätze „konsequent umgesetzt werden“, verlangte der Vereinsvorsitzende Fritz Wickenhäuser.

Die Münchner SPD-Fraktion hatte diese Woche ein Antragspaket vorgelegt, um die Lage am Hauptbahnhof zu verbessern. Teil des Konzepts ist ein Trink-raum, in dem Alkoholkranke unter Betreuung untergebracht werden und Hilfsangebote bekommen. Ein Nebeneffekt eines Trinkraums könnte sein, dass Passanten seltener belästigt werden. Platzverweise lösten das Problem nicht, sondern verlagerten es lediglich, argumentiert die SPD. Sie regt zudem ein neues Beleuchtungskonzept, mehr Grün und häufigere Reinigungsintervalle an. Die Fraktion forderte die Einsetzung eines Arbeitskreises aus Stadträten, Verwaltung, Polizei, Bahn, sozialen Trägern und Hoteliers.

In der Grundrichtung trägt der Anwohner-Verein die Ideen mit, verlangt aber mehr Tempo und einen Fokus auch auf „Belastungen durch Wettbüros, bandenmäßige Bettelei, wildes Campieren“. Die Zeit dränge, macht Wickenhäuser deutlich. „Bewohner, Hotelgäste, Besucher, hier arbeitende Menschen berichten zunehmend von einem sehr negativ wahrgenommenen Erscheinungsbild des Viertels.“ Immerhin sei der Bahnhofsbereich für viele Besucher der erste Eindruck der Landeshauptstadt, eine „Visitenkarte Münchens“. Das sei inzwischen leider eine „Problemzone“.

Die Münchner CSU setzt vor allem auf den ordnungspolitischen Aspekt. „Sozialarbeit ist vielleicht eine nette Ergänzung, aber wir müssen vor allem die kriminellen Aktivitäten bekämpfen“, sagt Fraktionschef Manuel Pretzl: „Aus unserer Sicht brauchen wir eine noch stärkere Polizeipräsenz.“  mm

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