Soyen – Die Baumfällaktion am Bahnhof in Soyen stand im Mittelpunkt der Sitzung des Gemeinderates. Bürgermeister Karl Fischberger versuchte, die Wogen zu glätten. Man könne das Geschehene nicht rückgängig machen, jetzt gelte es, nach vorne zuschauen. Kurz nach Allerheiligen hatte der Besitzer des Bahnhofsgrundstückes in Soyen mehrere Bäume auf seinem privaten Grund fällen lassen. Einige Bürgerinnen und Bürger hatten sich daraufhin zu einer spontanen Mahnwache vor Ort verabredet (wie berichtet). „Das ist Privatgelände, da haben wir keine Handhabe“, hatte Bürgermeister Fischberger dazu erklärt. Der Grundstücksbesitzer hatte beteuert, dass es sich bei der Baumfällaktion um „keine böse Absicht“ handele, vielmehr sei die Verkehrssicherungspflicht der Grund gewesen, es habe Ärger mit der Versicherung gedroht. „Die Sicherheit der Bahnreisenden muss gewährleistet sein, das ist natürlich so“, pflichtet Fischberger bei. Auch die Bahn habe aus diesem Grund in der Vergangenheit schon Fällarbeiten vorgenommen. „Von Soyen bis zur Königswarter Brücke steht fast kein einziger Baum mehr“. Und dennoch: „Ich bin nicht glücklich darüber, wie die Hauruck-Aktion am Bahnhof abgelaufen ist. Aber es hilft nichts, die Bäume sind weg und jetzt müssen wir nach vorne schauen“. Gerüchte, Bürger hätten in Erwägung gezogen, eine Baumschutzverordnung bei der Gemeinde anzuregen, um die Fällung der Bäume zu verhindern, wies Bürgermeister Fischberger im Rahmen der Gemeinderatssitzung zurück. „Das war nie geplant oder angeregt worden“. Das war nicht der einzige Vorwurf, mit dem sich der Bürgermeister auseinanderzusetzen hatte. Die Gemeinde hätte es verschlafen, sich ein Vorkaufsrecht zu sichern. „Wir haben kein Vorkaufsrecht für irgendwelche Flächen im Ort“, stellte Fischberger dazu fest. „Noch einmal: Das ist Privatbesitz, da können weder wir noch die Naturschutzbehörde etwas machen“. Doch wie geht es weiter? Wie der Bürgermeister gestern gegenüber der Wasserburger Zeitung mitteilte, habe am Montag ein Gespräch mit dem Bahnhofsbesitzer, dem Bauunternehmer Jürgen Hinmüller, stattgefunden. „Wir liegen nicht mit ihm im Clinch“, bemerkte Fischberger. Vielmehr müsse man auch in Zukunft sachlich zusammenarbeiten, beispielsweise dann, wenn eine Baugenehmigung vorliege, denn das umliegende Gelände gehört der Gemeinde. „Aktuell liegt die Bauvoranfrage beim Landratsamt“, erklärte er. Es sei davon auszugehen, dass ein Abriss und der Neubau des Gebäudes genehmigt werden. „Denn der Bahnhof steht nicht unter Denkmalschutz, er ist nicht mehr im Originalzustand“, erklärte Fischberger. Das Gebäude war ursprünglich als Ziegelbau angelegt. Später verputzte ihn die Bahn. Hinzu kamen Simse und eine Einfassung der Uhr und des Namenzugs an der Bahngleisseite. Dies wurde erst nach dem Krieg rückgebaut; zudem einige Fenster zugemauert und das Haus glatt verputzt. Fischberger präsentierte im Gemeinderat Fotos der aktuellen Bahnhöfe in Schechen und in Rott, die in ähnlichem Stil heute noch die Gesimse und Umrandung der Uhr aufweisen. Ein solches Gebäude könne er sich auch für Soyen vorstellen, so der Bürgermeister. Denn dem Bahnhof soll auch in Zukunft eine zentrale Aufgabe in der Gemeinde zukommen. „Die Ortsmitte gehört neu gestaltet“, stellte der Bürgermeister klar, es gebe bereits Entwürfe für das Dorferneuerungsprogramm. Deshalb müsse man sich mit allen Beteiligen an einen Tisch sitzen, um zu klären, was man aus dem Areal machen wolle. Denkbar sei vieles, so der Bürgermeister, nur eines nicht: „Wir wollen die Fläche nicht mit riesigen Wohnblöcken – wie beispielsweise in Schechen geschehen – zupflastern.“ Mann müsse jetzt nach vorne schauen, um die Ortsmitte in den nächsten Jahren vernünftig zu gestalten.