chiemgau

Pläne kamen gut an

von Redaktion

Prien – Weitestgehend positiv haben über 100 Priener am Donnerstag Abend die Pläne des Jugendherbergswerks aufgenommen, an der Osternacher Straße ein neues Haus mit 200 Betten zu bauen. Kritische Anmerkungen und Fragen gab es in dem über zweistündigen Bürgerdialog vor allem zur Verkehrssituation und angedachten Gestaltung des Gebäudekomplexes. Je mehr Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, desto mehr Priener scheinen Gefallen an den Plänen des Landesverbands Bayern des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) zu finden. Bei der Präsentation im König Ludwig Saal gab es wiederholt freundlichen Applaus für die ausführlichen Erläuterungen der DJH-Vertreter, des Priener Bürgermeisters Jürgen Seifert und der Planer des Großprojekts. Etwa eineinhalb Stunden Zeit nahmen sich führende DJH-Vertreter und Architekten, um ihre Überlegungen, Vorstellungen und Entwürfe zu erläutern, die die Chiemgau-Zeitung seit Bekanntwerden des Vorhabens bereits wiederholt ausführlich dargestellt hat. DJH-Präsident Gerhard Koller erläuterte die heutige Ausrichtung der knapp 60 Jugendherbergen im Freistaat, deren Fokus auf der Schaffung innovativer Bildungs- und Erziehungsangebote liege. Die geplante Umwelt-Jugendherberge wäre die Fortsetzung der Tradition, denn bei der Eröffnung der alten Herberge in den 1960er Jahren war diese die erste Umwelt-Jugendherberge bundesweit. Anfang 2013 musste sie wegen Brandschutzmängeln geschlossen werden, eine Sanierung war wirtschaftlich nicht darstellbar. Das Grundstück, heute im Gegensatz zu damals von Wohnbebauung eingekreist, soll verkauft und der Erlös in die Finanzierung des 13-Millionen-Vorhabens fließen. Die Zahl von 200 Betten entspringt den Erfahrungswerten, gepaart mit dem attraktiven Standort Prien und der Nachfrage, erläuterte DJH-Vorstand Winfried Nesensohn. Er rechnet nach einer Anlaufphase vo nein paar Jahren dann mit 18 000 Gästen und 40 000 Übernachtungen jährlich, was einer Auslastung von 55 Prozent über das ganze Jahr gesehen entsprechen würde. Die heutige „Kundschaft“ von Jugendherbergen sind laut Nesensohn 35 Prozent Schulklassen, 35 Prozent andere Gruppen sowie 30 Prozent Familien und Individualgäste. Geplant seien 25 Ganzjahresarbeitsplätze. Für Regattateilnehmer oder Sportler, die an anderen Veranstaltungen teilnehmen, könnte die Herberge zur preiswerten Alternative zu vorhandenen Angeboten werden. Dr. Helmut Wittmann kann sich sogar vorstellen, Auszubildenden, die in Prien lernen und sich keine Wohnung leisten können, eine Bleibe auf Zeit zu bieten. Der Seeoner, früher im DJH-Präsidium und heute eine Art Sonderbeauftragter für das Priener Projekt, listete mit Herzblut eine Reihe von Argumenten für das Vorhaben auf. Besonders der Aspekt der Umweltbildung junger Menschen liegt ihm am Herzen. Wittmann stellte eine Zusammenarbeit mit der Umweltakademie Laufen und anderen Umweltorganisationen in Aussicht, kleine Labors sind im Gemeinschaftstrakt vorgesehen. Nesensohn rechnete den monetären Gewinn für Prien vor. Basierend auf einer Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Uni München kalkuliert das DJH bei 40 000 Übernachtungen im Jahr mit einem Umsatz von 3,5 Millionen Euro. Davon würden nach repräsentativen Hochrechnungen 850 000 Euro in die örtliche Gastronomie und 600 000 in den Handel fließen. Ausführlich erläuterten Architekt Bernd Püschel und Landschaftsarchitekt Rupert Schelle das bauliche und gestalterische Konzept, Priens Bauamtschef Thomas Lindner die rechtlichen Rahmenbedingungen. Derzeit läuft das Aufstellungsverfahren für einen „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“. Das bedeutet, dass eine rechtliche Grundlage für genau dieses Projekt geschaffen wird. Im ergänzenden städtebaulichen Vertrag soll unter anderem die dauerhafte Beibehaltung des nördlich am Grundstück entlang laufenden Geh- und Radwegs festgeschrieben werden, der bisher über Privatgrund verläuft und nicht gesichert ist. Das 6500-Quadratmeter-Areal ist seit 2006 im Flächennutzungsplan für eine touristische Nutzung reserviert. Das heißt, dass auf dem Grundstück theoretisch auch ein mehrstöckiges Hotel genehmigungsfähig sein könnte, erinnerte Seifert, als er an ein Wahlversprechen von 2008 erinnert wurde, das „liebliche Prien zu erhalten“. Es war die einzige politisch motivierte Wortmeldung des Abends, den Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugendrings, sachlich und kompetent moderierte. Die Antwort des Bürgermeisters war eindeutig „Ich kann mir dort kein bessere Projekt vorstellen als dieses“ und „Ein Ort, der sich nicht weiterentwickelt, stirbt“. Kritische Anmerkungen kamen in der Diskussions- und Fragerunde zu Verkehrsaspekten. Die Anregung, im fraglichen Bereich das Tempo auf 30 km/h zu beschränken, nahmen die DJH-Vertreter wie einige andere zu gestalterischen Aspekten mit in ihre weiteren Überlegungen. Die Sorge, dass Reisebusse an der Jugendherberge über mehrere Tage parken könnten, zerstreute unter Applaus Ludwig Feßler, als er anbot, dass Busse ja bei der Chiemsee-Schifffahrt parken könnten. Mit der Aussicht, dass der Austausch mit den Prienern im weiteren Planungsverlauf in ähnlicher Form fortgesetzt werden soll, entließen DJH-Präsident Koller und Moderator Fack die Zuhörer, indem sie mit der letzten Folie der Powerpoint-Präsentation die Messlatte sehr hoch legten: In Prien-Stock wolle man die „innovativste Umwelt-Jugendherberge Deutschlands für unsere gemeinsamen Gäste bauen“. db

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