Rosenheim & Region

Vögel das ganze Jahr füttern

von Redaktion

AUS DER REGION

Bruckmühl – Die Zahl der Vögel geht stark zurück. Mittlerweise sind selbst „Allerweltarten“ wie Feld- und Haussperling betroffen. Wir wollen in diesem und weiteren Artikeln einige der Ursachen benennen und Maßnahmen aufzeigen, die jeder umsetzen kann, um den Tieren zu helfen. Insekten, Würmer, Spinnen und mehr sind Nahrungsgrundlage für viele Vogelarten. Vor allem Jungtiere sind besonders stark auf diese proteinreichen Nahrungsquellen angewiesen. Bei Heuschrecken verzeichnen Experten Rückgänge von bis zu 90 Prozent und allgemein wird bei Fluginsekten über einen Bestandsrückgang von über 80 Prozent seit den 80er-Jahren diskutiert. Drastische Rückgänge bei Vogelbestand Typische Vögel der Agrarlandschaften sind besonders stark betroffen. So haben beispielsweise die Kiebitzbestände in den letzten 20 Jahren um 80 Prozent und die der Feldlerchen um 35 Prozent abgenommen. „Aber auch Vogelarten, die sich teilweise bis überwiegend pflanzlich ernähren, finden nicht mehr genug zu fressen. Allesfresser wie Meisen, Spechte, Kleiber, aber auch Körnerfresser wie Finken, Sperlinge, Ammern et cetera finden in unserer ausgeräumten Landschaft nicht mehr genügend Nahrung“, so Harry Klottig vom Tierkundemuseum Bruckmühl. „Die ökonomischen Zwänge, in denen sich viele Landwirte befinden, lassen immer weniger Raum für ökologische Alternativen. Damit schwinden Raum und Nahrung für Pflanzen und Tiere“, so Klottig. Es gebe mittlerweile viele erfolgreiche Beispiele dafür, wie man wieder mehr mit und nicht immer noch stärker gegen die Natur Lebensmittel produzieren kann. Produkte aus ökologischem Anbau sind auf dem Markt, es läge an den Bürgern, diese zu kaufen. Kaufverhalten bestimmt Produktion „Wer als Bürger den Eindruck hat, agrarpolitisch keine Wahl mehr zu haben: Als Konsumenten haben wir sie nach wie vor. Wir bestimmen mit unserem Kaufverhalten, was und wie es produziert wird und wir bestimmen damit letztendlich auch die Politik. Wer die Möglichkeit hat, nicht nur das Billigste zu kaufen, hilft so manchem Bauern aus seiner wirtschaftlichen und ethischen Zwangslage“, betont Klottig. Böschungen, Wiesen, Randstreifen sind Rückzugsorte für Vögel. Oft sind sie in öffentlicher Hand. „Nicht nur der Stieglitz würde sich freuen, wenn die Böschung noch zum Aussamen käme, bevor sie schon wieder gemäht wird“, weiß Klottig. Mähroboter ließen in den Gärten kein „Blümchen mehr stehen und machen mit Insekten kurzen Prozess“. Ein ständig kurz geschorener Rasen ist kein Lebensraum für die meisten Insekten und damit keine Nahrungsquelle für Vögel mehr. „Ähnliches gilt für den Einsatz von Laubsaugern. Sie saugen zwar noch keine Igel ein, aber den im Laub versteckten Insekten lassen sie wenig Chancen“, kritisiert Klottig. Gezielte wissenschaftliche Forschungen unter anderem der Vogelwarte Radolfzell, Max-Planck-Institut für Ornithologie, widersprechen Klottig zufolge dem weit verbreiteten Glauben, dass man im Frühjahr mit der Vogelfütterung aufhören soll. Jungtiere würden durch ungeeignetes, von Menschenhand angebotenes Trockenfutter, das ihnen die „bequem“ werdenden Altvögel verfüttern würden, sogar sterben, sei eines der Argumente von Gegnern der Ganzjahresfütterung. Durch ein eigens entwickeltes Kamerasystem, das Nistkästen und Futterstationen überwacht, könnten im Naturerlebnis Bruckmühl die Forschungsergebnisse bestätigt und Glauben durch Wissen ersetzt werden können. „Bei Blaumeisen gaben die Altvögel, die von uns angebotene Nahrung nicht an ihre Nestlinge weiter. Sie waren schlau genug, die in der freien Natur noch verfügbare tierische Nahrung an ihren Nachwuchs weiter zu verfüttern und sich lediglich selbst von den künstlich angebotenen Körnermischungen zu ernähren, um bei Kräften zu bleiben“, so Klottig. Dieses Fütterungsverhalten kann man im Tierkundemuseum im Frühjahr oft live und ansonsten in Form von Videoclips beobachten. Gerade im Frühjahr, in der Phase der Balz und der Aufzucht der Jungen, benötigen die Tiere besonders viel Energie. Jahreszeitlich bedingt und aufgrund der Entwicklungen ist aber noch nicht/nicht mehr genügend Futter vorhanden. „Wir im Naturerlebnis Bruckmühl füttern die Tiere ganzjährig. Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und auch Privatpersonen ermutigen. Wir geben Auskunft und es sind auch die verschiedenen Futterstationen zur Ansicht bei uns im Einsatz“, betonen die Verantwortlichen rund um das Salus-Auwaldbiotop.

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