Die Bahn bohrt

von Redaktion

Rosenheim – Nach dem Neustart des Beteiligungsverfahrens bei den Ausbauplänen der Bahn im Zuge des Zulaufs zum Brenner-Basistunnel (BBT) im Raum Rosenheim haben sich nun zwei neue Gemeindeforen konstituiert. Zudem kündigt die Deutsche Bahn AG Erkundungsbohrungen und geophysikalische Untersuchungen an. Die lokalen Foren bilden nach Angaben der Bahn das Herzstück der repräsentativen Öffentlichkeitsbeteiligung an den Planungen zum Brenner-Nordzulauf. Im Gemeindeforum Rosenheim Nord besprechen sich fortan die Vertreter der Gemeinden Bad Aibling, Großkarolinenfeld, Prutting, Schechen, Tuntenhausen und Vogtareuth. Das Gemeindeforum Rosenheim Süd bilden Bad Feilnbach, Kolbermoor, Riedering, Rosenheim, Rohrdorf und Stephanskirchen. Bis Ende Oktober konnten die Kommunen des erweiterten Planungsraums neben den Bürgermeistern jeweils Vertreter aus den Bereichen Landwirtschaft, Wirtschaft und lokalen Vereinigungen wie Bürgerinitiativen als Teilnehmer benennen. Als eines der Kernthemen der ersten Sitzung diskutierte die Bahn mit den Gemeindevertretern einen Entwurf der Geschäftsordnung. Geologische Erkundungen Zum inhaltlichen Auftakt verteilte ein Expertenteam einen Kriterienkatalog, der als wesentliche Grundlage für die spätere Trassenauswahl dient. Die Mitglieder haben nun die Möglichkeit, bis zur nächsten Sitzung Fragen einzubringen und Anmerkungen zum Kriterienkatalog vorzubringen. Die Arbeit der Gemeindeforen erfolgt laut Deutscher Bahn AG für alle transparent. Die Dokumentation der Gremienarbeit ist im Internet unter www.brennernordzulauf.eu einsehbar. Während im Raum Rosenheim das Beteiligungsverfahren neu beginnt, startet im oberen Inntal ein geologisches Erkundungsprogramm. Die vertiefte Kenntnis von Boden- und Gebirgsaufbau sei für die weiteren Planungen zum Brenner-Nordzulauf von entscheidender Bedeutung, betont die Bahn. Bereits heute existierten zahlreiche Informationen zum Gebirgsaufbau im Inntal. Diese habe man etwa durch Oberflächenkartierungen, Bergbautätigkeit oder im Zuge anderer Bauvorhaben gewonnen. „Auf Basis dieser bereits bestehenden Daten haben Geologen Punkte identifiziert, an denen die Kenntnisse des Untergrunds noch unzureichend sind“, sagt Michael-Ernst Schmidt, Pressesprecher der Deutschen Bahn AG in Bayern. „An diesen Punkten erfolgen Erkundungsbohrungen und geophysikalische Untersuchungen. Die Bohrpunkte hätten deshalb keine Aussagekraft bezüglich des späteren Trassenverlaufs. DB-Gesamtrojektleiter Torsten Gruber: „Wir gehen dem Inntal auf den Grund – nicht weil wir schon eine Trasse kennen, sondern die Entscheidung dafür auf eine fachlich gesicherte Grundlage stellen wollen. Etwa 30 Bohrungen – 30 bis 400 Meter tief Mittels eines Bohrgeräts, das zum Beispiel auf einem Lkw montiert ist, werden laut Bahn Bohrkerne gewonnen. Diese seien unter anderem zur „Eichung“ von ergänzend ausgeführten geophysikalischen Untersuchungen geeignet. Durch Bohrkerne werde die Struktur des Gebirges deutlich erkennbar. Vorgesehen sind etwa 30 Bohrungen im deutschen und österreichischen Inntal, jeweils zwischen 30 bis 400 Meter tief. Rund 3000 Meter Bohrkerne werden dann später im Labor untersucht. Die Arbeitsdauer je Bohrung wird nach Scätzungen der Bahn bei einer bis zehn Wochen liegen. Die Geophysik stützt sich auf Untersuchungen mit seismischen und elektrischen Verfahren. Konkret werden zum Beispiel durch einen Hammerschlag auf eine Metallplatte oder elektrische Anregung Impulse in den Untergrund abgegeben. Ausgelegte Kabel dienen zur Messung der Reflexions- beziehungsweise Refraktionsmuster. Durch charakteristische Datenbilder können Geologen so den Gebirgsaufbau näherungsweise modellieren. Die Messungen erfolgen im Umkreis von rund 100 Metern der jeweiligen Impulsstelle. Bei allen Messungen werden addiert rund 49 Kilometer Kabel ausgelegt. Die Arbeitsdauer je Messstelle beträgt nur wenige Stunden. Grundstückseigentümer, die von den Untersuchungen berührt sind, werden noch im November von der DB Netz AG kontaktiert. Für Fragen und Anregungen stehen persönliche Ansprechpartner bereit. Für weitere Informationen haben DB und ÖBB eine Broschüre erstellt. Diese liegt in Kürze in den Rathäusern aus, ist im Infobüro Rosenheim (Salinstraße 1, 83022 Rosenheim – geöffnet dienstags und mittwochs von 12 bis 18 Uhr) erhältlich und im Internet unter www.brennernordzulauf.eu abrufbar. Bild: Blick ins Inntal an der Landesgrenze im Bereich Oberaudorf/Niederndorf: Links der Inn, in der Mitte die Autobahn und ganz rechts die Bahnlinie. Foto schellmoser/ARCHIV

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