Bad Aibling – Das aktuelle Politikkabarett der „Ladenhüter“ überrascht das Publikum gleich zu Beginn des Abends mit einer interessanten Ankündigung: Der neue Fernsehsender „Alha SOS TV A“ überträgt das Programm des Aiblinger Kabarettisten-Trios live und in voller Länge. Durch die Sendung führen die Reporter Christian Poitsch, Max J. Regensburger und Mike Stratbücker, die das Publikum mit der provokanten Frage: „Brauchen wir einen neuen Fernsehsender?“ gleich mit ins Programm einbeziehen. Die Antwort ist klar: Fernsehsender brauchen angesichts von Kochshows, Krimis und einschläfernden TV-Duellen dringend eine Frischzellenkur. Der neue Fernsehsender steht für einen „weltoffenen, kritischen Journalismus, basierend auf solider Recherche, Glaubwürdigkeit und internationalen Kontakten“. In witzig schnellen Umschaltphasen in die Politik-, Wirtschaft-, Sport- oder Kulturredaktion werden zum Thema „Alles halb so schlimm“ ironisch, zynisch und sarkastisch aktuelle Themen der Aiblinger Szene, wie Stadtbildverschandelung durch Neubauprojekte, Dauerbaustelle Eisenbahnunterführung zum neuen Maximiliansplatz, Hochwasserschutz an der Glonn oder Attraktivitätsverlust der Innenstadt durch Sterben des Einzelhandels von den Fernsehreportern kritisch aufs Korn genommen. Kochshow mit Angela Merkel Auch weltpolitische Themen kommen nicht zu kurz. Regensburger in der Maske des Wladimir Putin und Stratbücker als Donald Trump persiflieren wortgewandt ein offensichtlich zum Scheitern verurteiltes Gipfelgespräch, das allerdings vom Conferencier Christian Poitsch als überaus harmonisch und von gegenseitigem Verständnis gezeichnet und damit völlig fehlinterpretiert und falsch übersetzt wird. Weltpolitik – zum Scheitern verurteilt. Nach dem Motto „Wir schaffen das“ demonstriert Regensburger in einer Stand-up-Comedy in der Rolle der Angela Merkel, wie leicht es ist, in einer „Kochshow“ Pflaumen mit Zitronen zu mixen, um eine Jamaika-Koalition zustande zu bringen, die dann allerdings überraschend in einer „braunen Soße“ endet. Der Koalitionsmarathon als Überlebenskampf der Volksparteien. Doch: „Alles halb so schlimm“, stimmte das sensibilisierte Publikum in allen ausverkaufen Vorstellungen im Chor mit ein.