Wasserburg-Reitmehring – Der Bahnübergang in Reitmehring ist für Autofahrer ein Albtraum. Bei geschlossener Schranke stauen sich die Fahrzeuge dort zu Stoßzeiten durch den ganzen Ort und bis nach Edling auf der anderen Seite. Erwischt man die falsche Zeit, gehen die Bahnschranken gleich mehrmals hintereinander zu und legen den Verkehr auf der B 304 quasi lahm. Besonders für Berufspendler kostet das jeden Tag Nerven. Der Bahnübergang soll seit Langem ausgebaut werden. Nicht verwunderlich, dass dieses Projekt für Autofahrer und Anwohner ein großes Thema ist. Das hat sich auch in der Bürgerversammlung gezeigt, die traditionell in der Aula der Grundschule stattfand. Nach einem Überblick über verschiedene Themen (wir berichteten) skizzierte Bürgermeister Michael Kölbl das Bauvorhaben am Bahnübergang. Eingangs machte er klar: „Wir sind nicht Herr des Verfahrens!“ Die B 304 ist eine Bundesstraße, daher ist das staatliche Straßenbauamt für sie zuständig. Dieses beschreibt den geplanten Ausbau wie folgt: Die Trasse beginnt östlich von Staudham und quert die Bahngleise rund 50 Meter südlich des bestehenden Bahnübergangs mit einem rund 40 Meter langen Brückenbauwerk. Danach wird die Straße in einen etwa 350 Meter langen Trog-Tunnel geleitet. Auf Höhe der Bürgermeister-Schmid-Straße kommt die B 304 wieder nach oben, um ungefähr 300 Meter östlich davon wieder an den bestehenden Verlauf der Bundesstraße anzuschließen. Die innerörtlichen Straßen, also die Megglestraße, Bahnhofstraße, der Zettlweg und die Bürgermeister-Schmid-Straße, werden über ein Rampensystem und einen Kreisverkehr an die neue B 304 angebunden. Aktuell läuft dafür das Planfeststellungsverfahren. Die öffentliche Auslegung dazu war im Mai/Juni dieses Jahres, woraufhin zahlreiche Einwendungen eingereicht wurden. Laut Kölbl gab es auch von Seiten der Stadt verschiedene Verbesserungsvorschläge. In einem weiteren Schritt wird nun ein Erörterungstermin festgelegt, zu dem alle Einwendungsträger geladen werden. Er findet wohl im Januar statt. In der Diskussion der Bürgerversammlung wurden unterschiedliche Meinungen zu dem Projekt deutlich. Große Kritik kam von Seiten des Reitmehringer Gartenbauvereins. Dessen Vertreter sprach von einem „Saurier“, einem „Monster“, der das Ortsbild zerstören werde. In einem „offenen Brief“ forderte der Gartenbauverein Bürgermeister und Stadtrat auf, sich für ein Ende der Planungen mit Brücke einzusetzen. Stattdessen solle die gesamte Strecke untertunnelt werden. Kölbl sicherte zu, den Antrag an die zuständige Stelle weiterzuleiten. Natürlich würde sich jeder einen Langtunnel wünschen, gab er zu. Er skizzierte aber auch ein anderes Szenario, das eintreten könnte, falls die Planungen mit Brücke und Kurztunnel nicht zustande kommen sollte: eine Lösung lediglich mit einer Ampelanlage. „Wir dürfen den Kurztunnel jetzt nicht zerreden“, meinte ein anderer Bürger.