chiemgau

Hallenbad wieder offen

von Redaktion

Prien – Es soll schneien an diesem Wochenende. Wer Wärme tanken möchte, kann dies ab heute wieder im Prienavera tun. Das Erlebnisbad öffnet nach zehn Tagen Revision. Allerdings sind noch nicht alle Arbeiten vollendet. Beim Duschen und beim Toilettengang müssen Besucher noch bis 1. Dezember mit Provisorien auskommen. Handwerker von 40 Firmen haben in den vergangenen Tagen im Prienavera Hand angelegt. Seit gestern sind die Becken wieder voller Wasser. Eine Million Liter fassen alle Becken zusammen. Revision lässt sich mit „Überprüfung“ übersetzen, und nach 18 Jahren Dauerbetrieb gibt es bei diesen turnusmäßigen Arbeiten viel zu überprüfen. Das geht nur, wenn keine Besucher da sind, das Wasser aus den Becken abgelaufen und die Geräte abgeschaltet. Die Chiemsee Marina GmbH (ChiMa), die das Bad mit dem muschelförmigen Dach am Chiemseeufer betreibt, nutzt die zwangsweise Schließung, um auch dringende Renovierungsarbeiten zu erledigen. Damit sind nicht alle beauftragten Firmen rechtzeitig fertig geworden. „Unvorhergesehene Probleme“ nannte ChiMa-Geschäftsführer Dirk Schröder gestern im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung als Grund, dass Gäste noch bis voraussichtlich 1, Dezember in beheizten Containerwägen duschen und auf Toilette gehen müssen. Wegen der Einschränkungen bekommen Gäste in dieser Zeit zehn Prozent Preisnachlass. Die Preise waren zuletzt auch Diskussionsthema zwischen ChiMa und einer Reihe von Senioren unter den regelmäßigen Besuchern. Vor einigen Monaten hatte die ChiMa zum ersten Mal seit fünf Jahren die Tarife angehoben. Die Zwei-Stunden-Karte für Erwachsene kostet nun 9,50 statt neun Euro, das Vier-Stunden-Ticket zwölf statt elf Euro, die Tageskarte wurde ebenfalls um einen Euro teurer und schlägt nun mit 14 Euro zu Buche. Kinder unter sechs Jahren haben im Prienavera schon immer freien Eintritt, das Erlebnisbad hat sich im regionalen Wettbewerb so seit der Eröffnung 1999 als Familienbad profiliert. Wer in die Sauna möchte, zahlt sechs Euro Zuschlag, bisher waren es 4,30 Euro. Eine Eintrittskarte nur für die Sauna gibt es nicht, wer schwitzen will, muss auch den Schwimmbadeintritt zahlen. Und um diesen Kombitarif gab es nach den Preiserhöhungen Ärger. Bei der ChiMa und auch bei der Chiemgau-Zeitung meldeten sich Senioren, die sich in Relation zu den anderen Preisanpassungen über Gebühr belastet fühlen. Wer über 60 war, bekam montags bis freitags zwischen 11 und 13 Uhr an der Kasse eine Seniorenkarte inklusive Sauna für 8,40 Euro und durfte ohne Zuzahlung drei Stunden bleiben. Jetzt kostet das gleiche Paket 12,50 Euro, also etwa die Hälfte mehr. ChiMa-Chef Schröder argumentiert, dass Senioren durch dieses Angebot in der Vergangenheit besonders günstig Bad und Sauna nutzen konnten. Bisherige Stammgäste der Sauna halten dem unter anderem entgegen, dass man „den weniger begüteten Menschen etwas weg nimmt, das man ihnen in den vergangenen Jahren ermöglicht hat“, machte ein Leser in einem Brief an die ChiMa seinem Ärger Luft. Das Priener Bad ist, wie fast alle anderen öffentlichen Hallenbäder, defizitär, der Markt Prien und seine Tochtergesellschaft leisten sich das Prienavera aber bewusst als Pfund in ihrem touristischen Portfolio, insbesondere als Schlechtwetterangebot für Urlauber. Etwa 200 000 Besucher zählen die Betreiber im Jahr, davon entfielen 2016 17 000 aufs benachbarte Strandbad. 31 000 Gäste nutzten im vergangenen Jahr neben dem Bad auch die Sauna. Das jährliche Minus liegt Schröder zufolge „im hohen sechsstelligen Bereich“, genaue Zahlen wollte er nicht nennen. Allein die Energiekosten belaufen sich auf etwas 450 000 Euro. Sie können seit einigen Jahren trotz steigender Energiepreise auf diesem Niveau gehalten werden, weil die ChiMa 2016 mit der Erneuerung der Chlor-Dosierungsanlage und eines Blockheizkraftwerks angefangen hat, erste Punkte aus einem umfangreichen Sanierungskonzept umzusetzen, die Fachleute erarbeitet hatten. Eigentlich sollte die Revision heuer auch genutzt werden, um eine der fünf großen Lüftungsanlagen auszutauschen, die 188 000 Euro dafür hatte der Marktgemeinderat bewilligt. Weil aber die Baubranche boomt, die Auftragsbücher voll und die Lieferzeiten lang sind, wurde der Austausch laut Schröder verschoben und soll eventuell im Sommer 2018 nachgeholt werden. Bis dahin hofft der Geschäftsführer, dass auch die Lüftungsanlage, die wegen der aggressiven, chlorhaltigen Luft am meisten Rost ansetzt, trotz Dauerbetrieb noch durchhält. 19 000 Kubikmeter Luft rauschen jede Stunde durch das Gerät. db

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