AUS DER REGION
Rosenheim – An die Opfer von Krieg und Gewalt erinnerte gestern der Volkstrauertag, der in Rosenheim mit einer Gedenkveranstaltung auf dem städtischen Friedhof begangen wurde. Nach dem Schweigemarsch zum Soldatenfriedhof mahnte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in ihrer Rede an die schrecklichen Facetten von Kriegen. Mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland wurde gestern zu Toleranz und Frieden aufgerufen. Die zentrale Gedenkveranstaltung fand im Plenarsaal des Deutschen Bundestages statt. In Rosenheim startete der Volkstrauertag am Vormittag bei Kälte, Wind und Nieselregen mit einem Schweigemarsch. Angeführt von der Stadtkapelle marschierten die Vertreter von Politik, Vereinen, Polizei und Rettungsdiensten vom Max-Josefs-Platz zum Soldatenfriedhof. Die Beteiligung der Bevölkerung hielt sich mit knapp 40 Bürgern heuer erneut stark in Grenzen. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer drehte die Zeit in ihrer Rede 100 Jahre zurück. Im November 1917 hätten sich die Menschen auf den vierten Kriegswinter vorbereitet. Die durchschnittliche Tagesration pro Person habe damals nur 1000 Kalorien betragen. „Viel zu wenig, um den Menschen die notwendige Energie zur Meisterung des schweren Alltags unter Kriegsbedingungen zu geben“, so Bauer. Über 800 000 Menschen seien folglich im Deutschen Reich während des 1. Weltkriegs rein an Mangelernährung gestorben: „Auch dies ist ein Facette des Monstrums Krieg, dessen Opfer wir heute gedenken.“ Papst Benedikt XV. unternahm in dieser schweren Zeit einen verzweifelten Anlauf, um die „furchtbare Schlächterei“ des Ersten Weltkrieges zu stoppen. Sein Friedensappell an die verfeindeten Staaten fand kein Gehör. Die Erinnerung daran empfindet Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer deshalb so wichtig, „weil wir auch heute in vielen Konflikten mit einer erschreckenden Sprachlosigkeit und dem fehlenden Willen zum Ausgleich konfrontiert sind“. In der Krise um Nordkoreas Aufrüstung gelinge es den Akteuren nach wie vor nicht, seriöse Verhandlungen anzubahnen, die USA und Nordkorea würden stattdessen Beleidigungen jenseits jeder Diplomatie austauschen, das Abkommen mit dem Iran zur Verhinderung von nuklearer Aufrüstung stehe unter massiven Beschuss durch die USA und die Bürgerkriegsparteien in Syrien und den Interventionsmächten Russland und Türkei kämen keinen Schritt weiter. „Lehren nicht beherzigt“ „Meine größte Sorge ist, dass die Lehren, die man aus den letzten 100 Jahren voller Kriege und bewaffneter Konflikte, voller Leid und Zerstörung, hätte ziehen können, immer noch nicht beherzigen will“, sagte Gabriele Bauer am Schluss ihrer Rede und endete mit den Worten des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig, einem Zeitzeugen des 1. Weltkrieges: „Einer muss den Frieden beginnen wie den Krieg.“ Die Frage „Was wäre wenn?“, beschäftigte Pastoralreferentin Hannelore Maurer. Ohne die Kriege hätten die gefallenen Väter und Söhne weiter gelebt. Maurer weiß aber auch, dass diese Frage weder im privaten Leben noch im Weltgeschehen einen Sinn macht: „Wir tragen keine Verantwortung für das, was war, aber dafür, was sein wird.“ Eines sei auf jeden Fall klar: „Einen Krieg ohne Opfer gibt es nicht.“ Den Reden und Gebeten folgten die Kranzniederlegungen, angeführt von Oberbürgermeisterin Bauer und Landrat Wolfgang Berthaler. Unterbrochen wurde die Stille von den Salven der Gebirgsschützenkompanie. Traditionell endete die Gedenkstunde mit dem Spielen der Bayern-Hymne sowie der Nationalhymne. wu