Bernau – 234 Hospize gibt es in Deutschland, 16 in Bayern – und keines in Südostbayern. Das soll sich endlich ändern. Am Chiemsee ist ein Hospiz für unheilbar kranke Menschen geplant – ein Kraftakt, der Dank der Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“ gelingen könnte. Einer Studie von 2015 zufolge möchte in Deutschland inzwischen jeder dritte Mensch in einem Hospiz sein, wenn das Ende naht. Auch in der Region wurde der Ruf nach einem stationären Hospiz zuletzt immer lauter. Doch so eine Einrichtung findet man – trotz jahrelanger Bemühungen vieler ehrenamtlicher Hospizkräfte – zwischen München und Salzburg vergeblich. Denn man muss viel Geld in die Hand nehmen, um ein Hospiz planen, bauen, ausstatten und später auch betreiben zu können. Zudem ist die Standortfrage schwierig. Ein Industrie- oder Gewerbegebiet ist dafür kein geeigneter Platz. Und ein geeignetes Grundstück – schön gelegen, gut erreichbar – bekommt man nicht geschenkt. Doch nun ist der Durchbruch gelungen. Anfang 2016 ist der Initiative ein geeignetes Grundstück in Bernau angeboten worden. Gleichzeitig sind politisch die Weichen gestellt worden, um auch die laufenden Betriebskosten zu stemmen. Von der OVB-Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz für Hospizbewegung“ erhoffen sich alle Beteiligten jetzt eine enorme Schubkraft. Sie könnte beispielsweise dafür sorgen, dass die geplanten zehn bis zwölf Einzelzimmer so schön und gut wie möglich ausgestattet werden. Noch gehört das etwa 2100 Quadratmeter große Grundstück in Bernau dem Freistaat Bayern. Darauf befinden sich in ruhiger Dorflage Dienstwohnungen für Beschäftigte der Justizvollzugsanstalt, die wegen eines Wasserschadens seit 16 Jahren leer stehen. Das Justizgebäude soll bald abgerissen werden und Platz machen für das Hospiz. Schon 2019 könnten dort die ersten Patienten den Blick in die Ferne richten, sich von Gedanken treiben lassen und in schönen Erinnerungen verlieren. „Mitte 2018 wollen wir mit dem Neubau anfangen, 2019 wollen wir das Hospiz eröffnen“, sagt Günther Pfaffeneder. Der ehemalige Geschäftsführer der Romed-Kliniken in Stadt und Landkreis Rosenheim ist eine Schlüsselfigur bei dem Projekt. Als Vorstand des neuen Kommunalunternehmens „Chiemseehospiz“, das die Stadt Rosenheim sowie Landkreis Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land Anfang 2017 gegründet haben, gilt Pfaffeneder als Garant dafür, dass das Hospiz auch organisatorisch und betriebswirtschaftlich alle Hürden nimmt. Schon 2019 könnten dort die ersten Patienten den Blick in die Ferne richten, sich von Gedanken treiben lassen und in schönen Erinnerungen verlieren. Im Süden sieht man über eine Wiese und ein Waldstück hinweg weit in die Chiemgauer Alpen hinein. „Ein wunderschöner und idealer Standort“, sind sich die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Hospizbewegung einig. Ohne die Unterstützung der Politik wäre das Projekt nicht zustande gekommen. Entscheidend waren dabei die guten Kontakte und das Engagement von Alois Glück. Der ehemalige Landtagspräsident ist Vorsitzender des Netzwerks Hospiz Südostbayern und des Fördervereins „Chiemseehospiz“, dessen Gründungsmitglieder unter anderem die drei beteiligten Landkreise, die Stadt Rosenheim, die Gemeinde Bernau, der Jakobus-Hospizverein Rosenheim, die Hospiz-Gruppe Prien und das Netzwerk Hospiz Südostoberbayern sind. Der Ende 2016 gegründete Verein treibt Bau, Ausstattung und Betrieb der Einrichtung voran. Den Löwenanteil der laufenden Kosten werden die Krankenkassen erstatten. Das verbleibende Defizit – kalkuliert wird mit zehn bis 15 Prozent – werden die Stadt Rosenheim und die drei beteiligten Landkreise mit der kommunalen Betriebsgesellschaft auffangen. Zahlscheine für die OVB-Weihnachtsaktion liegen unserer heutigen Ausgabe bei. Bild: Der schwerstkranke Joel bekommt von seiner Mutter Melanie im Kinderhospiz Sterntaler in Rheinland-Pfalz liebevoll einen Kuss auf die Wange gedrückt. In der Region gibt es noch kein stationäres Hospiz. Das soll sich jetzt ändern. Foto dpa