Bernau – Die Renaturierung von 43 Hektar der Damberger Filze, die der Freistaat Bayern plant, wird nach Aussagen eines Gutachters zu keinen Überschwemmungen in den Kellern der Häuser in den angrenzenden Ortsteilen der Gemeinde Bernau führen. „Durch die Wiedervernässungsmaßnahme kommt es nur im Planungsgebiet selbst zu einer wesentlichen Erhöhung des Grundwasserspiegels“, prognostizierte Gerd-Michael Krüger vom Ingenieurbüro Dr. Blasy-Dr. Øverland in Eching am Ammersee in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend. Projektträger ist der Freistaat Bayern, vertreten durch die Regierung von Oberbayern. Bereits 2010 haben die Planungen für eine Wiedervernässung der 43 Hektar begonnen, die dem Freistaat gehören und die vor Ort die Justizvollzugsanstalt Bernau in ihrer Obhut hat. Sie liegen südlich der Autobahn im Grenzbereich der Damberger Filze zum Kühwampenmoos. Nach dem Bekanntwerden des Vorhabens 2015 hatten Anlieger ihrer Sorge Ausdruck verliehen, dass möglicherweise Wasser in ihre Häuser fließen könnte – Befürchtungen, die die Regierung von Oberbayern seitdem auszuräumen versucht. Ende des 19. Jahrhunderts hatte die bayerische Moorversuchsanstalt Feuchtgebiete südlich des Chiemsees entwässert. Die Zielsetzung damals lautete, im Sinne einer landwirtschaftlichen Nutzung wertlose in wertvolle Flächen zu verwandeln. Und so verloren dann auch die 43 Hektar viel von ihrer Feuchtigkeit, die der Freistaat Bayern jetzt wieder herstellen will. Das Ziel: Als eine von einer ganzen Reihe von Maßnahmen im Rahmen des „Klimaprogrammes Bayern 2050“ möchte er auch diesen Teil der Damberger Filze in seinem ursprünglichen Zustand wiederherstellen. Er will ein Torfmoor aufbauen – und zwar durch Aufstauen von Grundwasser. Dieser Prozess wird, wenn die Regierung ihre Pläne umsetzt, Jahre und Jahrzehnte in Anspruch nehmen, ein Moor wächst nur sehr langsam. Wenn sie die wasserrechtliche Genehmigung erhält – wovon sie ausgeht -, will sie, wie Biologin Veronika Feichtinger von der Regierung am gestrigen Freitag gegenüber der Chiemgau-Zeitung ausführte, 2018 oder spätestens 2019 mit der Renaturierung beginnen. Vor dem Hintergrund aufkommender Diskussionen hatte die Regierung von Oberbayern das Büro Dr. Blasy-Dr. Øverland in Eching am Ammersee beauftragt, das Grundwasser zu untersuchen. Die Fachleute schufen insgesamt zwölf Messstellen am Rand des Gebiets, das für eine Wiedervernässung vorgesehen ist, und vor allem auch in den angrenzenden Bereichen, die zu bebauten Gebieten führen. Von April 2016 bis März dieses Jahres liefen dann Messungen. Und die Ergebnisse dieses hydrologischen Gutachtens erläuterte Krüger vom Ingenierbüro in Eching nun im Gemeinderat. Der Landschaftsarchitekt führte aus, dass sich in diesem Jahr der Messungen, bedingt durch Regenmengen, die sich in Grenzen hielten, „relativ wenig Bewegung“ im Rahmen der Pegelstände ergeben habe. Ideal für die Untersuchung wären große Schwankungen gewesen. So seien die Unterschiede an ein und demselben Messstand in der Regel in einem Bereich von weniger als einem Meter gewesen, vielfach seien zwischen dem höchsten und dem geringsten Wert gerade einmal 30, oft auch nur 80 Zentimeter gewesen. Der größte Unterschied der Werte habe an einer Stelle 1,5 Meter betragen. In der Beurteilung der Lage stellte Krüger insbesondere eine Begebenheit in den Vordergrund: In dem Bereich, den sich die Regierung wieder zu vernässen vornimmt, seien Gräben vorhanden, die das Wasser, das aus den 43 Hektar fließt, abführt – und zwar ohne dass die Anlieger in Neumühle und im Ortsteil Eichet beeinträchtigt würden. Insbesondere der „Hauptgraben Süd-Nord“, der unmittelbar durch den zur Renaturierung geplanten Teil der Damberger Filze geht, wie auch der angrenzende Neumühler Bach sorgen laut Krüger für eine „sehr ausgeprägte Entwässerung“. Gegeben seien „günstige Vorfluterverhältnisse“. Krüger führte noch eine andere Begebenheit ins Feld, um zu begründen, warum seiner Meinung nach im Falle einer Wiedervernässung der 43 Hektar kein Wasser in die Häuser der Umgebung fließen werde. Zwischen Planungsgebiet und Bebauung sei eine leichte Geländeerhöhung festzustellen – und bergauf fließen könne das Wasser nicht. Der Landschaftsarchitekt betonte mehrfach vor allem und gerade die Bedeutung, die die Gräben für die Entwässerung des Gebiets besitzen. Und so lautete seine dringende Empfehlung mit Blick auf die geplante Renaturierung, dieses System zu erhalten – also die Gräben insbesondere zu räumen, wenn sie denn einmal verstopft sein sollten. pü