Die Herbstversammlung der Bau-Innung Wasserburg-Ebersberg stand im Zeichen einer ausgezeichneten konjunkturellen Lage der Bauwirtschaft, einer langen „Hausaufgaben“-Liste an die Politik, die Innungs-Obermeister Martin Schmid formulierte. Referent Thomas Schmid wies anhand von Gesetzesänderungen, neuen Pflichten und versteckten Fallen auf Probleme hin, die auf Bauunternehmer ab dem 1. Januar 2018 zukommen. Martin Schmid verwies stolz auf die Baubranche, die mit einem Umsatz von 60 Milliarden Euro allein in Bayern wiederholt ihrer Rolle als „Konjunktur-Lokomotive“ gerecht geworden sei. Insbesondere in diesem Herbst erlebe das Bau- und Ausbaugewerbe die stärkste Nachfrage seit fast zwei Jahrzehnten, der Umsatz sei gegenüber 2016 um satte acht Prozent gestiegen und beschere der Branche ein kontinuierliches Wachstum seit 2011. „Der Wachstumstreiber Nummer eins ist der öffentliche Bau“, wusste Schmid und erläuterte, dass jeder vierte Betrieb bis zur Hälfte seines Umsatzes mit der Modernisierung von Gebäuden und Gebäude-Erweiterungen erziele. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, die Ertragslage habe sich weiter verbessert und werde auch für die kommenden sechs Monate optimistisch gesehen, auch wenn die Baupreise nur moderat um drei Prozent gestiegen seien. „In Deutschland werden noch immer zu wenig Wohnungen gebaut“ Martin Schmid Doch Martin Schmid mahnte zugleich zur Vorsicht, wenn man an den Rückgang der Wohnungsbau-Genehmigungen im ersten Halbjahr 2017 um 1,9 Prozent denke. „In Deutschland werden noch immer zu wenig Wohnungen gebaut“, betonte er. Statt der erforderlichen 400 000 Einheiten seien auf Bundesebene nur 278 000 fertiggestellt worden. Deshalb fordere das Aktionsbündnis „Impulse für den Wohnungsbau Bayern eine Reihe von Maßnahmen: Anreize zum Neubau von Wohnungen in allen Gebäudetypen, Anreize zur energetischen und altersbedingten Sanierung von Wohngebäuden und „Kommunen müssen wieder verstärkt als Bauherren auftreten“. Zudem fehlen laut Schmids Einschätzung Wohnungen im mittleren Preissegment. Staatliche Daumenschrauben wie die Verschärfung der Energiesparverordnung und fehlende steuerliche Anreize machten Investitionen unwirtschaftlich. Die Innung forderte auch die Wiedereinführung der 2004 abgeschafften „Meisterpflicht“, denn nur der Meisterbrief garantiere Ausbildungsplätze und Qualität. Als einen weiteren Schlag gegen das heimische Bauhandwerk sah der Innungs-Obermeister die geplante Einführung der EU-Dienstleistungskarte, demzufolge ausländische Firmen ihre Dienstleistungen in Deutschland zu Standards anbieten können, wie sie in deren Herkunftsland gültig sind. Weiter sprach Schmid den überregulierten Umgang mit Bauaushub an, der selbst bei geringster oder natürlicher Belastung hunderte von Kilometern als Müll auf Deponien gebracht werden müsse, die Einbeziehung von Handwerkerleistungen in die steuerliche Absetzbarkeit, die Schaffung einer sicheren Rechgtsgrundlage bei Tarifverträgen, die Beibehaltung der Verjährungsfrist für Mängelansprüche von fünf statt zehn Jahren und die Rückführung der getrennten Ministerien für Bau und Verkehr in ein starkes Ministerium für Bau und Infrastruktur. Sieben relevante Themen aus der Bauwirtschaft schnitt der Leiter der Geschäftsstelle Oberbayern beim Landesverband Bayerischer Bauinnungen in München, Thomas Schmid, in seinem Referant an: Verjährung von Forderungen aus dem Jahr 2014 zum Jahresende, Problematik der Mindestlöhne für das Baugewerbe, Bauproduktrecht, Bauvertragsrecht sowie Anmeldung zum Werkverkehr und Güterverkehr. Den Abschluss bildete ein „Impulsvortrag“ von Trainer Roland Albert von der Bayerischen Bauakademie in Feuchtwangen über das Führen von Gesprächen mit den Mitarbeitern.