Schön, schnell, umweltbewusst

von Redaktion

Kolbermoor/Daytona – Das 24-Stunden-Rennen von Daytona ist ein legendäres Motorsportspektakel – und für die Mechaniker ein ebenso schweißtreibendes wie ermüdendes Abenteuer. Das weiß jetzt auch Fritz Wagner aus Kolbermoor. Aber die Mühe hat sich gelohnt – vom Mülleinsammeln einmal abgesehen. In den 70er- und 80er-Jahren war der Rennmechaniker aus Kolbermoor ein gefragter Mann im internationalen Motorsportzirkus. Heute hat Wagner vor allem bei Nostalgierennen seine Hände im Spiel – oder gleich ein Auto. So wie jetzt in Daytona. Das 24-Stunden-Rennen in Florida ist neben Le Mans das bedeutendste Oldtimer-Rennen der Welt. Dort ging Wagners BMW M1 aus der legendären Procar-Serie an den Start – des erste Rennen nach etwa vier Jahrzehnten. Der Kolbermoorer machte seinen Flitzer-Oldie extra dafür wieder renntauglich, ließ ihn neu lackieren, in Bremerhaven verschiffen und über den Atlantik bringen. Weil Wagner (62) mehr denn je als einer der größten Fachmänner in Sachen BMW M1 weltweit gilt, flog er mit einem fünfköpfigen Mechanikerteam dem Wagen hinterher. Spendiert wurde das Abenteuer, das ohne Sponsor ein kleines Vermögen verschlungen hätte, von Redbull. Wagner kennt viele Rennstrecken, Daytona war für ihn eine Premiere. Die etwa vier Kilometer lange Rennstrecke hat ihn beeindruckt, vor allem die drei überhöhten Kurven: „So steil, dass sie zu Fuß unbegehbar sind“, sagt der 62-Jährige. Beeindruckt waren auch die Fans – vor allem vom Kolbermoorer Auto. Die Zuschauer wählten den BMW mit der Amerikaflagge auf dem Dach zum schönsten Wagen im gesamten Starterfeld. Auch sportlich setzte der „Schönling“ aus Oberbayern Maßstäbe. Wagners Piloten, die ehemaligen Tourenwagen-Europameister Luca Riccitelli (46, Italien) und Dieter Quester (78, Österreich), mischten in allen vier Rennen ganz vorne mit – bei einer Motorleistung von konstant 8800 Umdrehungen in der Minute und einer Spitzengeschwindigkeit von 285 km/h. Im Gesamtklassement reichte das in der Gruppe B zum beachtlichen dritten Platz. Nur die beiden Chevron im Teilnehmerfeld waren schneller. Während der turbulenten Trainings- und Rennwoche kam Wagners Mechanikerteam kaum zur Ruhe. Sie mussten sich die Nächte mit immer neuen Problemen um die Ohren schlagen. Zweimal ruinierte Riccitelli den Motor, weil er im Übermut überdrehte. Eine weitere Herausforderung: die Steilwand. Dort lastete ein Druck wie nie zuvor auf dem vier Jahrzehnte alten 480-PS-Auto. Prompt brach die Radaufhängung – aber auch diesen Schaden hatten die Oberbayern schnell repariert, während so mancher Konkurrent im wahrsten Wortsinn auf der Strecke blieb. So machte sich Wagners Team, als der BMW samt Ersatzteilen wieder im Container verstaut war, übermüdet und geschafft auf den Weg zum Flughafen nach Miami – „ohne eine Sehenswürdigkeit besucht zu haben“, sagt der 62-Jährige. Aber das, was die Kolbermoorer in Florida gesehen haben, sei schockierend gewesen: Bettelarme Menschen, verlassene Ruinen, verschmutzte Strände, eine Fastfoodbude neben den anderen und überall Berge von Müll, vor allem Plastik. Wo die herkamen, wurde den Mechanikern nach Ende des Spektakels klar. Während der Rennen hatten sich die Fans tage- und nächtelang kostenlos Softdrinks aus überdimensionalen Kühlschränken holen dürfen, die ständig wieder aufgefüllt wurden. Tausende leere Dosen sammelten die Oberbayern brav wieder ein, um sie dem Abfallkreislauf zuzuführen. Aber einen Container dafür suchten sie vergeblich. „Mülltrennung gibt es hier nicht, das wird alles zusammengeworfen.“ „Vielleicht lernen die Amerikaner ja bis nächstes Jahr dazu“, hofft Wagner. Dann gibt es ein Wiedersehen in Daytona. Die Einladung fürs nächste 24-Stunden-Rennen hat der 62-Jährige schon in der Tasche. Bild: Sterne und Streifen auf dem Dach, einen Feuerball am Heck: Der BMW M1 aus Kolbermoor war in Daytona der Publikumsliebling. Foto fkn

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